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OB Peter Feldmann und DGB-Chef Philipp Jacks (links) singen die Internationale. 

Brauch

Mahl der Arbeit in Frankfurt

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Das „Mahl der Arbeit“ beginnt im Römer traditionell mit einer verbalen Vorspeisenplatte.

Im März 2012 wurde Peter Feldmann (SPD) zum Oberbürgermeister von Frankfurt gewählt. Seitdem macht er nichts als Arbeit. Wer viel Arbeit macht, muss aber auch mal was essen, und darum hat Peter Feldmann das „Mahl der Arbeit“ erfunden.

Genau genommen hat Feldmann weder das Mahl noch die Arbeit erfunden, es ist ein älterer Brauch, den es auch in anderen Städten gibt und der dazu dient, dass sich verdiente Gewerkschafter am Vorabend des 1. Mai auf Stadtkosten mal richtig satt essen können. Aber Feldmann weist am Dienstag im Kaisersaal darauf hin, dass von ihm der Brauch stamme, zum Mahle auf dem Römer-Balkon die DGB-Fahne zu hissen, und da habe bislang noch keiner drüber gemeckert.

Das grenzt an ein Wunder, denn zur Tradition des Frankfurter „Mahls der Arbeit“ gehört zwingend, dass der Bundestagsabgeordnete Matthias Zimmer (CDU) zum Nachtisch meckert. 2017 etwa war das Mahl auf den 27. April verlegt worden und Zimmer zürnte: „Wenn diese Entwicklung so weitergeht, kann der Oberbürgermeister in wenigen Jahren das Mahl der Arbeit mit dem Neujahrsempfang der Stadt Frankfurt zusammenlegen.“

So weit ist es nicht gekommen. 2019 dürfen sich die Arbeitnehmervertreter wieder am Vorabend des Kampf- und Feiertags stärken. Arbeitsmahlerfahrene Arbeitnehmervertreter haben sich zu diesem Zwecke mit Schokoriegeln proviantiert, denn anders als bei Brecht kommt hier das Fressen zuletzt, und vor das „Frankfurter Buffet“ in den Römer-Hallen hat die Tagesordnung die Ansprachen gesetzt, heuer von Peter Feldmann, dem DGB-Regionsvorsitzenden Philipp Jacks und Tanja Sabrina Henkel von der Jugendvertretung der IG Metall. Der DGB-Chor unter der Leitung von Martin Höllenriegel singt das „Verfassungslied“ von Lok Leipzig.

Gegen verkrustete Feudalstrukturen

Im vergangenen Jahr hatten die Gäste mit dem „Projektchor“ der Musterschule die „Internationale“ angestimmt, eigentlich auch eine alte Tradition beim Frankfurter „Mahl der Arbeit“, die nach Angaben des Oberbürgermeisters auf Peter Feldmann zurückgeht. „Ich finde es skandalös, dass in Frankfurt die Internationale im Kaisersaal gesungen wird“, hatte Zimmer anschließend auf Facebook genörgelt.

In seinem Grußwort 2019 erteilt Feldmann verkrusteten Feudalstrukturen eine klare Absage, indem er deutlich mehr Gewerkschafter begrüßt als Kaiser an der Wand hängen. „Frankfurt ist international ganz weit vorne“, stellt der OB fest, und bis die Eintracht den Römer-Balkon braucht, dürfte auch der Gewerkschaftswimpel wieder weg sein.

Seiner Rede ist zu entnehmen, dass Feldmann Oberbürgermeister einer Stadt ist, in der die Mieten wegen einer Mietpreisbremse nicht mehr steigen. Er ist aber auch Oberbürgermeister von Frankfurt und bedankt sich dafür bei den Anwesenden. Es sind etwa 300.

Feldmanns Rede nimmt traditionsgemäß irgendwann ein Ende, es übernimmt Philipp Jacks. „Der wirtschaftliche Fortschritt birgt auch Risiken, wenn man sich das Gesamtbild anguckt“, analysiert der DGB-Regionsvorsitzende die Stadt und den Erdkreis, und da dürfte diesmal selbst Matthias Zimmer einräumen, dass da was dran sein könnte, und nachdenklich schweigen. Aber man soll das Abendmahl nicht vor dem Tag der Arbeit loben.

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