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Schon kleine Kinder nehmen soziokulturelle Unterschiede wahr.
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Schon kleine Kinder nehmen soziokulturelle Unterschiede wahr.

Kitas in Frankfurt

Erziehern Quereinstieg erleichtern

  • Marie-Sophie Adeoso
    VonMarie-Sophie Adeoso
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Wie man mehr Erzieherinnen mit Migrationshintergrund gewinnt, ist Thema einer Tagung in Frankfurt. Rund 68 Prozent der Kinder in den Kindertageseinrichtungen der Stadt haben Eltern, die aus anderen Ländern stammen.

Nirgendwo in Frankfurt ist die Vielfalt so groß wie in den Kindertageseinrichtungen. Rund 68 Prozent der Kinder unter sechs Jahren haben einen Migrationshintergrund. Wer im Erwachsenenalter zugewandert sei, dem werde es aber oftmals sehr schwer gemacht, dazu beizutragen, dass auch das Kita-Personal vielfältiger wird, so der Tenor eines Fachtags, den der Verein Beramí und die Fachhochschule Frankfurt („University of Applied Sciences“) am Dienstag ausrichteten. Mit rund 60 Teilnehmern diskutierten sie, wie Migrantinnen und Migranten, aber auch Quereinsteigern ohne Migrationshintergrund der Zugang zu Erzieherberuf und -ausbildung erleichtert werden könnte.

„Der Fachkräftemangel schlägt sich auch in Frankfurt bereits nieder“, sagte Bildungsdezernentin Sarah Sorge (Grüne). Die Stadt wachse insbesondere bei den Kleinsten – für knapp 1500 Kinder müssten jährlich neue Betreuungsplätze geschaffen werden, allein, um die bisherigen Quoten halten zu können. Dafür brauche es qualifizierte und engagierte Erzieherinnen und Erzieher und „vereinfachte Anerkennungsverfahren“ für jene, die ihre bisherige Berufserfahrung oder Ausbildung im Ausland gemacht haben.

Pädagogen fahren Taxi

„Wir haben in Frankfurt pädagogisch gebildete Fachkräfte, die als Taxifahrer oder Verkäuferin arbeiten“, weil ihre Qualifikation nicht anerkannt werde, kritisierte Sorge. Dabei könnten sie gerade für Kinder mit Migrationshintergrund eine wichtige Vorbildfunktion haben, auch in puncto Mehrsprachigkeit, sagte Integrationsdezernentin Nargess Eskandari-Grünberg (Grüne). „Es ist wichtig, dass wir ihnen den Zugang zum Beruf nicht durch bürokratische Hürden verstellen.“

Der Verein Beramí, der Migrantinnen und Migranten seit 25 Jahren dabei unterstützt, beruflich Fuß zu fassen, lege den Fokus stets darauf, mitgebrachte Ressourcen und Kompetenzen nutzbar zu machen, sagte Geschäftsführerin Rosina Walter. Rund ein Fünftel der Ratsuchenden habe einen pädagogisch-didaktischen Abschluss oder entsprechende Berufserfahrung vorzuweisen.

Da der Erzieherberuf ein „sehr reglementiertes“ Feld sei, sei es aber oftmals schwierig, diese Kompetenzen anerkennen zu lassen, sagte Claudia Feger, die für Beramí ein Projekt leitet, das auf die Erzieherausbildung vorbereitet. Häufig würden nur Teile einer Ausbildung anerkannt; gleichzeitig fehle es aber an Angeboten, die es ermöglichten, fehlende Kenntnisse, etwa zur Rechtslage, unkompliziert nachzuholen. Oft scheiterten Menschen auch an den Zugangshürden der Fachschulen. Um zumindest jenen helfen zu können, die die formalen Voraussetzungen erfüllen, bereitet Beramí sie in dem 13-monatigen Vorbereitungskurs auf die Aufnahmeprüfung der Fachschule vor, etwa durch fachbezogenen Deutschunterricht. Von bislang 58 Teilnehmerinnen und Teilnehmern hätten immerhin bereits 28 die Prüfung bestanden, weitere 21 können ihre Ausbildung wohl in diesem Jahr beginnen.

Dass auch nach erfolgreicher Ausbildung Hürden lauern, machte FH-Professorin Ute Schaich deutlich. Fachkräfte mit Migrationshintergrund würden bei der Einstellung benachteiligt, etwa weil das Tragen eines Kopftuchs problematisiert oder akzentfreies Deutsch höher gewertet werde als Mehrsprachigkeit. Dabei, so Schaich, sei die interkulturelle Öffnung der Kitas wichtig, um Ausgrenzung unter den Kindern vorzubeugen. Schon die Kleinsten nähmen Unterschiede wahr. Erzieherinnen und Erzieher bräuchten daher einen „inklusiven Blick“, um kultursensibel und diskriminierungskritisch handeln zu können. Auch dafür gelte es, die Potenziale zugewanderter Fachkräfte besser zu nutzen.

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