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Etwa 2000 Menschen aus der „Querdenken“-Bewegung protestieren

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Mit Schafsgeblöke und Sirenen. „Querdenken“-Bewegung protestiert am Samstag.

Während an Wochentagen nur noch wenige Dutzend „Querdenker“ durch Frankfurter Straßen ziehen, zählt die Polizei am Samstag kurzfristig etwa 2000 Teilnehmer:innen, die von der Taunusanlage aus sechs Kilometer weit durch die Stadt zum Römer ziehen. Zum zweiten Mal sind keine Gadsen Flags dabei, wenige Russlandflaggen, keine Ukrainefahnen. Dafür die aus Kasachstan, Kroatien, Polen, Palästina, Israel, den Niederlanden, Jamaica mit Bob Marley in der Mitte, Kanada, Australien, Italien, der Türkei, Schleswig-Holstein, Frankreich, Spanien, Brasilien, Deutschland, Algerien, Argentinien, Kolumbien und einige mit Friedenstauben darauf.

„Widerstand“, „Freiheit“, rufen sie unter Paukenschlägen und Trommeln im Marschrhythmus. Aufgerufen haben sie in ihren Telegram-Kanälen zum „Großen Aufzug für Frieden und Freiheit“, angemeldet bei der Versammlungsbehörde ist das Thema „Bundesweiter Impfstopp wegen erheblicher Nebenwirkungen und fehlender Wirksamkeit der Covid-Impfung“. Es geht ihnen um ihre eigene Verschwörungstheorie-Freiheit.

Schon am Willy-Brandt-Platz versucht ein Mann mit Fotoapparat und „FCK ARD“-Button an der Schulter, Menschen zu schubsen. Ein Titelblatt von „Der Spiegel“ aus dem Jahr 1985 wird vorneweg getragen. Ein Plakat mit der Aufschrift „The ruling elite is pissing on us. And the media tells us it’s raining“ bewegt sich in der Nähe von „Media is the virus“. „Die regierende Elite pisst auf uns. Und die Medien erzählen uns, dass es regnet“ und „Medien sind das Virus“, proklamieren sie.

Einer hält „Die ReGIERung ist der Virus“ auf einem Plakat hoch. Zu einem Foto von Gesundheitsminister Karl Lauterbach steht „Lauterbo (macht) spritzt Kinder tot!!! und Erwachsene ebenso!“, „Politiker sind die Marionetten der Eliten“, „Impfzwang = Völkermord“, „Der Great Reset“, „Zur Freiheit hat uns Christus befreit. So stehet nun fest!“ oder „Sitzen oder Spritzen“, heißt es auf einem anderen Plakat, dessen Träger einen gestreiften Gefängnisanzug trägt und Zigarre raucht. In weißer Frakturschrift auf Schwarz steht auf einer Flagge „Lieber stehend sterben als kniend leben“, ein riesiges „Q“ aus Pappe zeigt auf der Rückseite: „Nichts kann das Kommende aufhalten, Einheit für Menchheit (sic!), enjoy the show, Vertraue dem Plan“. Das „Q“ steht für die Gruppe „QAnon“, die von den USA aus Verschwörungstheorien mit rechtsextremem Hintergrund verbreitet.

„Wird der Bürger unbequem, ist er plötzlich rechtsextrem“, konstatiert ein anderes Plakat, während Trommeln unermüdlich trommeln. Auf einem T-Shirt steht „Freiheit statt Maskenterror“. Kaum jemand trägt Maske. Sie ist auch keine Auflage. Leute mit Alupickelhaube mit Corona-Bommel, als Osterhasen verkleidet oder mit Sprüchen wie „No sheep in my circle“ („Keine Schafe in meinem Umkreis“) laufen mit. Aus einem Lautsprecher wird Schafsgeblöke abgespielt. Immer wieder stoppt der Zug. Sirenengeheul soll die Demonstranten einstimmen für Selbstmarketingvideos. Trommelmärsche geben den Auftakt zu rhythmischem Klatschen über dem Kopf.

In Bayern und Nordrhein-Westfalen sind Probealarme in der vergangenen Woche abgesagt worden, um „Verunsicherung der Bevölkerung oder sogar Fehlinterpretation“ zu vermeiden. Die „Querdenker“ stört das offensichtlich nicht.

Am Römer angekommen, sind es noch etwa 800 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Das Sirenengeheul, Trommeln und Klatschen wird mit der Deutschlandhymne am Abend gegen 19 Uhr beendet. Als auch die Polizei den Platz vor dem Rathaus verlässt, drehen die restlichen 20 „Querdenker“ die Musik auf und tanzen. „Tanz um dein Leben“ läuft vom Band. „Schluss mit dem Lockdown“, „Jerusalema“ und „Corona Ciao“.

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