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Erstmals lebenslang für Mord an Griesheimer Juwelier

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Von: Stefan Behr

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Das Landgericht verurteilt den letzten Angeklagten einer insgesamt fünfköpfigen Bande am härtesten

Nach knapp fünf Jahren ist der brutale Überfall auf ein Griesheimer Juwelier-Ehepaar zumindest juristisch aufgearbeitet. Das Landgericht hat den 32 Jahre alten Iurie C. am Montag wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.

C. hatte im Oktober 2017 mit drei Komplizen den beiden 78-Jährigen im Innenhof ihres Hauses aufgelauert, als sie von der Arbeit kamen. Als sie die Haustür aufschlossen, stürmte das Quartett, das sich hinter den Mülltonnen versteckt hatte, auf sie ein. Überrascht durch die Gegenwehr der Opfer steigerten sich die Räuber in eine Orgie der Brutalität. Die Frau überlebte schwer verletzt, der Mann starb - seine Peiniger hatten ihm unter anderem durch Tritte mehrfach die Wirbelsäule gebrochen.

Die Täter hatten auf fette Beute gehofft. Das wohlhabende Ehepaar besaß mehrere Häuser in Frankfurt, die Wohnungen vermieteten sie bevorzugt an osteuropäische Wanderarbeiter und ließen sich die Miete in bar auszahlen. An Monatsanfängen sollen sich vor ihrem Griesheimer Laden oft Schlangen von Mietern gebildet haben. Auch einer ihrer Mörder hatte einmal in einer solchen Wohnung gehaust und wusste um die Bargeld-Affinität seiner ehemaligen Vermieter.

Das Ehepaar war sich seiner nicht gerade ungefährdeten Situation wohl bewusst und handelte dementsprechend vorsorglich. Doch alle ihre Vorsichtsmaßnahmen nützten ihnen in der Mordnacht nichts - und wurden doch ihren Mördern zum Verhängnis.

Die stark gesicherte Haustür hatten die Täter von den Opfern öffnen lassen, ehe sie zuschlugen. Den mobilen Alarmknopf, den die Frau dabei hatte, konnte sie während des brutalen Angriffs nicht drücken. Der ehemalige Polizeihund, den das Ehepaar sich als Wachhund geholt hatte, zeigte sich weder an dem vorherigen Einbruch noch an dem darauf folgenden Angriff sonderlich interessiert.

Als sie die Sirenen der von den Nachbarn alarmierten Polizei hörten, flüchteten drei der Täter ins Obergeschoss des Hauses, um mit einem Sprung aus dem Fenster den Häschern zu entrinnen - und fanden dort mit massiven Gittern versperrte Fenster vor. Sie wurden noch am Tatort festgenommen.

Lediglich Iurie C. war ebenerdig geflüchtet. Zwei Wochen später setzte er sich nach Russland ab und lebte dort mit seiner Familie; ohne mit dem Gesetz in Konflikt zu kommen– bis er schließlich aufgrund eines internationalen Haftbefehls doch noch verhaftet und im August vergangenen Jahres nach Deutschland ausgeliefert wurde.

Ihn hat es von allen Beteiligten am härtesten erwischt. Der Rest der Bande ist längst verurteilt - und zwar deutlich milder. Ein fünfter im Bunde - der Mann, der den Plan entworfen und vor dem Juwelierladen Schmiere gestanden hatte - wurde lediglich wegen Raubes zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren verurteilt. Die restlichen drei wurden wegen Mordes verurteilt. Zwei der Täter waren allerdings zum Tatzeitpunkt Heranwachsende und erhielten daher Jugendstrafen von acht beziehungsweise achteinhalb Jahren - zumindest einer von ihnen ist mittlerweile nach Verbüßung der halben Strafe und Abschiebung wieder auf freiem Fuß. Der dritte wurde zu zwölf Jahren verurteilt, da das Gericht ihm zugute hielt, entscheidend bei der Aufklärung des Falles mitgewirkt zu haben. Das „entspricht nicht dem Rechtsempfinden vieler Menschen“, wie der Vorsitzende Richter Jörn Immerschmitt am Montag kommentierte. Die vier anderen Täter waren allerdings von anderen Kammern verurteilt worden.

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