+
Im Eschersheimer Freibad ist mal wenig los.

Zwischenbilanz

Der Sommer im Eschersheimer Freibad

  • schließen

Durchschnaufen auch im Eschersheimer Freibad – und herbe Kritik an der Verkehrssituation.

Die Wiesen leer, das Schwimmbecken halbvoll – man muss sich schon einen besonderen Moment in diesem Sommer aussuchen, um solch eine Situation in einem Frankfurter Freibad zu erleben. Der Samstagmorgen in Eschersheim ist ein solcher Moment. „Kurz nach neun, die allerbeste Zeit zum Schwimmen“, prustet Ludwig aus Niederursel, der nur mit Vornamen durch diesen Text kraulen möchte, „später ist es hier viel zu voll, dann kannste nur noch Schlangenlinien machen.“

Da irrt der Stammgast ausnahmsweise. Später könnte er noch komfortabler schwimmen – später regnet es nämlich. Ein total ungewohntes Bild. Aber die Abkühlung tut gut, und die Luft trägt dieses einzigartige Aroma. Sommerregen. Kostbar wie selten zuvor.

„Sie haben uns die Bude eingerannt“, erinnert sich Oliver Göckel, Schichtleiter im Eschersheimer Freibad, an das erste Badewochenende 2019. An einem einzigen Sonntag warfen sich da fast 60 000 Besucher in die Fluten der Bäderbetriebe Frankfurt in der ganzen Stadt; allein 10 000 kamen seinerzeit ins Eschersheimer Bassin mit seiner berühmten riesigen Wasserrutsche. „Es war so viel los, so viele Leute auf einmal im Wasser, das hatten wir noch nie erlebt.“ Die Kollegen machten Videos, weil sie das außergewöhnliche Bild festhalten wollten.

Wenn es heiß ist, zieht es die Leute ins Wasser, ganz klar. Und der Selbstversuch der FR am Samstagmorgen zeigt: Es hilft. Man fühlt sich auch hinterher noch eine ganze Weile erfrischt. Das hat sich offenbar herumgesprochen. Im Hitzesommer 2018 hatten die Frankfurter Bäder doppelt so viele Besucher wie im Jahr zuvor. 2019 wird da nicht ganz mithalten, trotz der Temperaturrekorde, sagt Göckel. Erstens seien die Ferien bald zu Ende – und dann ist da dieses Problem mit der U-Bahn.

U-Bahn ist Problem

„Die Bahnen fahren nicht“, Schienenersatzverkehr auf der meistgenutzten Strecke zwischen Süden und Norden. Hinzu kommt die traditionell schwierige Verkehrssituation. Von einem so großen Parkplatz wie etwa am Brentanobad in Rödelheim können die Eschersheimer Kollegen nur träumen. Und auch die Zufahrt zwischen der Nidda und dem Sportplatz des SV Heddernheim ist so eng, dass nicht mal ein Auto und ein Fahrrad aneinander vorbeikommen. „Da müsste sich die Stadt eigentlich mal etwas einfallen lassen“, sagt Göckel. „Was ist denn, wenn ein Rettungswagen so schnell wie möglich zu uns kommen muss?“

Im Schwimmerbecken rauschen gerade zwei Frauen frontal zusammen und gucken sich verdutzt an. Kraulstil, eine riskante Art der Fortbewegung. Aber ist nichts passiert außer vermutlich zwei Beulen. Draußen, zwischen den vier, fünf Familien, die trotz allem ihr Handtuch ausgebreitet haben, spaziert eine einzelne Nilgans unschlüssig herum. „Sie sind wieder da“, sagt der Schichtleiter mit leicht säuerlicher Miene. Nur wenige zwar, „Peanuts“ gegen die Hundertschaften, die sich im Brentanobad aufhielten, bis der Jäger kam, aber: „Die machen zusätzliche Arbeit.“

Eine Stunde braucht das Team morgens, um den Gänsekot zu beseitigen, „jeder muss ran“, mithelfen. Und abends? Aufräumen, was die Badbesucher zurückgelassen haben. „Wir haben wirklich viele Abfallkörbe“, seufzt Oliver Göckel und muss gar nicht weiterreden. Einer wachsenden Zahl von Gästen gelingt es einfach nicht, ihren Krempel da hineinzuwerfen, wo er hingehört. Verblüffend. Dabei wirken die meisten so sportlich. Am Freitag brauchte das Team bis 22 Uhr, ehe wieder klar Schiff war.

Das Eschersheimer Freibad öffnet morgens um 9 Uhr, solang noch Ferien sind. An besonders heißen Tagen schließt es erst um 21, sonst um 20 Uhr. Nach Ferienende gelten wieder die normalen Öffnungszeiten: werktags 10 bis 20 Uhr, am Wochenende 9 bis 20 Uhr. Ludwig aus Niederursel wird morgens stets einer der ersten sein. Das ist schließlich die beste Zeit zum Schwimmen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare