FR-Altenhilfe

100 Euro fehlen für die Herz-OP

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Renate W. war immer nur für andere da ? und will, dass es so bleibt. Sie bekommt dabei Untersützung von der FR-Altenhilfe.

Das muss der 72-jährigen Renate W. erstmal jemand nachmachen: Jeden Morgen marschiert sie zehn Minuten zu ihrem 37-jährigen Sohn und übernimmt die Zwillinge, die sie um 9.30 Uhr zum Kindergarten bringt. Nachmittags holt sie die beiden Jungs wieder ab und betreut sie, bis der Vater gegen 18 Uhr nach Hause kommt. „Ich mache das gern“, sagt sie. Ihr Sohn sei Alleinerzieher und „Dachdecker mit Leib und Seele“. Die Zwillinge „sind mein ganzer Stolz“.

Die kleine Wohnung im Frankfurter Nordend ist geschmackvoll eingerichtet; auf dem Sofa liegt ein Kreuzworträtselheft, darüber hängt ein großes Bild der Frankfurter Skyline bei Nacht. Erst vor vier Monaten ist sie umgezogen: Der Weg von ihrer Wohnung in Nieder-Eschbach war zu weit geworden. Das Wohnungsamt habe ihr die neue Wohnung angeboten. Wie alle Menschen, die die Altenhilfe der Frankfurter Rundschau unterstützt, muss die 72-Jährige mit der Grundsicherung auskommen.

Fünf Kinder hat sie großgezogen. Tagsüber als Aushilfskraft im Krankenhaus gearbeitet, abends in der Kneipe dazuverdient. Da ist für die Rente nicht viel zusammengekommen. Und mit ihren Partnern hatte Renate W. kein Glück. Ihr letzter Mann sei Alkoholiker gewesen. Er habe sie geschlagen und schließlich auch die Kinder bedroht. Als er starb, sei sie „die glücklichste Witwe in Frankfurt“ gewesen, sagt sie.

Auf die Altenhilfe ist sie durch eine Bekannte gestoßen. Die Unterstützung legt sie am liebsten zurück, „bis ich mir mal ein Paar Schuhe oder eine Jacke gönne“. In diesem Jahr braucht sie 100 Euro für das Krankenhaus. Der Überweisungsschein liegt schon auf dem Tisch. „Ich bin ein bisschen herzkrank“, sagt sie. Zehn Tage werde sie im Krankenhaus bleiben und sich mit jeweils zehn Euro beteiligen müssen.

Noch schiebt sie die Operation vor sich her. Sie müsse doch auf die Zwillinge aufpassen. Zwischen den Jahren hat ihr Sohn frei. Dann wird sie sich ruhigen Gewissens operieren lassen. Auf die Frage, ob sie nicht öfter ein wenig mehr an sich selbst denken sollte, statt immer nur für andere da zu sein, antwortet sie: „Ich bin so, und ich bleibe so.“

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