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Bibeltexte als Vorlage für Choreographien

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Von: Sabine Schramek

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Bibliotanz heißt der Tanzgottesdienst, der in der Andreasgemeinde Premiere hatte.
Bibliotanz heißt der Tanzgottesdienst, der in der Andreasgemeinde Premiere hatte. © rüffer

Eschersheimer Andreasgemeinde feiert ersten Tanzgottesdienst. Den sogenannten Bibliotanz soll es auch künftig geben.

Ganz in Weiß mit schwarzen Socken gekleidet bewegen sich Frauen geschmeidig wie Katzen und kichern. Um sie herum stehen 60 Stühle im Kreis, rote Kerzen auf Tischchen dahinter. Pfarrerin Sabine Fröhlich trägt ebenfalls weiß mit schwarzen Socken. Ihr Lächeln ist herzlich und offen, ein Funken Nervosität ist dabei. „Wir machen das heute zum ersten Mal“, sagt sie und meint „Bibliotanz“ beim Gottesdienst.

Fröhlich winkt einer Frau und Astrid Thiele-Pedersen aus Plön in Schleswig-Holstein löst sich aus der Gruppe der Tänzerinnen, die sich geräuschlos drehen, ihre Körper strecken und zusammenziehen. Die Theologin und Theaterpädagogin hat in den 1990er Jahren Bibliotanz entwickelt und sich vor sieben Jahren selbständig gemacht. „Hier ist heute meine erste Ausbildungsgruppe, die zwei Jahre lang gelernt hat“, sagt sie stolz.

„Normalerweise ist alles Improvisationstanz passend zu Bibeltexten. Das, was man fühlt, wird getanzt.“ Für den Gottesdienst wurde zu zwölft am Samstag drei Stunden lang geprobt und eine Choreographie entwickelt. Auch Fröhlich ist dabei bei den elfengleichen Bewegungen, die Sanftmut, Hoffnung und Vertrauen ausstrahlen.

Wolfgang Tews spielt „Morgenlicht leuchtet“ auf dem Klavier. Sanft lädt die Pfarrerin die Besucherinnen und Besucher ein, mitzumachen. „Im Sitzen, im Stehen oder hier in der Mitte, wo Platz für alle ist“. Anfangs zögernd trauen sich nach und nach fast alle. Lassen Worte und Musik auf sich wirken, bewegen sich mit. Arme breiten sich aus, aus kleinen Schritten werden größere, Takt, Rhythmus und Drehungen. Augen leuchten.

Eine Stunde lang lösen sich die Menschen aus ihrem Alltag und lassen zu, dass die Worte auf sie übergehen. Ob im vierstimmigen Kanon „Gloria, Gloria in excelsis deo“ oder beim Segen, der nicht von der Pfarrerin für alle gesprochen, sondern von allen gesungen und getanzt wird. Jeder zu jedem in direktem Kontakt.

Renate Lutter ist an ihrem Stuhl geblieben und hat von dort aus den Segen mitgesungen. „Eigentlich komme ich aus Bergen-Enkheim. Ich war neugierig und wollte sehen, wie das ist mit Tanz. Und es ist toll. Das bringt die Gemeinde richtig eng zusammen. Und die Atmosphäre im Gemeindesaal ist viel schöner als in einer Kirche“, sagt sie. Aus Worms ist Annalena Hermanie angereist. „Ich habe von Sabine Fröhlich von dem Tanzgottesdienst erfahren und wollte ihn unbedingt erleben. Die Fahrt war es eindeutig wert. Es war so unglaublich berührend.“ Glücklich sind am Ende alle. Auch Fröhlich. „Wenn ich die Gesichter der Menschen sehe, die singen und tanzen, bewegt sich auch etwas in mir selbst.“

Bibliotanz in der Andreasgemeinde wird es weiter geben. „Wer mag, macht mit“, sagt Pfarrerin Sabine Fröhlich, deren Traum es ist, „irgendwann im Sakralraum der Kirche nicht auf Bänken, sondern im Kreis zu sitzen. Im Rund ist es eine Atmosphäre, die einfach beglückt.“

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