Die Wohnwagensiedlung Bonameser Straße gibt es bereits seit den fünfziger Jahren.

Eschersheim

Angst vor Zwangsräumung

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Die Bewohner der Wohnwagensiedlung Bonameser Straße sorgen sich um die Zukunft ihrer Behausungen. Erst vor kurzem sollte dort eine Mutter mit ihrem neugeborenen Kind zwangsgeräumt werden. Jetzt schaltet sich der Ortsbeirat ein.

Die geplante Zwangsräumung einer jungen Mutter und ihres Säuglings in der Wohnwagensiedlung Bonameser Straße löst unter den Bewohnern Besorgnis aus. Wie die Anwohnerin Augusta Fletterer berichtet, sei die für Mai angesetzte Räumung lediglich am Wohlwollen des Gerichtsvollziehers gescheitert. Angesichts des jungen Alters des Babys von nur fünf Wochen habe dieser am Tag der Vollstreckung kurzerhand von der Räumung abgesehen. Akuten Grund zur Sorge für die Zukunft der Bewohner sieht Fletterer dennoch.

Sie selbst habe bereits eine Kündigung von der Wohnheim GmbH erhalten, die das Gelände für die Stadt verwaltet. Der Grund: Nicht sie und ihre Geschwister, sondern ihr Vater stehe im Mietvertrag. „Nach dem Tod meines Vaters kam dann prompt die Kündigung“, erzählt Fletterer. Einigen ihrer Nachbarn sei es auch so ergangen. Wie diese klagt Fletterer. „Wir sind an das freie Leben hier gewohnt und wollen nicht weg“, sagt die Anwohnerin, die die vergangenen 52 Jahre mit ihrer Familie auf dem Areal im Norden der Stadt gelebt hat.

Richtig willkommen fühlten sich die Bewohner der Siedlung indes noch nie. Anfang der 50er Jahre wurde sie als loser Wohnverbund von armen Familien ohne festen Wohnsitz gegründet. Seit jeher berichten die Menschen dort von Ausgrenzung und Stigmatisierung. Die Wohnheim GmbH hatte schon vor mehr als zehn Jahren „grundlegende Veränderungen“ für das Lager angekündigt, das aufgrund fehlender Genehmigungen keine anerkannte Wohnsiedlung ist. Seit mehreren Jahren darf niemand mehr auf das Gelände ziehen.

Eine Klärung darüber, wie es mit der Siedlung weitergehen soll, möchte die SPD im Ortsbeirat 9 erzielen. Für die heutige Sitzung stellt die Fraktion zwei Anträge, in denen sie die zuständigen Institutionen und Akteure zum Dialog auffordert. Außerdem wird der Magistrat aufgefordert, die Zwangsräumung und die Kündigungen zurückzuziehen. „Der Umgang mit den Bewohnern muss fairer ablaufen“, findet Donna Ochs (SPD).

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