Kommentar

Zerrieben in der politischen Mühle

  • Claus-Jürgen Göpfert
    vonClaus-Jürgen Göpfert
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Die Art, in der die Stadt der European School of Design den Neubau im Paradieshof verwehrt, ist eine Blamage für Frankfurt. Ein Kommentar.

Nach sechs Jahren ist das Gezerre um die Zukunft des Paradieshofs wieder am Ausgangspunkt angelangt. Das Gelände in Sachsenhausen liegt weiter brach. Die Stadt hat sich gründlich blamiert. Es wird sich über die Stadtgrenzen hinaus herumsprechen, wie Frankfurt mit der gut vernetzten European School of Design (ESD) umgesprungen ist.

2014 hatten sich die ESD-Direktoren an die städtische Wirtschaftsförderung gewandt, um einen neuen Standort zu finden. Wäre Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU) zuständig geblieben, hätten wir wahrscheinlich längst die Einweihung der neuen Schule gefeiert. Frank hätte die ESD als Chance begriffen, für den Wirtschafts- und Kulturstandort Frankfurt zu werben, und hätte die Ansiedlung auf dem Paradieshofareal mit kommunaler Hilfe vorangetrieben. Nach dem ESD-Konzept wären dort auch Wohnungen und ein öffentliches Café entstanden. Solche Koppelgeschäfte sind übliche Praxis für den Wirtschaftsdezernenten.

So aber geriet die private Designschule in die politische Mühle zwischen dem früheren Bürgermeister Olaf Cunitz (Grüne) und Liegenschaftsdezernent Jan Schneider (CDU). Was Cunitz noch so gut fand, dass er es mit Millionen Euro unterstützen wollte, fand bei Schneider keinen Rückhalt mehr. Er rang sich nicht zu einer Subvention durch. So wurde der ESD-Neubau buchstäblich zerrieben. Sehr schade.

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