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„Es ist nicht normal, jahrelang Schmerzen zu haben“

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Von: Yağmur Ekim Çay

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Dr. Resmiye Ermis ist die Chefärztin des Minimal-Invasive-Chirurgie (MIC) und Myom-Zentrums in der Klinik Rotes Kreuz in Frankfurt.
Dr. Resmiye Ermis ist die Chefärztin des Minimal-Invasive-Chirurgie (MIC) und Myom-Zentrums in der Klinik Rotes Kreuz in Frankfurt. © Privat

Resmiye Ermis, Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, über Behandlungsmöglichkeiten bei der Endometriose

Frau Ermis, was ist Endometriose?

Endometriose bedeutet Wucherungen aus gebärmutterschleimhautartigem Gewebe, das außerhalb der Gebärmutterhöhle meist in benachbarten Organen und Geweben wächst.

Welche Symptome zeigen sich bei Endometriose?

Vor allem Schmerzen während der Regelblutung, aber auch zyklusunabhängig. Je nach Lokalisation der Endometriose kann es zu unterschiedlichen Beschwerden wie z.B. Harnblasenentleerungsstörungen kommen. Oftmals stellen sich bei mir in der Sprechstunde Patientinnen mit Sterilität vor, bei denen ich dann erst die Diagnose stelle.

Ist Endometriose heilbar?

Man kann Endometriose nicht heilen. Das ist leider eine chronische Krankheit. Deswegen möchte man das als Volkskrankheit anerkennen.

Was kann man gegen Endometriose machen?

Medikamente und Operation helfen, die Symptome zu lindern und können auch zu Beschwerdefreiheit führen. Wenn alles chrirurgisch entfernt worden ist, helfen die Medikamente, dass die Herde nicht wieder oder weiter wachsen und zu Beschwerden führen. Aber auch Osteopathie, Sport und richtige Ernährung können dabei helfen.

In Ihrer Klinik behandeln Sie auch Endometriose. Was sind Ihre Eindrücke von den Patientinnen?

Die Patientinnen kommen mit irgendwelchen Beschwerden zu uns, aber ich stelle da öfters fest, dass Endometriose meistens ein Zufallsbefund ist. So stellen wir zum Beispiel bei einer Operation auf einmal Endometriose fest.

Kennen sich die Ärzt:innen mit der Krankheit aus? Worauf sollen sie aufpassen?

Ich höre immer von den Patientinnen, die seit fünf Jahren Bauchschmerzen haben, dass nicht reagiert werde. Ich denke, es ist teilweise die Zurückhaltung wegen einer Operation, weil die Ärzte und Ärztinnen sich fragen, was nach einer Operation passiere. Wird es danach wirklich besser? Wir gucken mit der Pille erst einmal, ob die Beschwerden weniger werden, und wollen eine Operation möglichst vermeiden. Leider wird es, wenn man die Endometriose erst bei einem schweren Verlauf feststellt, schwieriger, sie dann zu behandeln. Daher kann eine frühzeitige Operation durch Bauchspiegelung wichtig sein.

Der Hessische Landtag will Endometriose als Volkskrankheit anerkennen. Wie sehen Sie das?

Ich denke, es ist wichtig, dass eine weit verbreitete Aufklärung noch erfolgen muss, und es ist klarzumachen, dass es nicht normal ist, jahrelang Schmerzen zu haben. Patientinnen und vor allem junge Frauen darüber aufklären, ist sehr wichtig. Ich habe oft genug Patientinnen, die mich fragen, was Endometriose ist. Bei den Ärzten muss auch ein Umdenken stattfinden in der Hinsicht, dass man Patientinnen früher eine Operation anbietet, und nicht erst, wenn sie nicht schwanger werden können.

Was brauchen die Frauen mit Endometriose? Was soll man da noch tun?

Vor allem Anerkennung, dass es diese Krankheit gibt. Denn die hinkt noch hinterher. Ich empfehle allen Frauen, die seit langem Bauchschmerzen haben, vor allem bei einer Regelblutung, an die Operation zu denken.

Interview: Yagmur Ekim Çay

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