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Erster Wurstautomat in Frankfurt

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Von: Denis Hubert

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Vor seiner Metzgerei hat Andreas Kaiser einen Wurst- und Fleischautomaten aufgestellt.
Vor seiner Metzgerei hat Andreas Kaiser einen Wurst- und Fleischautomaten aufgestellt. © peter-juelich.com

Die Traditions-Metzgerei Kaiser an der Hauptstraße im Frankfurter Stadtteil Kalbach feiert ihr 50-jähriges Bestehen. Der Familienbetrieb ist bereit, neue Wege zu beschreiten. Er hat den ersten Wurstautomaten in Frankfurt aufgestellt.

Was dem Amsterdamer die Krokette, ist dem Kalbacher die Knackwurst. Früh morgens, wenn nach einer durchzechten Nacht der Magen knurrt. Oder zur Mittagszeit, wenn die Schlange im Laden mal wieder elendig lang ist. Dann bedient sich der Kalbacher am ersten Wurstautomaten Frankfurts. 38 Artikel spuckt das Gerät auf der Kalbacher Hauptstraße aus. Inhaber: die Familie Kaiser. Sie hat in ihrer Metzgerei vor einem Jahr einen zusätzlichen Mitarbeiter eingestellt. Einer, der nie schläft und immer verfügbar ist. Auch sonntags, wenn der Laden zu hat.

Omas ziehen sich Würstchen

Vielerorts machen Supermarkt- und Discounterketten kleinen Betrieben den Garaus. Aber nicht so im alten Ortskern Kalbachs, wo die Kaisers seit 1966 ein Familienunternehmen führen. Es sind solche Neuheiten wie der Fleischautomat, mit denen sie sich gegen die Konkurrenz aus der Großindustrie zur Wehr setzen. Nicht einmal eingesessene Konsumenten stört der Automat. „Auch ältere Frauen ziehen sich dort ihre Würstchen“, berichtet Inhaber Andreas Kaiser, der den Laden zusammen mit seinem Bruder Alexander führt.

Bekannt sind die Kaisers auch für das Fleisch ihrer Galloway-Rinder. Gemeinsam mit seiner Frau Karin züchtet Andreas im Karbener Stadtteil Rendel eine Herde. „Das Galloway-Fleisch ist zarter als normales Rumpsteak“ sagt der Metzgermeister. Im Sommer sei die Galloway-Bratwurst ein Renner.

Die Abnehmer kommen teilweise aus Aschaffenburg und dem Taunus, um sich mit Fleisch und Wurst aus Kalbach einzudecken. „Wir haben keine Laufkundschaft“, sagt Andreas Kaiser und setzt deshalb auf gute Beratung. „Wir müssen uns doppelt anstrengen.“ Die Kunden belohnen das mit Treue und Gebäck, das sie aus Dankbarkeit für die Inhaberfamilie backen.

Früher schlachteten die Kaisers noch selbst. Heute beziehen sie ihr Fleisch von Bekannten. Geschlachtet werden die Schweine in Harheim, die Rinder in Wölfersheim im Wetteraukreis. Fast alle Wurstsorten kreieren die Kaisers bei sich in der Metzgerei. „Wir stellen die Gewürze nach alten, überlieferten Rezepten her“, sagt Günther Kaiser, der den Betrieb vor 13 Jahren an seine Söhne weitergab.

Als Günther Kaiser die Metzgerei am 23. April 1966 eröffnete, war Kalbach noch kein Stadtteil, sondern ein Dorf vor den Toren Frankfurts. „Früher gab es auf der Kalbacher Hauptstraße drei Metzger“, erzählt der 74-Jährige. Die Kaisers kamen zuletzt – und überlebten als einzige. Zwischenzeitlich betrieben sie zwei zusätzliche Filialen in Oberrad und im Sandweg. Ihr Bestehen seit 50 Jahren feiert die Metzgerei in zwei Wochen mit einem großen Fest. „50 Jahre muss man erstmal durchhalten“, sagt Andreas Kaiser und ist sichtlich stolz.

Um die Zukunft macht er sich keine Sorgen. Seine Tochter Anna hat das Fleischerhandwerk gelernt und schickt sich an, die Metzgerei ihrer Eltern irgendwann zu übernehmen.

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