Jugendwohnheim

Das Kolping-Jugendwohnheim in Frankfurt hat noch freie Plätze

  • Helen Schindler
    vonHelen Schindler
    schließen

Das Wohnheim im Ostend ist wenig bekannt - dabei bietet es Wohnraum und sozialpädagogische Betreuung für bis zu 100 Auszubildende.

Unter dem Mangel an bezahlbarem Wohnraum in Frankfurt leiden nicht zuletzt Auszubildende. Erst vor wenigen Wochen hat der Frankfurter DGB-Vorsitzende Philipp Jacks die Römer-Koalition aufgefordert, endlich den Bau eines Wohnheims für Azubis anzugehen. Das Stadtparlament hatte 2018 einen Zuschuss von 100 000 Euro für Projektentwicklung, juristische Begleitung und Projektsteuerung eines Wohnheims mit pädagogischer Begleitung für minderjährige Auszubildende aus Industrie und Handwerk bereitgestellt.

Dass es in Frankfurt bereits ein Wohnheim für Azubis gibt, wissen viele nicht. Dabei bietet das Kolping-Jugendwohnen am Allerheiligentor im Ostend Platz für bis zu 100 Auszubildende zwischen 16 und 27 Jahren. „Wir haben immer freie Plätze“, sagt Henrik Kastner, der Leiter des Wohnheims. „Ich habe noch nie jemandem aus Platzgründen absagen müssen.“ Auch derzeit seien noch einige Zimmer frei. Allerdings müssten für die Aufnahme einige Faktoren erfüllt sein, darunter eine Einkommensgrenze der Eltern, ähnlich die des BAföG. Der Hauptteil der Kosten wird laut Kastner in der Regel von der Berufsausbildungsbeihilfe oder der Jugendhilfe gedeckt. „Viele könnten die Ausbildung nicht antreten, wenn es das Wohnheim nicht gäbe“, ist sich der Leiter sicher.

Das Kolping-Jugendwohnen gewährleistet auch eine sozialpädagogische Betreuung. „Es sind immer Ansprechpersonen da, die die Bewohner unterstützen“, sagt Kastner. So fingen er und seine 14 Kolleginnen und Kollegen oftmals akute Krisen ab. Gebe es beispielsweise Probleme im Ausbildungsbetrieb, könnten die Mitarbeitenden vermitteln. Junge Menschen, die im Rahmen der Jugendamtsunterbringung im Wohnheim unterkommen, erhielten eine intensivere Betreuung. „Aber auch sie machen eine Ausbildung. Es gibt bei uns also keine Stigmata.“

Das Gebäude, in dem das Wohnheim untergebracht ist, stammt aus den 50er Jahren. Und das sieht man an vielen Stellen: Da blättert der Putz ab, die Möbel sind mindestens 20 Jahre alt. „Das ist nicht der aktuelle Standard, aber es erfüllt seinen Zweck“, sagt Kastner. Momentan gibt es überwiegend spartanisch eingerichtete Doppelzimmer. Pro Wohneinheit, die zwischen 7 und 14 Personen umfasst, gibt es eine Gemeinschaftsküche sowie Toiletten und Duschen auf dem Flur. „Für viele ist das Wohnheim eine Übergangslösung. Manche lernen sich hier kennen und ziehen dann zusammen in eine WG“, sagt Kastner. In neu eröffneten Kolping-Wohnheimen seien Einzelzimmer mit eigenen Sanitäranlagen inzwischen Standard. Kastner hofft, dass auch sein Haus in den nächsten Jahren umgebaut wird.

Ein kurzer Gang über den Hof führt zum Freizeitraum des Wohnheims. Zwar wirkt dieser, als sei die Zeit stehen geblieben, er werde aber gerne genutzt, sagt Kastner. Darin finden Filmabende statt, auch ein Tischkicker und ein Billardtisch stehen bereit. Zweimal in der Woche können die Bewohner unter Aufsicht im Fitnessraum trainieren. Daneben werden regelmäßig Ausflüge angeboten. „Die jungen Menschen haben hier ein soziales Umfeld abseits der Arbeit“, sagt Kastner. „Hier geht es nicht nur ums Wohnen, sondern auch um Gemeinschaft.“ (Helen Schindler)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare