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Prozess um Doktortitel: Erneute Verurteilung für Ex-AWO-Chef Richter

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Von: Stefan Behr

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Der ehemalige AWO-Chef Jürgen Richter hat sich seinen Doktortitel wohl erschwindelt.
Der ehemalige AWO-Chef Jürgen Richter hat sich seinen Doktortitel wohl erschwindelt. © Renate Hoyer

Ex-AWO-Chef Jürgen Richter scheitert auch am Landgericht. Richter hat sich seinen Doktortitel, den er auch in Personalausweis und Reisepass trug, wohl erschwindelt.

Frankfurt - Eines muss man Jürgen Richter, dem ehemaligen Chef der Frankfurter Arbeiterwohlfahrt (AWO), lassen: Er hat seine Prinzipien. Und der 66-Jährige verteidigt diese gegen alle Widerstände und durch sämtliche Instanzen.

Was Jürgen Richter nicht hat, ist ein Doktortitel. Das ist zumindest die Meinung des Amtsgerichts, das Richter im Mai vergangenen Jahres wegen Titelmissbrauchs zu einer Geldstrafe von 100 Tagessätzen à 80 Euro verurteilt hatte. Und auch die Meinung des Landgerichts, das am Mittwoch (11. Januar) Richters Berufung verworfen und das Amtsgerichtsurteil bestätigt hat.

„Doctor of Divinity“ an angeblicher US-Universität - Richter beharrt auf Rechtmäßigkeit seines Doktortitels

Wenn man Jürgen Richter glaubt, dann hat er 1992 seinen „Doctor of Divinity“ an einer US-Universität gebaut, die so elitär ist, dass sie im Internet nicht zu finden ist. Er könne das auch beweisen, hatte Richter persönlich vor dem Amtsgericht und durch seine Anwälte vor dem Landgericht beteuert. Immerhin sei der Doktortitel in seinem Personalausweis und seinem Reisepass eingetragen, und das sei ja wohl Beweis genug. Allerdings nicht für Richterin Gnadenlos vom Landgericht, die am Mittwoch ebenso salomonische wie deutliche Worte fand: „Wenn ich mir etwas erschwindele, dann wird es nicht rechtmäßig, nur weil der Schwindel nicht gleich auffliegt.“

Schwindlig werden konnte einem auch ob Richters Prinzipientreue. Er hätte nach eigenen Angaben seine Doktorarbeit jederzeit vorlegen und damit deren Existenz beweisen können. Mache er aber aus Prinzip nicht. Denn wenn er das tue, so seine Argumentation, dann würden sich Neider, Plagiatsjäger und Medienmenschen auf diese stürzen und nach allem suchen, was akademisch nicht ganz koscher sei. Und irgendwas finde sich ja immer. Da behalte er doch lieber seinen tadellosen Leumund und lasse die Dissertation da, wo sie sei. Wo das ist, verriet Richter nicht. Und steht nun lieber als Schwindler da als einer, der beim Doktor-bauen ein bisschen zu kreativ war. So ist das mit den Prinzipien: Wer welche hat, hat’s schwer.

Prozess in Frankfurt: Ex-AWO-Chef Richter will Doktorarbeit nicht vorlegen

Keinen Zweifel hatte die Justiz an Richters 1998 erfolgreich abgelegter Diplomarbeit - zeigte sich aber verwundert darüber, dass Richter damals nicht seinen angeblich sechs Jahre zuvor erworbenen Doktortitel erwähnte, auf den er mittlerweile so viel Wert legt. Dass es Richter nach dem Urteil nun gut sein lässt und auf Titel und Würden verzichtet, gilt bei Prozessbeobachtern als höchst unwahrscheinlich.

Erfolg hatten Jürgen Richter und seine Frau Hannelore vor Gericht zuletzt, als eine Schadensersatzklage der AWO gegen das Ehepaar abgewiesen wurde. (Stefan Behr)

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