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Erstes Literaturfestival seit Corona

  • Florian Leclerc
    vonFlorian Leclerc
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Das Hessische Literaturforum eröffnet „Stromern“ im Haus am Dom mit einer Kulturdebatte. Teilnehmer machen sich stark für ein bedingungsloses Grundeinkommen.

Das Hessische Literaturforum im Mousonturm veranstaltet das erste Literaturfestival seit den Corona-Beschränkungen mit Lesungen und Veranstaltungen im Haus am Dom. Zur Eröffnung am Donnerstagabend mit Künstler Jo van Nelsen und der Grünen-Landtagsabgeordneten Mirjam Schmidt kamen 30 Besucherinnen und Besucher in einen Saal, der mit Empore mehr als 200 Menschen fassen würde. 34 Zuschauer wären coronabedingt zugelassen gewesen.

Dies ist eine der Schwierigkeiten, die Künstlerinnen und Künstler derzeit haben. Zu wenig Publikum. Das sei auch seine Erfahrung bei Auftritten in den vergangenen Wochen gewesen, sagt der Regisseur, Chansonsänger und Schauspieler van Nelsen. Er warb für ein umfassendes Hygienekonzept mit flächendeckender Desinfizierung, um den Menschen die Angst vor einer Ansteckung zu nehmen. Gleichzeitig beklagte er, dass mit zweierlei Maß gemessen werde, wenn man die Kulturbranche mit der frühzeitigen Öffnung von Lokalen und Geschäften vergleiche – oder mit den engen Platzverhältnissen in Flugzeugen.

Veranstaltungen

Das Literaturfestival Stromern im Haus am Dom findet noch bis Sonntag statt. Mit diesen Veranstaltungen: „Licht überm Land – Europa im Gedicht“ mit Nora Gomringer und Morten Søndergaard, Samstag, 15 Uhr. Nina Bussmann, „Dickicht“, Samstag, 17 Uhr. Anna Katharina Hahn, „Aus und davon“, Samstag, 19 Uhr. Verena Güntner, „Power“, Samstag, 21 Uhr. „Von Auschwitz erzählen - Die Ära der Nachgeborenen“ mit Christoph Heubner und Werner Hanak, Sonntag, 11 Uhr. Nell Zink, „Das Hohe Lied“, Sonntag ,13 Uhr. Philipp Winkler, „Carnival“, Sonntag, 15 Uhr. „Die Dissonanz des Wissens: Verschwörungstheorien im Superspreading“ mit Christian Alt und Christian Schiffer, Sonntag, 17 Uhr. Der Eintritt kostet acht oder ermäßigt fünf Euro, das Soliticket zwölf Euro. Tickets unter hlfm.de. Livestream: youtube.com/user/HausamDom

Mirjam Schmidt, die kulturpolitische Sprecherin ihrer Fraktion, sprach sich für mehr Lobbyarbeit der Kulturszene aus, um deren Bedürfnisse durchzusetzen. Man bekomme die unterschiedlichen Interessen von Musikern, Staatstheatern, Clubs, Kinos, darstellenden und bildenden Künstlern „nicht unter einen Hut“, entgegnete van Nelsen. „Ich weiß auch gar nicht, wann ich diese Lobbyarbeit betreiben sollte, ich bin eigentlich nur noch damit beschäftigt, mich mit verklausulierten Stipendiumsanträgen auseinanderzusetzen.“ Die größte Schwierigkeit der Kulturbranche bleibt das Geld. Das Land Hessen hat Festivals sowie Künstlerinnen und Künstlern, die in der Künstlersozialkasse (KSK) versichert sind, zwar ab Juni 50 Millionen Euro für Arbeitsstipendien bereitgestellt, 2000 Euro pro Stipendium. In der KSK sind aber längst nicht alle Künstlerinnen und Künstler. Schmidt warb für eine bundesweite Studie, um ihre Zahl zu erfassen.

Wie in einem Brennglas zeigten sich durch Corona die Probleme der Kulturbranche, so Moderatorin Eva-Maria Magel. Und zählte auf: die KSK, die nicht alle Künstlerinnen und Künstler aufnehme. Geringe Abendgagen, die an die Zuschauerzahl gekoppelt seien. Die Unmöglichkeit, Fördermittel ins nächste Jahr zu übertragen. Sowie das Abdriften in Hartz IV.

Einstimmig warben Schmidt und van Nelsen für ein bedingungsloses Grundeinkommen. Schmidt sprach sich für ein „Existenzgeld“ für Künstlerinnen und Künstler analog zum Arbeitslosengeld aus. Wenig Hoffnung machte sie, Corona werde schnell vorbei sein. „Es wird bis zum Jahresende keine wesentlichen Änderungen geben.“

Gleichzeitig ist „Stromern“ ein Lichtblick und deutet an, wie die Lesungen bei den „Frankfurter Premieren“ und „Open Books“ zur Buchmesse ablaufen werden.

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