Auch wenn die meisten bei der Kundgebung an der Weseler Werft den Mundschutz nicht akzeptieren, müssen sie ihn tragen.  
+
Auch wenn die meisten bei der Kundgebung an der Weseler Werft den Mundschutz nicht akzeptieren, müssen sie ihn tragen.

Kundgebung gegen Corona-Regeln

Erneute Proteste gegen Einschränkungen

  • Steven Micksch
    vonSteven Micksch
    schließen

Die Gegner der Corona-Regeln treffen in der Stadt auf Gegendemonstranten. Am Ende gibt es Festnahmen, Verstöße gegen Demo-Auflagen und ein gemeinsam gesungenes Lied von Xavier Naidoo.

Sowohl an der Alten Oper als auch an der Weseler Werft in Frankfurt gab es am Pfingstwochenende Proteste gegen die aktuellen Corona-Einschränkungen. Zeitgleich bildeten sich auch Gegenproteste. Insgesamt nahm die Polizei in diesem Zusammenhang vier Menschen fest.

Bei der Kundgebung an der Alten Oper kamen sich Coronaskeptiker und Gegendemonstranten sehr nah, so dass sich die Polizei gezwungen sah, die beiden Lager mit Nachdruck zu trennen. Nach einem kurzen Gemenge zwischen Anhängern beider Lager, die jeweils das Transparent des anderen für Quatsch hielten, trennte fortan eine Polizeikette die Protestler auf dem Opernplatz.

Den bis zu 60 Teilnehmern der Antieinschränkungskundgebung standen etwa 100 Gegendemonstranten gegenüber. Zwei von ihnen waren Nina Reister und Carla Wehner. „Wir sind hier, weil sich zunehmend eine starke Front bildet, die die Wissenschaft leugnet“, sagte die 18-jährige Reister. Ihre 20-jährige Freundin ergänzte: „Es werden Tatsachen geleugnet und das Gemeinwohl gefährdet. Mit Verschwörungstheorien ist dann auch eine Grenze überschritten.“ Beide würden sich zwar lieber solidarisch verhalten und zu Hause bleiben, aber sich der Bewegung entgegenzustellen, sei eben wichtig.

Auf Bannern machten die Gegendemonstranten deutlich, dass man Verschwörungsideologien enttarnen müsse. Auf der anderen Seite gab es Transparente mit „DDR 2.0“, „Heimatschutz statt Mundschutz“ sowie „Heute Corona, morgen Controlle“. Eine Sprecherin der Kundgebung zog Vergleiche von der Schweinegrippe zur Corona-Pandemie, nur dass es heute globale Lockdowns gebe, anstatt dass einzelne Schulklassen zu Hause bleiben müssten. Sie beklagte, dass man Masken tragen müsse, obwohl es keine Ansteckungsgefahr gebe.

Zugang zur Bühne   beschmiert

Zur Kundgebung an der Weseler Werft hatte die Gruppe rund um den früheren Frankfurter Occupy-Aktivisten Hajo Köhn aufgerufen. Hier kamen schätzungsweise etwas mehr als 150 Menschen zusammen. Die Polizei sprach sogar von 250 Menschen. Ein Zusammentreffen mit Gegendemonstranten gab es nicht. Zuvor hatten Unbekannte den Zugang zur Bühne mit Ketchup und Mayo beschmiert. Hajo Köhn erklärte, dass man durch ein positives Auftreten auffallen wolle und wies die Anwesenden auf die Maskenpflicht und das Abstandsgebot hin. Unter Buhrufen und Kopfschütteln hielten sich die meisten daran.

Am Mikrofon durften dann Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu Wort kommen. Ein Mann aus Offenbach forderte die Unterscheidung von an Corona Gestorbenen und mit Corona Gestorbenen. Berechtigte Sorgen und Forderungen mischen sich an diesem Tag aber immer wieder mit merkwürdigen Themen und Thesen.

So wird auf der Bühne auch kurz der Namen Bill Gates erwähnt, ohne groß darauf einzugehen. Man spricht vom 5G-Netz für Handys und dass Corona eine Ablenkung von der Wahrheit sei. Auch echauffiert ein Redner sich über den GEZ-Zwang und merkt an, dass Bewohner von Seniorenheimen, die immer wieder von größeren Corona-Infektionen betroffen seien, wohl kaum über einen ausreichenden Vitamin-D-Spiegel verfügten. Am Ende stimmte er noch „Dieser Weg“ von Xavier Naidoo an und die Anwesenden singen den Refrain mit.

Ein Mutter sprach auf der Bühne über nötige Kita- und Schulöffnungen. Hajo Köhn diskutierte anschließend mit einer eingeladenen Teilnehmerin der Gegenkundgebung. Er grenzte sich dabei von Rechts- und Linksextremismus ab und erklärte, wie er vor wenigen Wochen auf einer Bühne mit Heidi Mund gelandet sei. „Ich wollte, dass das Thema nicht in falsche Hände gerät“, sagte er. Und: „Heidi Mund wird hier niemals sprechen.“ Am kommenden Samstag soll es wieder eine Kundgebung am Main geben.

Nach eigenen Angaben nahm die Frankfurter Polizei bei Demonstrationen gegen die Corona-Politik vier Menschen fest. Zwei von ihnen hätten die Polizei während des Einsatzes gestört und angegriffen. Ein weiterer Mann sei wegen Hausfriedensbruchs und ein Mann wegen der Störung einer Versammlung festgenommen worden. Zudem seien fünf Bußgeldverfahren wegen des Verstoßes gegen Abstands- und Mundschutzregeln eingeleitet worden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare