Die Kastanien des Drosselbarts sind Geschichte. Foto: Bernd Kammerer
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Die Kastanien des Drosselbarts sind Geschichte. 

Frankfurt-Eschersheim

Eschersheim: Kastanien vor „Drosselbart“ sind weg

Die vier alten Kastanien im Garten des Drosselbarts stehen nicht mehr. Sie weichen einem Neubau mit 45 Wohnungen. Gartenfreunde bundesweit verärgert.

Wenn Gabriele Czarnulla ihre Wohnung in der Zehnmorgenstraße verlässt und sie Richtung Bahnhof geht, zeigt sich ihr seit gestern ein Bild, auf dass sie allzu gerne verzichten würde. Der bislang unter hohen Bäumen schlummernde Biergarten der traditionsreichen Gaststätte „Drosselbart“ ist kahl, vier mehr als einhundert Jahre alte Rosskastanien sind weg.

Kastanien vor Drosselbart abgeholzt

„Es ist sehr traurig. Ich finde es empörend, dass der Stadtteil um sein charakteristisches Merkmal beraubt wurde“, sagt Czarnulla. Aus genau diesem Grund habe sie auch wochenlang rund 3000 Unterschriften für den Erhalt und die Ausweisung der Bäume als Naturdenkmal gesammelt. Das sei jedoch nicht möglich, stellte das Umweltamt nach eingehender Prüfung fest. Auch, weil die Kastanien nicht mehr ganz gesund und ihre Lebensdauer damit begrenzt wäre, lautete die Begründung.

Mittwoch war es dann soweit: Am Vormittag rückten die Arbeiter an. Erst wurden die Äste der rund 20 Meter hohen Bäume entfernt, dann die dicken Stämme Stück für Stück abgesägt. „Es sah wirklich schlimm aus. Da blutet mir das Herz“, sagt Horst Müller, der mit seiner Frau zufällig am Drosselbart vorbeikam. Der 65-Jährige, der in Preungesheim wohnt, ist in Eschersheim aufgewachsen, die Bäume kennt er von Geburt an. Sie gehörten zum Stadtteil dazu, sagt er.

Kastanien vor Drosselbart weichen Neubau

Platz machen mussten sie für den geplanten Neubau auf dem 1800 Quadratmeter großen Areal. 2018 war das Grundstück von der Delom Wohnbau erworben worden. Bauherr Dominic Reinemer plant dort ein fünfstöckiges Gebäude mit 45 Wohnungen und Tiefgarage sowie Werkstatt und Krabbelstube. Und: Im Erdgeschoss soll es eine Gaststätte geben, samt Biergarten.

Für zwei der vier gefällten Kastanien soll es Ersatzpflanzungen geben. Das schöne, das liebgewonnene Flair komme aber sicher nicht zurück. Davon ist Gabriele Czarnulla überzeugt. „Unter den gegebenen Umständen wurde das Bestmögliche geschaffen, aber so ein Gebäude passt vielleicht in die Innenstadt.

Nicht jedoch zu uns nach Eschersheim“, sagt sie. Dass zumindest die Winterlinde erhalten werden konnte, sei zwar schön, aber auch kein Trost für den großen Verlust. Zumal es in Eschersheim in den vergangenen Jahren bereits viele Veränderungen gegeben habe, sagt Czarnulla und zählt die alte Batschkapp und den Bunker auf. „Wenigstens dieses Fleckchen hätte man uns doch lassen können. Zumal es das letzte größere Grün in Alt-Eschersheim war“, sagt sie.

Drosselbart behält Gastronomie

Der Ortsbeirat hat sich für den Erhalt der Bäume eingesetzt, ohne Erfolg. Donna Ochs (SPD) seufzt. Viele Nachrichten gehen dieser Tage bei ihr ein. Nachrichten und Bilder von Eschersheimern, die erschrocken waren, dass die Kastanien gefällt werden. Obwohl bekannt war, dass dies bald passieren wird. „Im Frühjahr dürfen die Bäume wegen brütender Vögel nicht gefällt werden“ erklärt sie.

„Zu sehen, dass die Kastanien nun wirklich fallen, ist trotzdem schwer“, sagt Ochs und spricht bei den Bäumen von einem Wahrzeichen. Wenigstens bleibe der Biergarten erhalten, ebenso wie die Gaststätte. „Nüchtern betrachtet hätte es schlimmer kommen können“, sagt sie. Das Baurecht hätte dem Eigentümer ermöglicht, das komplette Areal zu überbauen, sagt Fraktionskollegin Sylvia Kunze. Als Kompromiss erhalte er nun wenigstens die Gastronomie und einen Teil des Gartens.

Über die sozialen Netzwerke erringt der Kahlschlag nun auch bundesweit Aufmerksamkeit. So hat die Facebook-Seite „Gärten des Grauens“ dem Vorhaben am Freitag den „Terror Gardening Award Februar 2020“ verliehen. Die Seite prangert für gewöhnlich Steingärten und deren ökologische Nutzlosigkeit an. 

(mit sky)

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