+
Thilo Richter ist einer der Märchenerzähler auf dem roten Sofa, die Otmar Hitzelberger filmt.

Frankfurt

„Erzählzeit“ Frankfurt: Märchen erzählen trotz Corona

  • schließen

Das „Erzählzeit“-Team des Frankfurter Theaterhauses dreht Videos, um Kindern Geschichten für zu Hause zu liefern. Mehr als 8000-mal wurden die Märchen bereits angeschaut.

Der Schlüssel steckt im Schloss und kracht: krick, krack, krick, krack. Viele Kinder haben diesen markanten Beginn der Märchen und Erzählungen der „Erzählzeit Frankfurt“ wohl schon vermisst. Denn ohne Schulen und Kitas gibt es auch keine Märchen aus dem Theaterhaus Frankfurt. Doch das „Erzählzeit“-Team rund um Geschäftsführer Gordon Vajen hat sich etwas überlegt, damit Kinder, ihre Familien und Pädagogen weiter auf die Erzählungen bauen können.

Seit ein paar Wochen dreht das Ensemble nämlich kurze Filme. Mit der Unterstützung von Filmemacher Otmar Hitzelberger sind mittlerweile gut 30 Videos entstanden. In jedem wird ein Märchen oder eine Geschichte erzählt. Die jeweilige Erzählerin oder der Erzähler sitzen auf einem roten Sofa, begrüßen die Kinder und präsentieren die Geschichte. Das Spektrum ist so vielfältig wie die acht Erzählerinnen und Erzähler selbst. Mal sind es Grimmsche Märchen, mal Erzählungen aus Afrika oder Russland. Egal ob tapferes Schneiderlein, Schaf Lulu oder Mascha und der Bär: Für jedes Kind ist etwas dabei.

„Wir wollten unbedingt weiter Kontakt zu den Kindern, ihren Familien und den Einrichtungen halten“, sagt Gordon Vajen. Wichtig war dem Team, dass die Qualität so bleibt, wie die Kinder sie kennen. Es gibt keine Schnitte, alle Filme strahlen Ruhe und Konzentration aus. Selbst kleine Fehler und Versprecher sind dringeblieben, denn die passieren auch mal beim Erzählen in den Einrichtungen.

Mittlerweile wurden die Märchen mehr als 8000-mal angeschaut. Für Vajen eine überraschende, aber erfreuliche Nachfrage. „Ich habe vielleicht mit 1000 gerechnet“, sagt er. Auch die Rückmeldungen aus den Schulen und Kitas sind durchweg positiv. Der Geschäftsführer hofft, dass die Märchen bald auch im Unterricht genutzt werden können. Denn die Erzählzeit ist vor allem ein Sprachförderprogramm, das Kinder die Sprache näherbringen und zum Nacherzählen anregen will.

Ein paar der Kinder haben dem „Erzählzeit“-Team ebenfalls Rückmeldungen gegeben. Und zwar in Form von Bildern zum Märchen „Der Pfannkuchen“. Ein Mädchen hat die Geschichte sogar nacherzählt und ein Video davon gemacht.

Verena Specht-Ronique ist eine der Erzählerinnen. „Vor der Kamera ist es noch mal eine andere Situation. Ich habe richtig gemerkt, dass ich anders erzähle“, sagt sie. Sie sei auch viel nervöser als auf der Bühne gewesen. Bei Kollege Patrik Erni war es genau andersherum. „Man kann es ja noch mal drehen“, sagt er und lacht. Beide vermissen aber die Interaktion mit den Kindern. Trotzdem seien auch die Videos ein wichtiger Baustein. Die Botschaften der Erzählungen würden auch in dieser Form den Kindern vermittelt.

Zudem sei die gemeinsame Zeit bei den wöchentlichen Videodrehs für die Künstler wertvoll. Sie seien weiterhin produktiv und hätten die Möglichkeit sich auszutauschen. „Auch über Ängste und Sorgen“, berichtet Vajen. Dann fügt er an: „Wir wollen uns nicht einigeln. Wir wollen unsere Energie an die Kinder übertragen.“

Alle Erzählungen  gibt es auf der Youtube-Seite der Erzählzeit Frankfurt oder unter folgendem Link: bit.ly/2VKzPQE.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare