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Samen rein in die Erde – und dann raus mit den Bäumen. Lehrerin Sandra Schallmayer hilft.

Stadtwald

Erstklässler pflanzen Bäume im Stadtwald in Frankfurt

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Im Stadtwald übernehmen Erstklässler das Aufforsten und wissen genau, wofür das gut ist. Das Grünflächenamt experimentiert mit einer neuen Methode, um die Bäume zu stärken.

Erstklässler pflanzen Bäume, und die Sonne scheint dazu: Klingt nach einer sehr kitschigen Metapher für den Begriff Hoffnung, ist aber tatsächlich so passiert, und zwar am Mittwoch im Stadtwald. Wir schauen mal rein.

„Ganz viele Bäume sind eingegangen“, erklärt Enna (7). „Wir tun was dagegen.“ Und zwar? „Bäume pflanzen für die Natur“, sagt Flora (6), „weil die sonst nicht mehr so gut aussieht“. Die Natur. „Es ist auch für die Tiere wichtig.“ Welche Tiere? Flora: „Rehe, Wildschweine und Hirsche.“

Wenn sich hier jemand auskennt, dann die 1d und die 1e der Textorschule, die am Mittwoch Eicheln und andere Baumsamen aussäen. Und höchstwahrscheinlich auch die 1a und die 1c, die am Donnerstag dran sind.

LERNEN IM GRÜNGÜRTEL – DIE SAISON IST ERÖFFNET

Sie bauen eine Wasserrakete am Alten Flugplatz Kalbach/Bonames. Sie erkunden das Königreich von Frosch und Co. in Bockenheim. Sie begeben sich auf die Fährte heimlicher Tiere im Stadtwald. Sie machen Grüne Soße in der Kräuterwerkstatt. Und sie können noch viel mehr erleben – die Schülerinnen und Schüler, die in diesem Jahr am städtischen Programm „Entdecken, forschen und lernen im Frankfurter Grüngürtel“ teilnehmen.“
Zum Auftakt am Mittwoch zeigten die Kinder der Klasse 2d der Kirchnerschule, was sie sich in der Lernwerkstatt Wald und Energie draufschaffen: Sie können jetzt die Zusammenhänge zwischen der Energie, die wir verwenden, dem CO2-Kreislauf und dem Klima erklären – und sie präsentierten ihre Kunstobjekte aus der Arbeit mit Feuer.
Die Frankfurter Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) stellte das Programm für die neue Saison gemeinsam mit den Mädchen und Jungen in der Grüngürtel-Waldschule vor. 92 Angebote sind darin aufgelistet, mehr als 6000 Kinder vom Vorschulalter bis zur weiterführenden Schule nehmen jährlich an den Ausflügen, Spiel- und Forschungsprojekten teil. Das Programm biete Kindern und Jugendlichen die Chance, Lernerfahrungen zu sammeln, betonte Weber: „Der Bildungsraum verkörpert ein Beispiel gelebter nachhaltiger Entwicklung.“ Umweltbildung und Bildung für nachhaltige Entwicklung seien für das Zusammenleben elementar: „Sie befähigen Menschen jeden Alters zu einem zukunftsfähigen Denken und Handeln. Das ist ein zentrales Anliegen unserer Bildungsprogramme.“
Beteiligt am Bildungsprogramm im Grüngürtel, von der Unesco schon zwei Mal als Lernort nachhaltiger Entwicklung ausgezeichnet, sind zwei Dezernate, drei Ämter und der Verein Umweltlernen in Frankfurt. 

Wo haben sie die Eicheln her? „Gesammelt“, verkünden Emma und Bela (beide 7). Wann? „Keine Ahnung! Letztes Jahr!“ Und jetzt, was macht man damit? „Man muss so was graben, dann da die Samen rein, dann wachsen nächstes Jahr Bäume“, schildern Bela und Emma im Duett weiter. Wie schnell wird das denn gehen, dass die Bäume wachsen? Bela: „Sehr, sehr, sehr langsam.“

Das ist ja das Problem. Die Dürre im Sommer hat dem Wald furchtbar zugesetzt. Auf dieser Fläche an der Schillerschneise, die die Erstklässler beackern, hat es alle Buchen dahingerafft, es stehen nur noch ein paar Eichen, und so geht es vielen Waldgebieten. Revierförster Lars Eckert freut sich über den jungen Besuch. „Wir fällen zurzeit sonst nur tote Bäume. Schön, heute auch mal etwas Neues anzufangen.“ Seit drei Jahren experimentiert die Forstabteilung im Grünflächenamt mit dem Aussäen von Samen, statt junge Bäumchen zu setzen. „Dann können sie selbst die Wurzeln ausstrecken“, sagt Eckert. Davon erhoffen sich die Fachleute mehr Widerstandskraft der Bäume. Wobei die Witterung aktuell Anlass zur Hoffnung gibt. „Der Februar war gut für den Wasserhaushalt“, sagt der stellvertretende Frankfurter Forstchef Peter Rodenfels. „Eigentlich die ganze Zeit nach dem August.“

Ideengeberin für die große Aktion „Baumpflanzen“ war Janine Maschinsky, eine Frau voller Energie. „Ich bin Frankfurterin, das kommt bei mir echt aus dem Herzen“, sagt sie. Schockiert stellte sie fest, wie die Klimakrise dem Wald zusetzt, und wendete sich direkt ans Grünflächenamt. In kürzester Zeit habe die Stadt auf den Vorschlag reagiert, Kinder am Aufforsten zu beteiligen. „Krass, dass man in Frankfurt so schnell etwas auf die Beine stellen kann“, lobt Maschinsky. Sie will dranbleiben und auch Kindergärten an der Aktion beteiligen. Textor-Lehrerin Sandra Schallmayer ist sicher: „Die Kinder merken hier: Ich kann was bewirken.“

Sie säen Eicheln, Hainbuchen-, Linden-, und Ahornsamen. „Gut, dass es Natur gibt“, sagt Lukas. „Bäume halten die Luft frisch“, erläutert Felix (beide 7), „das ist hier echt eine ganz große Sache.“ Findet der Eichelhäher auch. „Der beobachtet uns schon“, sagt Förster Eckert. „Und der wird auch einiges wieder ausgraben.“ Deshalb haben die Kinder ein paar Eicheln mehr gesät. Sie werden im Auge behalten, was daraus wird.

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