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Zum Nachlesen: Geschichte vergessener Orte und Personen.

Warenhaus Wronker

Das erste Frankfurter Kaufhaus

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Stadtteilhistoriker zeigen ihre Arbeit in einer Freilichtausstellung an der Hauptwache. Zu sehen ist auch die Geschichte des Kaufhauses Wronker - dessen Besitzer wurde einst in Auschwitz ermordet.

Wronker. Ein Name, der in Frankfurt in Vergessenheit geraten ist. Dabei prägte einst das Warenhaus Wronker mit einem prachtvollen Bau die Zeil. Von 1906 bis 1910 ließ es Hermann Wronker bauen, mit seiner 80 Meter breiten Straßenfront war es das größte und modernste Warenhaus der Stadt. Doch das Eigentum des jüdischen Unternehmers wurde nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten „arisiert“, er und seine Frau Ida wurden in Auschwitz ermordet. Das Gebäude wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört, heute hat dort H&M eine Filiale.

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Dieter Mönch hat als Stadtteilhistoriker die Geschichte der Familie aufgearbeitet. Ein Einblick in seine Arbeit ist seit Samstag an der Hauptwache zu sehen: Mönch und zwölf weitere Stadtteilhistoriker beteiligen sich an einer Freilichtausstellung, die noch bis zum 19. April anzuschauen ist. Hinter Glas lässt sich etwas über die Eschersheimer Landstraße im Wandel der Zeit nachlesen. Oder Bilder von Ruth Krämer-Klink anschauen. Sie fotografiert seit 2007 Graffiti in Bockenheim, hat ein Archiv angelegt. Um die Kunstwerke auf Zeit für immer festzuhalten.

Die Aussteller gehören alle zur sechsten Generation der Stadtteilhistoriker, einem Projekt der Stiftung Polytechnische Gesellschaft. Eineinhalb Jahre lang erforschen sie ein selbst gewähltes Thema der Stadtgeschichte. Die überwiegend historischen Laien hätten einen besonderen Blick auf die Stadtgeschichte, sagt Roland Kaehlbrandt, Vorsitzender der Stiftung. Häufig gehe es um Familien, die vergessen worden seien. „Die Stadtteilhistoriker geben der Vergangenheit eine Würde“, sagt Kaehlbrandt.

Ulf Ludßuweit hat sich mit dem Landmaschinenunternehmen Philipp Mayfarth & Co beschäftigt, das zwischen 1872 und 1938 Dreschmaschinen, Pflüge und Obstpressen in Fechenheim herstellte. Ein Fabrikteil steht heute noch und beherbergt die Klassikstadt. „Ich hab das Backsteingebäude bei einem Spaziergang gesehen, und es sah so schön aus“, sagt Ludßuweit. Er wollte wissen, was es damit auf sich hat, und tauchte ein in die Frankfurter Industriegeschichte.

Die nächste Generation der Stadtteilhistoriker kann sich bis zum 20. August bei der Stiftung bewerben. Das will Semret Micael tun, erzählt sie an der Hauptwache. „Ich will die Geschichte des Sandwegs erforschen.“

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