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Die Jazzmusiker von „Petit Fleur“ machten Stimmung beim Fest am Wasserturm.

Eschersheim

„Kunterbuntes Dinner“ in Eschersheim

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Besonders die Zukunft des Drosselbarts ist Thema beim „Kunterbunten Dinner“.

Die langen Tafeln sind reich gedeckt. Salate, aufgeschnittenes Obst, Würste und Käsespieße: Die Eschersheimer haben allerlei Leckeres mitgebracht zum gemeinsamen „Kunterbunten Dinner“ unter dem Wasserturm. Zum vierten Mal hat die Bürgerinitiative Liebenswertes Eschersheim zum Picknick eingeladen. Einst spontan entstanden, ist das Fest bereits jetzt eine Institution im Quartier.

„Es gibt in Eschersheim ja nicht mehr viele Orte, an denen man sich treffen kann“, sagt Organisatorin Barbara van de Loo. Neben dem fröhlichen Beisammensein diene das Fest auch dem politischen Austausch. Besonders die Zukunft des Eschersheimer Gartenlokals „Drosselbart“ wird am Samstagabend bei Nudelsalat und Apfelwein besprochen. Viele der rund 100 Stadtteilbewohner, die zum Dinner gekommen sind, zeigen sich besorgt über eine mögliche Schließung der Wirtschaft. Ein Aushang am Garagentor auf dem Hof am Wasserturm fordert: „Der Drosselbart muss erhalten werden“. „Nachverdichtung hat Grenzen!“ steht auf einem anderen Plakat. Auf den Stehtischen, liegt eine Unterschriftenliste aus, auf der sich die Teilnehmer eintragen können.

Fast 3000 Menschen hätten bereits per Signatur ihren Wunsch nach dem Erhalt der traditionellen Gaststätte bekundet, erklärt Initiatorin Gabriele Czarnulla. Seit Ende Mai hat die Eschersheimerin Unterschriften in ihrer Nachbarschaft gesammelt und die Quartiersbewohner über den Verkauf des Areals an der Eschersheimer Landstraße informiert. Die Anwohner zeigten sich „durch die Bank weg entsetzt“, sagt Czarnulla.

Viele Menschen in Eschersheim besorgt

Anfang des Jahres wurde das Grundstück an eine Entwicklungsgesellschaft verkauft. Auf dem Areal sollen neue Wohnungen entstehen. Viele Menschen in Eschersheim seien besorgt, dass der Drosselbart als Quartierstreffpunkt zukünftig wegfalle, sagt van de Loo. Auch sorge man sich um den Erhalt der über 100 Jahre alten Kastanien, die in den Sommermonaten den Gästen im Biergarten Schatten spenden. „Leider wurde unser Antrag an das Umweltamt Anfang des Monats abgelehnt“, sagt Czarnulla. Darin wurde die Stadt dazu aufgefordert, die vier alten Kastanien zum Naturschutzdenkmal zu erklären und sie damit vor der befürchteten Rodung zu bewahren. „Wir wollen trotzdem weiterkämpfen, damit unser Lokal und die Baumgruppe erhalten bleiben“, sagt Czarnulla.

Erhaltenswert findet auch Christa Rorem die Gastwirtschaft. Mit dem Lokal und den Bäumen ist die 82-jährige aufgewachsen. Direkt nebenan habe sie als Kind gewohnt und gespielt. „Man nimmt den Anwohnern etwas weg“, kommentiert die Frankfurterin den geplanten Abriss des Gebäudes samt Biergarten. Ohnehin gebe es in Eschersheim kaum attraktive Treffpunkte für den nachbarschaftlichen Austausch.

„Kein Grün mehr, nur noch Beton“, beschreibt Czarnulla ihr Viertel. Mehr als 100 Anträge seien mittlerweile bei Umweltamt eingegangen. „Ich finde es schön, dass so viele Nachbarn unserem Aufruf gefolgt sind“; sagt sie. Einige Anwohner hätten gar nichts gewusst von dem Eigentümerwechsel und dem geplanten Neubau. Nach dem Verteilen ihrer Infozettel hätten sich viele Bürger bei ihr gemeldet. „Die Leute wollen etwas tun für den Erhalt des Drosselbarts“, so Czarnulla. Einige hätten die Antragsvorlage von ihr genutzt und selbst einen Antrag an das Umweltamt gestellt. Dass die Stadt dem Wunsch der Bürger nicht nachkomme, findet sie sehr bedauerlich.

Trotz der teils ernsten Themen, die beim Picknick beredet werden, bleibt noch genügend Zeit, um Spaß zu haben beim Kunterbunten Dinner. Nach einigen Stunden beginnen die ersten zur Livemusik des Jazztrios „Petite Fleur“ zu tanzen.

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