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Karin Schmidt-Friderichs, Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Tarek Al-Wazir (Bündnis 90/Die Grünen), Wirtschaftsminister des Landes Hessen, Monika Grütters (CDU), Kulturstaatsministerin, Peter Feldmann (SPD), Oberbürgermeister von Frankfurt am Main, Vivian Perkovic, Moderatorin, und Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse, nehmen an der Eröffnungsfeier der Frankfurter Buchmesse in der Festhalle teil (v.l.)

Eröffnung

Das Schreiben ist Widerstand

  • Claus-Jürgen Göpfert
    vonClaus-Jürgen Göpfert
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David Grossman beschwört zur Eröffnung der 72. Frankfurter Buchmesse die Kraft des Wortes.

Am Ende ist es, als hätte es diese Ermutigung dringend gebraucht. David Grossman reißt mit seiner Rede den dunklen Corona-Schleier von der 72. Frankfurter Buchmesse. Der israelische Schriftsteller und Friedensaktivist propagiert am Abend bei der Eröffnung das Schreiben als „unser Mittel des Widerstands“. In seiner Grußbotschaft, übertragen in die Festhalle, zitiert er den jiddischen Dichter Abraham Sutzkever. Der habe berichtet, wie er beim Durchqueren eines Minenfeldes die Melodie eines Gedichtes im Kopf gehabt habe. Am Ende habe er so überlebt.

Grossman beschwört die Gegenkraft der Phantasie. Schriftsteller, so sagt er, hätten in ihrem seltsamen Beruf immer in die Sonne geschaut. Mit großer Sorge verfolgt der 66-Jährige die politische und gesellschaftliche Entwicklung in seinem eigenen Heimatland. Und doch könne das Schreiben, der Prozess, in dem zwei Worte sich fänden, eine große Kraft entfalten. Die Kraft der Beobachtung sei „das Herz unserer Kunst“, etwas, dass alle Autoren in der Welt verbinde.

Der Schriftsteller gibt so in poetischer Weise den Ton vor für diese Eröffnungsfeier in der menschenleeren riesigen Festhalle, die live im Internet übertragen wird. Alle, die auftreten, bringen Appelle zum Durchhalten mit. Die Staatsministerin für Kultur und Medien, Monika Grütters, dankt Buchmessen-Direktor Juergen Boss und seinem Team für den Mut, die größte Medienschau der Welt digital zu organisieren und nicht einfach zu resignieren. „Sie haben aus der Not eine Tugend gemacht.“ Lesen, so urteilt Grütters, bewahre vor der Enge des Denkens und schütze vor Dogmatismus und Fanatismus. Sie warnt davor, Bücher von einzelnen Zitaten befreien und Kunstwerke aus dem öffentlichen Raum verbannen zu wollen. Dadurch gerate die Freiheit des Wortes in Gefahr. „Mich beunruhigt das.“

Die Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Karin Schmidt-Friderichs, beschwört die Widerstandskraft der Buchbranche in Zeiten der Pandemie. Sie macht deutlich, dass die Frankfurter Buchmesse nach dem Ende von Corona nicht einfach „back to normal“ gehen könne. Sie müsse sich neu erfinden, sagt die Vorsteherin, ohne dass allerdings näher zu erläutern. Auch Buchmessen-Direktor Boos lässt die Zukunft der Messe offen. Man erprobe jetzt die Mittel des Digitalen, „um für das Buch noch mehr zu trommeln“. Zugleich spricht er aber von der „Hoffnung, dass wir uns wieder treffen.“

Auch der stellvertretende hessische Ministerpräsident Tarek Al Wazir (Grüne) und Frankfurts OB Peter Feldmann (SPD) beschwören die Rückkehr zur Normalität. Der Grüne sieht „Fakten, die Anlass zur Hoffnung geben“, nämlich eine wirtschaftliche Erholung, die freilich noch nicht alle erreiche. Er würdigt den neuen Deutschen Sachbuchpreis als wichtiges Signal für die Branche und schließt mit einem hessischen Bonmot: „Kopf hoch, wenn der Hals auch dreckig ist!“ Feldmann verspricht mit Pathos in der Stimme: „Wir werden zurückkommen“.

Auch Justin Trudeau, der Ministerpräsident Kanadas, des diesjährigen Ehrengasts der Messe , nimmt selbstverständlich das Wort „Hoffnung“ in den Mund. Bücher gäben diese Hoffnung, ließen uns träumen. 200 kanadische Bücher in deutscher Neuübersetzung sind gerade in die deutschen Buchhandlungen gekommen, der physische Auftritt des Gastlandes soll 2021 auf dem Frankfurter Messegelände nachgeholt werden.

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