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Viele Bürger im Stadtteil sorgen sich um die Zukunft der Gaststätte.

Eschersheim

Traditionslokal Drosselbart in Frankfurt soll einem Neubau weichen

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Der Investor plant offenbar, das Traditionslokal abzureißen. Stattdessen soll dort ein Wohnhaus mit Gastronomie errichtet werden.

Die Eschersheimer Landstraße 607, für viele Frankfurter Bürger ist diese Adresse verbunden mit einem Stück städtischer Tradition. Seit vielen Generationen kehren Gäste in das dort beheimatete Gartenlokal „Drosselbart“ ein. Schon zu Vorkriegszeiten verköstigte die Gaststätte seine Besucher unter dem Namen „Zur Stadt Frankfurt“ mit hessischen Spezialitäten. Doch nun müssen die Eschersheimer um die Zukunft des beliebten Kultlokals in ihrem Quartier bangen. Anfang des Jahres wurde die Liegenschaft an einen Frankfurter Investor verkauft.

Erste Gespräche über einen Neubau auf dem Areal habe es bereits gegeben, sagt die Leiterin der Bauaufsicht, Simone Zapke. Laut Medienberichten soll es sich bei dem Käufer um die Entwicklungsgesellschaft BPT Esch GmbH handeln. Deren Geschäftsführer, Dominic Franz-Josef Reinemer, wollte sich gegenüber der FR dazu nicht äußern. Auch Michael Möllner möchte weder zum neuen Eigentümer noch zur Zukunft des Drosselbarts nähere Angaben machen. „Mit dem Verkauf des Areals habe ich nichts zu tun“, so der Pächter der Gastwirtschaft.

Ganz verzichten auf den Gastronomiestandort müssen Anwohner wohl nicht. Aus Gesprächen mit dem neuen Eigentümer sei hervorgegangen, dass in den geplanten Neubau eine Gaststätte integriert werden solle, sagt Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne). Und auch mit Blick auf den Erhalt des 100 Jahre alten Baumbestands auf dem Areal sei sie nach dem Austausch mit dem Käufer „frohen Mutes“. „Baudezernent Jan Schneider und ich freuen uns, mit dem neuen Investor einen Partner an unserer Seite zu haben, dem sowohl der Baumbestand als auch die Interessen der Bürger wichtig sind“, sagt die Stadträtin. Im Gegenzug werde die Stadt dem Eigentümer mit Blick auf die Gebäudehöhe des geplanten Wohnhauses entgegenkommen.

Bereits 2016 machten Gerüchte über eine mögliche Schließung der historischen Gaststätte die Runde. Nachdem der damalige Lokalbetreiber in den Ruhestand ging, blieb die Wirtschaft für mehrere Monate geschlossen. Zahlreiche Investoren kündigten ihr Interesse an der Liegenschaft an. Möllner, zu dem Zeitpunkt schon mehrjähriger Mitarbeiter des Drosselbarts, wollte den Gastronomiestandort jedoch erhalten und trat zusammen mit Teilhaberin Andrea Parrandier die Pachtnachfolge an.

Die Nachricht, dass die Liegenschaft nun doch verkauft wurde, habe für Entsetzen gesorgt, berichtet Barbara van de Loo von der Nachbarschaftsinitiative „L(i)ebenswertes Eschersheim“. Schützenswert sei nicht nur das Traditionslokal, das, anders als die meisten Lokalitäten, den Wandel der letzten Jahrzehnte im Stadtviertel überlebt habe. Auch der mögliche Verlust der alten Kastanien, die den Gästen des Biergartens Schatten spenden, gleiche einer „Katastrophe“. Wendel Burkhardt von den Grünen im Ortsbeirat 9 sieht das ähnlich. Die Wirtschaft als Treffpunkt für die Menschen vor Ort gelte es zu erhalten. „Ist das nicht möglich, werden wir uns dafür einsetzen, wenigstens den Baumbestand zu retten.“ Bereits vor zwei Jahren habe man den Magistrat gebeten, zu prüfen, ob die alten Bäume unter Naturschutz gestellt werden könnten. Eine solche Prüfung habe stattgefunden, bedürfe aber einer Aktualisierung, sagt Heilig. Zudem sei bei Privatgrundstücken grundsätzlich die Zustimmung des Inhabers nötig.

Mit der Bitte um Unterstützung für den Erhalt des Drosselbarts hätten sich in den vergangenen Tagen mehrere Bürger an den Ortsbeirat gewandt, sagt Vorsteher Friedrich Hesse. Das Gremium wird in seiner heutigen Sitzung über das Thema beraten. Die SPD legt einen Antrag vor, in sie den Magistrat bittet, sich gegen einen vollständigen Abriss auszusprechen. Der dortige Großgarten sei im Stadtteil einzigartig und ein Kulturgut. Zudem werden die Grünen einen Antrag einbringen, in dem die Stadt erneut zur Aufnahme der Bäume in den Naturschutzbestand aufgefordert wird.

Der Ortsbeirat 9tagt heute um 19.30 Uhr im Gemeindesaal der Andreasgemeinde, Kirchhainer Straße 2.

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