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Es lebe der Friedhof

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Von: Lukas Geisler

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Auch die Grabkapelle auf dem Hauptfriedhof war geöffnet.
Auf die Grabkapelle auf dem Hauptfriedhof war geöffnet. © Michael Schick

Führungen, Infostände und musikalisches Begleitprogramm werden von Hunderten Interessierten beim Tag des Friedhofs angenommen.

Selten sind die monumentalen Portalbauten am Haupteingang des Hauptfriedhofs so gut besucht. Mehrere Hundert Besucher:innen sind trotz regnerischen Wetters aufgrund des deutschlandweiten Tags des Friedhofs zum Frankfurter Hauptfriedhof gekommen. An Infoständen und bei Führungen konnten Friedhofsgärtner:innen und andere Beschäftigte auf die gesellschaftliche Bedeutung von Friedhöfen sowie auf Formen moderner Trauerkultur aufmerksam machen. In der beachtlichen Trauerhalle, die im Jugendstil erbaut wurde, gab es zudem ein musikalisches Begleitprogramm.

Die 36 städtischen Friedhöfe nehmen eine Gesamtfläche von rund 250 Hektar ein. Allein der Hauptfriedhof ist über 70 Hektar groß, beheimatet über 7000 Bäume und hat ein Wegenetz von mehr als 60 Kilometern. 80 000 Gräber befinden sich auf ihm. Damit bildet der 1828 eröffnete Hauptfriedhof zusammen mit den beiden angrenzenden jüdischen Friedhöfen einen der größten Friedhofkomplexe Deutschlands.

Klaus Heinrich, 56, vom Grünflächenamt betont die Wichtigkeit des Tags des Friedhofs. „Wir können hier anschaulich machen, wo die städtischen Gelder hinfließen“, sagt er. 180 Menschen arbeiten allein rund um die Frankfurter Friedhöfe. Der Etat dafür beträgt 22 Millionen Euro im Jahr. Aus diesem Grund hat das Grünflächenamt auch Arbeitsfahrzeuge vom kleinem Einmannbagger bis zum Lastkraftwagen mit Ladekran ausgestellt, die für die Pflege der Friedhöfe benötigt werden.

Neben dem Grünflächenamt ist auch die Steinmetzinnung Hessen Mitte vertreten. Bei ihrem Stand können Kinder sich mit echtem Werkzeug und Steinen am alten Handwerk versuchen. Jonas Voll ist 32 und betreut den Stand. Er sei familienbedingt zum Handwerk gekommen. Gunther Seiffert, 57, steht mit ihm am Infostand. Er sagt: „Wir wollen junge Menschen wieder dafür begeistern etwas mit der Hand zu machen“. Grundsätzlich, das sagen beide, sei das Handwerk erlernbar für jedermann. Was es brauchen würde, seien nur Wille und Erfahrung.

Die Besucher:innen sind aus den unterschiedlichsten Gründen heute auf dem Gelände des Hauptfriedhofs. Ellen Voigt, 56, und Claudia Deutscher, 55, haben das Grab einer Freundin besucht und den Tag des Friedhofs zum Anlass genommen. „Von der Trauerhalle sind wir begeistert“, sagen beide. Die Blaskapelle haben sie leider verpasst. Hubert Pfeiffer, 75, steht im Mausoleum von Reichenbach-Lessonitz, das stets für die Öffentlichkeit verschlossen ist. Nur bei Führungen ist eine Besichtigung der eindrucksvollen Grabkammer möglich. Pfeiffer ist fasziniert vom Hauptfriedhof. „Die Frankfurter Stadtgeschichte spiegelt sich hier wider. In den 1960er habe ich als Schüler hier einen Nebenjob gemacht“, erzählt er. Durch die Pandemie habe er erst den Friedhof für sich wiederentdeckt.

Brigitte Franke, 77, gibt seit 15 Jahren Führungen. „Ich bin Frankfurterin und ich kenne mich aus“, gibt sie stolz kund. Führungen zu geben sei ihr Hobby. Zweieinhalb Stunden führt sie die Besucher:innen über das weitläufige Gelände. Sie kennt fast jedes Grab bekannter Persönlichkeiten und so geht es vom Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki bis zum Familiengrab der Brauereigründers Conrad Binding. Auch der Sozialphilosoph und einer der Hauptvertreter der Kritischen Theorie, Theodor W. Adorno, hat auf dem Hauptfriedhof seine letzte Ruhe gefunden.

Stadtführer Christian Setzepfandt zeigte den Besucher:innen auch das Grab von Arthur Schopenhauer.
Stadtführer Christian Setzepfandt zeigte den Besucher:innen auch das Grab von Arthur Schopenhauer. © Michael Schick
Und auch die Grabstätte von Hans Rose, einem in Frankfurt geborenen Kunsthistoriker, wurde besucht.
Und auch die Grabstätte von Hans Rose, einem in Frankfurt geborenen Kunsthistoriker, wurde besucht. © Michael Schick

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