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Stadträtin Sylvia Weber (SPD) hat viel vor. Das Amt der Baudezernentin hat sie freiwillig übernommen.
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Stadträtin Sylvia Weber (SPD) hat viel vor. Das Amt der Baudezernentin hat sie freiwillig übernommen.

Frankfurt

„Es fehlte bisher die klare politische Linie“

  • Sandra Busch
    VonSandra Busch
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Die Frankfurter Bildungsdezernentin Weber (SPD) ist nun auch fürs Bauen zuständig. Sie will im Schulbau Abläufe reibungsloser gestalten und plant eine bessere Kommunikation.

Sylvia Weber ist seit 2016 Bildungsdezernentin und hat nun auch das Baudezernat übernommen. Sie ist die erste Frau, die dieses Dezernat in Frankfurt leitet. Mit ihrem Amtsvorgänger Jan Schneider (CDU) verlief die Zusammenarbeit nicht immer reibungslos. Sie legte als Bildungsdezernentin den Bedarf an Schulen fest, Schneider (CDU) musste liefern: die Grundstücke finden und bauen. Nun muss Weber ihre Vorhaben selbst umsetzen. Im Interview spricht sie über ihre Pläne für den Schulbau.

Frau Weber, sind Sie eigentlich freiwillig Baudezernentin geworden?

Ja, sicher. Ich sehe große Chancen darin, dass wir nun im Bereich Schulbau alles in einer Hand haben. Wir können Synergieeffekte herstellen. Wir haben drei starke Teams in der Stadtverwaltung, die sich mit Schulbau beschäftigen: Stadtschulamt, Amt für Bau und Immobilien (ABI) und das Projektteam „Schulbau beschleunigen“. Ich hab’ mir als erste Aufgabe gesetzt, diese drei Teams besser miteinander zu verzahnen und zusammenzubringen, so dass die Abläufe reibungsloser verlaufen. Das kann Energien freisetzen.

Reibungsloser auch, weil nun nicht mehr ein CDU-Dezernent und eine SPD-Dezernentin zusammenarbeiten müssen?

Die Beschäftigten in den Ämtern haben eine hohe Kompetenz und Erfahrung. Es fehlte bisher die klare politische Linie und eine verlässliche Kommunikation. Auch gegenüber den Schulen. Es liegt jetzt eine echte Chance darin, dass alles in einem Dezernat vereint ist.

Und mit einer besseren Kommunikation werden dann Schulen schneller gebaut?

Ja. Durch eine gute Abstimmung am Beginn eines Projektes kann man am Ende viel Zeit und Geld sparen. Und es macht mehr Spaß.

Zwei Jahre lang wurde trotz steigender Zahl an Schülerinnen und Schülern keine neue Schule mehr aufgemacht. Wird es nun im nächsten Jahr eine geben?

Ja. Wir werden zum nächsten Schuljahr ein Gymnasium in der Bildungsregion Süd eröffnen. Wir prüfen derzeit, wo wir beginnen können und wie wir das baulich machen. Die Planungsgruppe konstituiert sich gerade.

Am Ende haben Sie doch dasselbe Problem wie Herr Schneider: Sie brauchen Grundstücke für die neuen Schulen und die sind nicht leicht zu finden.

Wir werden anders an die Aufgabe herangehen. Wir haben eine Schulbauoffensive in den Koalitionsvertrag geschrieben. Wir müssen 24 neue Schulen gründen. Die Neubauten für bestehende Schulen und Erweiterungsbauten mit eingerechnet, kommen wir auf 65 Baumaßnahmen. Das können wir nicht mehr von der Hand in den Mund machen. Wir müssen strategisch und systematisch an die Sache herangehen.

Was heißt das?

Das heißt, wir werden für die Schulbauoffensive eine sehr konkrete stadtweite Planung machen, wann wir wo welche Schule gründen und bauen. Es muss mehr Strategie, mehr Systematik, mehr Kontinuität und mehr Konsequenz in die Arbeit kommen. Wir müssen gezielt Grundstücke suchen und entwickeln. Oder Bestandsgebäude zu Schulen umbauen. Das Projektteam „Schulbau beschleunigen“ bekommt als neue Aufgabe die systematische, stadtweite Vorplanung und Klärung von Flächen und Bestandsliegenschaften.

Das wurde bisher nicht gemacht?

Offenbar nicht. Wir brauchen beispielsweise in Niederrad seit fünf Jahren dringend ein Grundstück. Da sind wir nicht vorangekommen. Es gibt auch andere Dinge, die nicht funktioniert haben. Wenn wir nun mit der Expertise, die wir in den Ämtern und im Schulbauteam haben, systematisch mit einem Ziel und mit einer verlässlichen Kommunikation und Zusammenarbeit rangehen, können wir noch viel mehr bewegen.

Es soll reibungsloser kommuniziert, systematisch nach Grundstücken gesucht und am Ende schneller gebaut werden. Wird mit Ihnen auch anders gebaut?

Die neue Koalition hat ein großes Ziel: Wir wollen als Stadt Frankfurt bis 2035 klimaneutral werden. Das ist sehr sportlich, aber auch dringend notwendig. Dazu können und wollen wir mit den Baumaßnahmen einen Beitrag leisten – insbesondere wenn man so viel bauen muss wie wir in den nächsten Jahren. Wir werden daher nachhaltiger bauen und dazu entsprechende Standards entwickeln. Unser Ziel ist es, nachhaltig, nutzerfreundlich, ansprechend, wirtschaftlich und zügig zu bauen.

Was ist mit den alten Schulgebäuden?

Wir werden mittelfristig auch alle 500 Bestandsgebäude der Stadt Frankfurt energetisch sanieren und ertüchtigen. Es geht dabei um die Entsieglung von Flächen, um nachwachsende und recyclebare Baustoffe, um Fassaden- und Dachbegrünung. Derzeit gilt in Frankfurt schon der Passivhausstandard, aber wir wollen noch einen Schritt weiter gehen und Aktivhäuser bauen, die zum Beispiel mit Photovoltaik selbst Energie erzeugen. Es geht auch um die Transformation von Bestandsgebäuden. Wir werden künftig verstärkt Bestandsliegenschaften zu Schulen umbauen.

Weil es an Grundstücken fehlt?

Zum einen, weil wir nicht genügend Grundstücke haben. Zum anderen wollen sich aufgrund der aktuellen Situation Unternehmen verkleinern. Viele arbeiten im Homeoffice. Dadurch haben wir momentan ganz gute Chancen, die ein oder andere Liegenschaft zu erwerben. Vor allem aber ist es nachhaltiger, ein bestehendes Gebäude umzubauen und weitere 30 bis 40 Jahre zu nutzen als es abzureißen und neu zu bauen. In der Regel geht es auch schneller und ist kostengünstiger. In der Summe werden wir für den Schulbau 150 Millionen Euro zusätzlich pro Jahr benötigen. Insgesamt umfasst unsere Schulbauoffensive ein Bauprogramm von zweieinhalb Milliarden Euro.

Zuletzt waren aber zahlreiche Stellen im ABI gar nicht besetzt, um all die Pläne umsetzen zu können.

In den vergangenen Monaten sind schon einige neue Leute eingestellt worden; trotzdem fehlt noch Personal. Ich gehe davon aus, dass wir mit dem Start der Schulbauoffensive, die mit nachhaltigem Bauen und moderner Pädagogik verbunden ist, attraktiv werden für Bewerber:innen aus dem gesamten Bundesgebiet. Und dass wir damit bessere Chancen haben, Personal zu finden.

Interview: Sandra Busch

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