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Keine Rettung für die Wagenhalle in Eschersheim

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Von: Judith Dietermann

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Das alte Straßenbahndepot muss abgerissen werden.
Das alte Straßenbahndepot muss abgerissen werden. © sauda

Das alte Straßenbahndepot wird abgerissen, das Areal dafür der nahen Ziehenschule zugeschlagen.

Für viele Menschen aus Eschersheimer ist es längst in Vergessenheit geraten: das 1888 erbaute Straßenbahndepot im Hinterhof der Eschersheimer Landstraße 552. Wie ein verwunschener Ort sieht das Gebäude aus, Efeu ist in den vergangenen Jahren an der bröckelnden Backsteinfassade emporgeklettert.

Bei solch einem Anblick ist es schwer vorstellbar, dass dort einst Dampfzüge hinein und heraus rollten. Zumal mit der Einstellung des Betriebes am 21. März 1967 die charakteristischen Schienen verschwanden. Immer wieder rankten sich in den vergangenen Jahren Gerüchte darum, wie es mit dem stillgelegten Gebäude, das 2010 in den Besitz der Stadt überging, weitergeht. Stets spielte dabei die unmittelbare Nähe zur Ziehenschule eine Rolle. So auch jetzt.

„Der Abriss des Depots wird von der Stadt befürwortet, das Areal soll für die Erweiterung des Gymnasiums dienen“, erklärt Julia Breitdenöder, Vorsitzende des Schulelternbeirats der Ziehenschule. Dass sei den vielen Eltern, die sich seit vielen Wochen wegen der beengten Platzverhältnisse an der Schule im regen Austausch mit dem Bildungsdezernat befinden, mitgeteilt worden.

Ebenso sollen die alten Baracken auf dem Schulgelände abgerissen und langfristig durch Container ersetzt werden. „Wir sind wirklich guter Hoffnung“, sagt sie.

Aussagen, die Markus Radermacher, Sprecher des Amts für Bau und Immobilien, nicht direkt bestätigen will. „Wir untersuchen zurzeit, ob Container auf dem Schulgelände gestellt werden können und berücksichtigen dabei neben der räumlichen Situation auch die zeitliche Koordination mit der geplanten Erweiterung und dem Umbau der Schule selber.“ Ein Ergebnis sowie einen Zeitrahmen gebe es nicht.

Etwas konkreter wird er dafür bei der Zukunft des alten Straßenbahndepots, das nicht denkmalgeschützt ist. Dieses könne mit vertretbarem Aufwand leider nicht weiter genutzt werden. Das Grundstück könne aber in die weiteren Planungen für die Schule einbezogen werden, sagt er und verweist auf eine Stellungnahme aus dem Februar 2019. Darin ist nachzulesen, dass das Depot erhebliche bauliche Mängel aufweist. Die Standsicherheit sei jedoch nicht gefährdet, hatte damals das Gutachten eines Ingenieurbüros ergeben.

Ortsvorsteher Friedrich Hesse (CDU), der selbst Lehrer an der Ziehenschule war, bedauert, dass das Straßenbahndepot wohl nicht erhalten werden wird. „Ich hätte mir hier mehr Kreativität von der Stadt gewünscht. Zumal es ja entsprechende Vorstöße aus dem Kollegium gab.“

Auch für die Eltern sei der mögliche Abriss überraschend gekommen, sagt Julia Breitenöder. „Es gab immer zwei Möglichkeiten: Entweder es wird als Gebäude in die Schule integriert oder eben abgerissen und das Areal der Schule zugeschlagen“, meint sie, betont aber zugleich, dass für die Eltern die Erweiterung der Schule oberste Priorität habe.

Zumindest seien die fünf Klassenräume, die durch den Brandanschlag vor einem Jahr lange nicht genutzt wurden konnten, inzwischen fertig saniert. Die Klassen, die in den vergangenen Wochen in das leerstehende Gebäude der Hermann-Herzog-Schule an der Fritz-Tarnow-Straße pendeln mussten, könnten wieder in Eschersheim unterrichtet werden. „Das ist aber nur ein kleiner Tropfen auf den heißen Stein. Wir als Eltern bleiben dran und setzen uns weiterhin für Sanierung und Umbau der Ziehenschule ein“, verspricht sie.

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