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Die Schulsanitäter zeigen, wie man einen Verband anlegt.

Schulsanitäter

Im Ernstfall Ruhe bewahren

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Von der Wundversorung bis zur Herzmassage - Jugendliche der Deutschherrenschule lernten bei den Maltesern das Einmaleins der Ersten Hilfe und kümmern sich jetzt um Mitschüler im Notfall.

Es ist ein Moment, in dem jeden anderen die Panik erfasst hätte. Steven und Onur nicht. Ein Klassenkamerad der Neuntklässler geht nach vorne zur Lehrerin – er hätte Asthma und bekäme keine Luft mehr. Bei den Mitschülern macht sich Unruhe breit. „Doch ich wusste sofort, was wir tun mussten“, erinnert sich Steven. Er und Onur packen ihren Klassenkameraden am Arm, führen ihn auf den Flur, schicken herbeieilende Lehrer und Schüler wieder weg, um Ruhe zu schaffen. Er solle sich gerade hinsetzen und sich vorstellen, er pustete eine Kerze aus, immer wieder, sagt Onur. Der Trick funktioniert. Nach kurzer Zeit schon entspannt sich der Junge, kann wieder befreit atmen, Steven und Onur schicken ihn dennoch vorsorglich nach Hause.

Dass die beiden Jungen in dieser Situation so professionell reagieren konnten, verdanken sie ihrer Ausbildung: Sie sind Schulsanitäter an der Deutscherrenschule in Sachsenhausen - seit Mittwoch nun ganz offiziell, mit Zertifikat.

„Die Idee dazu kam von verschiedenen Seiten, zum einen von den Maltesern, aber auch von den Schülern und Lehrkräften“, so Ulrike Buhro, die als Lehrerin das Projekt mit unterstützt. Im September dann begannen die ersten Gespräche zwischen Hilfsdienst und Schule, Schüler aus den Klassen sieben bis neun konnten sich bewerben. 18 waren es am Ende, die im Dezember in die Ausbildung gingen: drei Wochenenden bis Februar, Samstag und Sonntag, 9 bis 17 Uhr.

Einsatz nach Plan

„Wir haben dort gelernt, wie man Pflaster richtig anbringt, Prellungen und Schürfwunden verarztet“, erzählt Steven, „und wie man die Ruhe im Ernstfall bewahrt“. Die Schüler wurden mit der medizinischen Erstversorgung vertraut gemacht, damit, was zu tun ist bei Herzinfarkt, mit der Herz-Lungen-Massage und ihnen wurde beigebracht, dass sie nicht selbstständig Steine und Scherben aus Wunden entfernen dürfen. „Die Schüler entscheiden, was zu tun ist - auch, ob ein Krankenwagen gerufen werden muss“, erläutert Anette Lehmann, Stadtbeauftragte der Malteser.

Für die Jungen und Mädchen des Sanitätsdienstes gibt es einen Plan, wer wann Bereitschaft hat. Dann hat derjenige das Notfall-Handy bei sich, damit das Sekretariat ihn erreichen kann, und den roten Rucksack der Malteser mit Verbandsmaterial. Alle verbindet, dass sie anderen Menschen helfen wollen. Onurs Vater beispielsweise hat Diabetes - „so fühle ich mich sicher, ihm immer helfen zu können“. Dennoch strebt die Mehrheit keine medizinische Karriere an. Es geht vielmehr darum, ein Grundwissen zu haben – „und außerdem macht es sich gut im Lebenslauf“, wirft einer ein.
Das Wissen wird nun alle sechs Wochen von Maltesermitarbeitern aufgefrischt. Auch Unsicherheiten werden gemeinsam angegangen, um die Nachwuchssanitäter für den Ernstfall zu rüsten. „Das gibt auch uns Lehrern ein neues Sicherheitsgefühl“, freut sich Hajo Tretz, der die Kinder betreut.

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