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Erste Geflüchtete in Frankfurt eingetroffen

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Von: Timur Tinç, Gregor Haschnik

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Eine Frau und ein Junge werden am Frankfurter Hauptbahnhof in Empfang genommen.
Eine Frau und ein Junge werden am Frankfurter Hauptbahnhof in Empfang genommen. © dpa

Rund 15 Menschen aus der Ukraine sind am Dienstag am Hauptbahnhof angekommen. Land und Kommunen müssen unterdessen dringend weitere Unterkünfte schaffen.

In Frankfurt sind am Dienstagnachmittag die ersten Geflüchteten aus der Ukraine angekommen. Rund 15 Menschen stiegen aus einem Zug der aus Wien kam am Hauptbahnhof aus, teilte die Stadt Frankfurt mit. Zunächst wurden sie von Mitarbeitenden der Bahnhofsmission, der Rettungsdienste, des Jugend- und Sozialamts, des Gesundheitsamtes und einem Dolmetscher betreut.

„Es sind auch noch weitere Geflüchtete aus der Ukraine in der Stadt“, berichtete Miriam Bandar, Sprecherin von Sozialdezernentin Elke Voitl (Grüne). Ein Ehepaar habe sich wegen einer Krankenversicherung gemeldet. Es sei schwierig einen Überblick zu behalten, weil die Menschen auf unterschiedlichsten Wegen in die Stadt kommen. „Erst wenn sie Hilfe benötigen, wenden sie sich an uns“, sagte Bandar. Für jede und jeden würden aber unbürokratische Lösungen gesucht.

Überall Vorbereitungen

In jedem Fall müssen das Land und die Kommunen jetzt schnell handeln – auch weil die Zahl der Geflüchteten, die nach Hessen gekommen sind, bereits vor dem Krieg in der Ukraine wieder gestiegen war. Das lässt sich an der Belegung der Erstaufnahmeeinrichtung des Landes Hessen (EAEH) ablesen: Ende September 2015, als unter anderem viele Menschen aus Syrien hier Schutz suchten, registrierte das für die EAEH zuständige Regierungspräsidium (RP) Gießen in allen Erstaufnahmestandorten 21 000 Bewohner:innen. Nach und nach sank die Zahl auf 1800 Ende Januar 2019. Nicht zuletzt aufgrund der sich zuspitzenden Situation in Afghanistan stieg sie seit Sommer 2021 deutlich, auf 4600 Anfang Februar dieses Jahres. Das teilte das RP auf Anfrage der FR mit.

Am vergangenen Montag waren in den Erstaufnahmen nur 1350 Plätze frei. Es sollen jedoch „in wenigen Tagen“ zunächst drei weitere Standorte hinzukommen, wie die Landesregierung beschlossen hat. Dabei handelt es sich um frühere Kasernengebäude in Friedberg, Fuldatal und Darmstadt. Dadurch werde die Kapazität um 2260 Plätze erhöht – was aber nicht reichen dürfte. Das RP verweist auf ein „flexibles“ Konzept mit täglichem Monitoring, das es ermögliche, mit einer gewissen Vorlaufzeit Unterkünfte zu aktivieren, um die notwendigen Plätze zu schaffen. So seien wegen der steigenden Ankunftszahlen schon im Herbst 2021 zusätzliche Standorte in Betrieb genommen worden.

In vielen Städten und Gemeinden laufen die Vorbereitungen ebenfalls an. Der Main-Kinzig-Kreis und seine Kommunen etwa suchten seit Ende voriger Woche nach kurz- und mittelfristigen Möglichkeiten, um Menschen unterzubringen, und bereiteten deren Aufnahme und Betreuung vor, sagte ein Kreissprecher der FR. Hierzu prüften sie über ihre Register Leerstände in Gemeinschaftseinrichtungen und Wohnungen. Gleichzeitig werden Bürger:innen gebeten, freien Wohnraum zu melden. Von Bund und Land bräuchten die Kommunen die Zusage, dass die Kosten für Unterbringung „sicher refinanziert werden“ und ein „breites Suchraster“ angelegt werden könne.

Hanau und der Kreis haben wie 2015 Koordinationsstellen eingerichtet, die auch helfenden Firmen, Vereinen und Initiativen als Anlaufstelle dienen soll. In Hanau seien neben etwa zwei Dutzend leerstehenden Wohnungen der Baugesellschaft noch einige Plätze in der städtischen Großunterkunft für Geflüchtete frei, die sich im Sportsfield Housing im Stadtteil Wolfgang befindet. Zudem lasse sich die benachbarte frühere Erstaufnahme auf demselben Gelände reaktivieren. Diese sei renovierungsbedürftig, weshalb die Stadt Kontakt zur Eigentümerin des einstigen Kasernenareals aufgenommen hat, der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben.

Wohnraum zu finden, wird wohl die größte Herausforderung sein. Bereits vor dem Krieg hatten hessische Kommunen Schwierigkeiten, Unterkünfte für Geflüchtete, die ihnen aus den Erstaufnahmeeinrichtungen zugeteilt wurden, bereitzustellen und deshalb immer wieder Aufrufe gestartet. Hauptgrund ist der Mangel an günstigen Wohnungen. Deswegen leben sehr viele Asylsuchende seit Jahren in Groß- und Sammelunterkünften.

Am Abend wurde in Frankfurt ein weiterer Zug erwartet mit Reisenden, die vom Sportverein Makkabi Frankfurt unterstützt werden. „Sobald die Menschen hier eingetroffen sind, werden sie in von uns organisierten Hotels untergebracht und verpflegt“, sagte Boris Schulman vom Makkabi-Vorstand. mit dpa

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