Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Neben dem Budenzauber in Sossenheim wurden auch die Weihnachtsmärkte in Sindlingen, Nied, Bornheim und am Frankfurter Berg abgesagt.
+
Neben dem Budenzauber in Sossenheim wurden auch die Weihnachtsmärkte in Sindlingen, Nied, Bornheim und am Frankfurter Berg abgesagt.

Weihnachten

Es hagelt Absagen

  • Julia Lorenz
    VonJulia Lorenz
    schließen

Fastnachtssitzungen, Weihnachtsmärkte, Adventsbasare – immer mehr Veranstaltungen fallen aus.

Zusammen schunkeln, lachen, tanzen, feiern, quatschen: Das wollten die Fastnachter der Fidelen Eckenheimer am kommenden Samstag wieder gemeinsam erleben – nach all den abgesagten Veranstaltungen im Frühjahr und im vergangenen Jahr. Doch auch an diesem Samstag wird nichts daraus. Der Vereinsvorstand hat sich dazu entschlossen, die Eröffnungssitzung der Fastnachtskampagne wieder abzusagen.

„Mir blutet das Herz“, sagt Hans-Jürgen Schmidt, zweiter Vorsitzender und Sitzungspräsident des Vereins. „Aber angesichts der hohen Corona-Zahlen hatten wir kein gutes Gefühl.“ Immerhin seien viele der Kinder und Jugendlichen, die auf der Bühne hätten stehen sollen, nicht geimpft. „Wir haben eine Verantwortung für sie“, so Schmidt. Selbst Überlegungen, den Zutritt nur für Geimpfte und Genesene zu gewähren und zusätzlich Tests und Masken vorzuschreiben, hätten ihm und seinen Vorstandskollegen Bauchschmerzen bereitet. „Es ist einfach zu gefährlich.“

So wie Hans-Jürgen Schmidt von den Fidelen Eckenheimern geht es in diesen Tagen zahlreichen Mitgliedern von Vereinen und Kirchenvorständen, die im November und Dezember Fastnachtssitzungen, Weihnachtsmärkte oder Adventsbasare geplant hatten. Viele Veranstaltungen werden aufgrund der rasant steigenden Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus wieder abgesagt.

In Frankfurt lag die Sieben-Tage-Inzidenz am Mittwoch bei einem Wert von 271,2. Seit Ausbruch der Pandemie sind bisher insgesamt 54 912 Frankfurter:innen positiv auf das Coronavirus getestet worden. 887 Menschen sind gestorben. Auf den Intensivstationen im Stadtgebiet wurden am Mittwoch nach Angaben des Divi-Intensivregisters 45 Corona-Kranke behandelt, 15 davon mussten invasiv beatmet werden.

Angesichts dieser Zahlen hat sich auch die Interessengemeinschaft Sossenheimer Gewerbetreibender „schweren Herzens“ dazu entschieden, den für den 28. November geplanten Weihnachtsmarkt auf dem Kirchberg abzusagen. „Die Intensivstationen sind voll, da ringen Menschen, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben, um ihr Leben, da können wir doch nicht feiern“, sagt Manuel Tiedemann, erster Vorsitzender der Interessengemeinschaft. „Das können wir nicht verantworten.“ Tiedemann hätte sich allerdings gewünscht, dass „die Stadt selbst Verantwortung übernimmt und solche Veranstaltungen für alle verbietet“. Die Stadt müsse „schneller reagieren und vorausschauend handeln“, sagt Tiedemann.

Kirsten Gerstner, Sprecherin von Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne), sieht dazu keine Veranlassung. „Das Gesundheitsamt berät seit Beginn der Pandemie alle Antragsteller von Veranstaltungen hinsichtlich der Hygieneregeln“, sagt sie auf Anfrage dieser Zeitung. Für Veranstaltungen unter 2G-Bedingungen, sprich nur für Geimpfte und Genesene, sehe der Gesetzgeber keine Genehmigungs- oder Beratungspflicht durch das Gesundheitsamt vor. „In einer so dynamischen Lage ist es selbstredend, dass jede Person und jeder Verein eine verantwortungsbewusste Entscheidung trifft“, so Gerstner. „Alle wissen, dass man mit 2G und Maske die besten Instrumente an der Hand hat, um das Infektionsrisiko zu minimieren.“

Das Robert-Koch-Institut hingegen riet kürzlich, große Veranstaltungen abzusagen. Auch der Frankfurter Virologe Martin Stürmer hält Fastnachtssitzungen und Weihnachtsmärkte für ein Risiko. „Aus virologischer Sicht ist es derzeit am sichersten, wenn die Kontakte wieder reduziert werden“, sagt Stürmer im Gespräch mit der FR. Wer nicht absagen wolle, der brauche jedenfalls „ein gutes Hygienekonzept“.

Für den Innenraum rät der Virologe mindestens zu 2G+. Das heißt: Geimpfte und Genesene brauchen zusätzlich einen negativen Schnelltest. „Auch Abstand und Maske sind wichtig“, so Stürmer. Das gelte auch für Veranstaltungen im Freien. „Frische Luft ist kein Freifahrtschein.“ Stürmer erinnert daran, dass das Virus auch über Tröpfchen, die beim Sprechen und Lachen weit fliegen, übertragen werden kann.

Neben dem Budenzauber in Sossenheim wurden auch die Weihnachtsmärkte in Sindlingen, Nied, Bornheim und am Frankfurter Berg abgesagt. Ebenso der Adventsmarkt der evangelischen Bethaniengemeinde. „Die Enttäuschung ist natürlich groß, alle haben sich auf das weihnachtliche Beisammensein gefreut“, sagt Uwe Serke, der Vorsitzende des Stadtverbands der Frankfurter Vereinsringe. Er halte die Entscheidungen aber für richtig. „Die Vereinsvertreter handeln verantwortungsbewusst und besonnen.“

Die kurzfristigen Absagen haben für viele Vereine allerdings Folgen. „Der wirtschaftliche Schaden ist groß“, sagt etwa Hans-Jürgen Schmidt von den Fidelen Eckenheimern. Die Kostüme der Garden sind gekauft, Fremdkünstler gebucht, ein Saal gemietet. „Wir hoffen aber auf Kulanz“, sagt Schmidt, der sich jetzt auf die nächste geplante Sitzung am 12. Februar 2022 freut, wenn die Infektionszahlen vielleicht wieder niedriger sind. „Hoffentlich können wir bald zur Normalität zurückkehren.“

Der erste Sossenheimer Karnevalverein „Die Spritzer“ hingegen hat auch schon die für Februar und März geplanten Sitzungen abgesagt. „Wir planen aber für das späte Frühjahr eine Open-Air-Veranstaltung“, sagt Martina Jilg vom Karnevalverein. „So haben wir nach dem schrecklichen Jahr etwas, auf das wir uns freuen können.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare