Kinderschutzbund

Erziehen im Frankfurter Gefängnis

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Kurs des Kinderschutzbundes stärkt inhaftierte Frauen in ihrer Mutterrolle. Die Teilnahme ist Pflicht.

Sie wissen nichts über die Straftaten. Und nichts über die Haftdauer. Wenn Pädagogin Beate Frank mit ihrer Kollegin einen Kurs „Starke Eltern – Starke Kinder“ im Mutter-Kind-Heim der JVA in Preungesheim leitet, dann hat sie keine Ahnung, warum die Frauen inhaftiert sind. Es geht einzig und allein darum, sich über Erziehung auszutauschen und das Selbstvertrauen der Mütter zu stärken – und damit deren Kinder.

Seit fünf Jahren führt der Kinderschutzbund Frankfurt die Elternkurse in der JVA durch. Den Kurs „Starke Eltern – Starke Kinder“ gibt es schon sehr viel länger. Normalerweise finden die Kurse in Familienbildungsstätten, in Nachbarschaftszentren und Kitas statt. Das Modell der anleitenden Erziehung wird dabei vermittelt, das Selbstvertrauen von Eltern in ihrer Rolle als Erzieher gestärkt. Es solle nicht mit Macht in der Erziehung operiert werden, sagt Frank. Eltern sollten ihre Kinder auf Augenhöhe behandeln. Mit etwas älteren Kindern etwa „gleichwürdig und gleichwertig verhandeln“, sagt Frank. Es geht in den Kursen um Grenzen und Regeln, um Strukturen und Werte – und um eine liebevolle Haltung. Ganz gleich ob in der JVA oder im Nachbarschaftszentrum.

Teilnahme ist Pflicht

Unterschiede gibt es dennoch. Zum einen sind es in der JVA immer reine Frauengruppen. Schließlich leben nur Frauen mit ihren noch nicht schulpflichtigen Kindern in den Heimen im offenen und geschlossen Vollzug. „Und die Frauen in der JVA sind auch nicht freiwillig da“, sagt Frank. „Für sie ist die Kursteilnahme Pflichtprogramm.“ Sie müssen kommen, „aber sie sollen freiwillig mitmachen“, sagt Frank. Deshalb bitte sie zu Beginn darum: Wer sich nicht aktiv beteiligen will, der soll nicht stören. „Aber es sind alle interessiert. Noch nie hat eine Frau mit verschränkten Armen dagesessen.“

Die Fragen der Frauen in der JVA unterscheiden sich aber nicht wesentlich von den Fragen in anderen Kursen. „Wer ein Baby hat, will wissen, was Schreien bedeutet.“ Dennoch ist für die Leiterin ein Kurs in der JVA „emotional anstrengend“. Denn die Frauen sind aufgrund der Haft und dem engen Zusammenleben mit anderen auch angespannt. Sie kommen oft aufgeregt und entnervt, weil sie sich etwa über Mitgefangene geärgert haben. Deswegen beginnen die Kurse oft mit einer Befindlichkeitsrunde, damit die Frauen sich besser auf den Kurs konzentrieren können. „Wir gehen mit ihnen freundlich interessiert um“, sagt Frank. „Das haben sie oft vorher im Leben nicht erfahren.“

Außerhalb des Gefängnisses finden die Kurse einmal die Woche statt, es gibt etwa zehn Termine. In der JVA wird sich zweimal die Woche getroffen. „Es gibt öfter relativ spontane Entlassungen“, sagt Frank. „Die Frauen sollen aber möglichst lange dabei sein.“

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