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Eurobike Frankfurt: Werbung für das Radfahren auf dem Mainkai

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Von: Christoph Manus

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Artistisch ging es am Samstag bei dieser Vorführung auf dem Frankfurter Mainkai zu. Im Bild: Jan Salzmann vom ASC Melsungen.
Artistisch ging es am Samstag bei dieser Vorführung auf dem Frankfurter Mainkai zu. Im Bild: Jan Salzmann vom ASC Melsungen. © Michael Schick

Die Eurobike hat den für Autos gesperrten Mainkai am Wochenende belebt. Dort gab es Vürführungen, einen Flohmarkt und viele Appelle für ein besseres Radwegenetz.

Voller Kraft tritt der Junge in die Pedale. Rast auf einem kleinen BMX-Rad hoch und runter auf dem Pumptrack, den der Kinderfahrradhersteller Scool in der Nähe des Eisernen Stegs aufgebaut hat, flitzt durch die Steilkurve und steigt ab. „Und, wie gefällt dir BMX?“, fragt eine Frau, die am Stand in der Frankfurter Innenstadt arbeitet. „Willst du noch ein anderes Rad probieren?“ Der Junge überlegt und fährt dann doch eine weitere Runde mit dem BMX. Noch teilt er sich den kleinen Rundkurs nur mit einem anderen Kind, das auf einem Roller herumsaust.

Allzu viel los ist gegen Mittag noch nicht auf dem Mainkai, den die Fahrradmesse Eurobike für ein Begleitprogramm zur Schau auf dem Messegelände nutzt. Lebendiger als an den meisten Tagen im Jahr geht es auf dem bis 5. September für Autos gesperrten Teil der nördlichen Mainuferstraße aber allemal zu. Stände sind aufgebaut, Kinder können sich in Parcours probieren, es gibt Vorführungen, Musik und einen Flohmarkt für gebrauchte Fahrräder und Ersatzteile.

Lars-Helge Kriener, der den „Frankfurter Fahrradmarkt“ am westlichen Ende der Messemeile betreibt, ist ganz zufrieden. „Es ist schon was los“, beteuert der Unternehmer, der mit seinem Markplatz für Gebrauchtfahrräder bisher vorwiegend in Berlin aktiv ist. Ohnehin halte der Trend zum Radfahren weiter an. Auch gute gebrauchte Räder zu bekommen, sei wegen der großen Nachfrage nicht mehr so leicht.

Die Messe

Die Eurobike , die größte Fahrradmesse der Welt, ist von Mittwoch bis Sonntag zum ersten Mal auf dem Frankfurter Messegelände durchgeführt worden. Rund 1500 Aussteller präsentierten sich dort auf 140 000 Quadratmetern Fläche in vier Hallen sowie im Außengelände, wo etwa Testfahrten möglich waren. Die seit 1991 bestehende Messe war zuvor

in Friedrichshafen ausgerichtet worden.

Die Messe zog nach Zahlen des Veranstalters Fairnamic 33 780 Fachbesucher:innen und 27 370 Fahrradfans an – und damit deutlich mehr Menschen als bei der Eurobike 2021 in Friedrichshafen. Fairnamic-Geschäftsführer Stefan Reisinger zeigte sich am Sonntagnachmittag sehr zufrieden mit den Zahlen und dem Messeverlauf.

Im kommenden Jahr soll die Eurobike von Mittwoch, 21. Juni, bis Sonntag, 25. Juni , wieder auf dem Frankfurter Messegelände stattfinden – diesmal in zeitlicher und örtlicher Verzahnung mit dem Nationalen Radverkehrskongress (20. und 21. Juni).

„Viele Leute entdecken das Radfahren wieder für sich“, beobachtet Peter Bulmahn von der Verkehrswacht Hessen, die an ihrem Stand etwa einen Fahrradsimulator bietet, an dem sich brenzlige Situationen durchspielen lassen. Doch gerade in den Großstädten gebe es einige Hürden. Große Nachfrage gibt es etwa nach Lastenrädern. „Doch wo stellt man sie ab in der Stadt?“ Vielleicht seien Quartiersfahrradgaragen eine Lösung.

Dass die Eurobike erstmals in Frankfurt ausgerichtet wird, lobt Bulmahn als echten Gewinn für die Stadt. Etwas weniger glücklich ist er mit dem Programm auf dem Mainkai. Im nächsten Jahr müssten sich vor allem mehr Hersteller dort präsentieren, findet er. Jetzt seien die Lücken zwischen den einzelnen Ständen ziemlich groß.

Gerade an den ersten Tagen sei wenig los gewesen, sagt auch Anne Wehr vom ADFC Frankfurt. Es müsse sich vielleicht erst etwas einlaufen. Die Idee, die Fahrradmesse in die Stadt zu tragen, sei aber gut. Gerade die Parcours für Kinder seien super. Frankfurt hat sich nach Ansicht Wehrs in den vergangenen Jahren durchaus zu einer fahrradfreundlicheren Stadt entwickelt. Das heiße aber nicht, dass nicht mehr passieren müsse. Wenn etwa der Frankfurter Flughafen nicht so schlecht an das Radwegenetz angebunden sei, könnten viele Tausend Menschen aus den umliegenden Städten per Rad dorthin zur Arbeit fahren.

Nur ein paar Meter weiter sammelt Bengt Köslich vom ADFC Hochtaunus Unterschriften für das Volksbegehren „Verkehrswende in Hessen“. Das gleichnamige breite Bündnis will etwa erreichen, dass mehr Fahrradwege und breitere Gehwege entstehen, dass das öffentliche Verkehrsnetz dichter und attraktiver wird, auch um in ländlichen Regionen bessere Alternativen für den Autoverkehr zu bekommen.

Nach und nach wird es voller am Mainufer. Hinter dem Eisernen Steg gibt es inzwischen Akrobatisches zu sehen. Jugendliche bewältigen mit ihren Rädern einen Parcours aus Paletten, ohne den Boden zu berühren, springen etwa auf den Hinterrädern von Stapel zu Stapel. „Trial“ nennt sich dieser Radsport. Am Rundkurs von Scool stehen die Kinder nun Schlange. Das Jüngste ist gerade mal 2,5 Jahre alt. Und mit dem Laufrad statt einem Fahrrad unterwegs.

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