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Ein Bahnübergang wird zum Ort der Trauer. Frankfurt-Nied, Oeserstraße.

Zugunglück  

Ermittlungen gegen Schrankenwärterin nach Unfall in Frankfurt

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Der 48-Jährigen wird nach dem Unglück in Nied fahrlässige Tötung vorgeworfen. Ein Lokführer spricht bei der Sicherung des Bahnübergangs von einem „Skandal“.

Eine Woche nach dem tödlichen Unfall am Bahnübergang in Nied hat die Bundespolizei ein Ermittlungsverfahren gegen eine Mitarbeiterin der Deutschen Bahn eingeleitet. Der 48 Jahre alten Schrankenwärterin werde fahrlässige Tötung und ein gefährlicher Eingriff in den Bahnverkehr vorgeworfen, sagte ein Sprecher der Bundespolizei am Freitag. Bei dem Unfall am vergangenen Donnerstagabend war die Schranke geöffnet, als ein Zug der Hessischen Landesbahn den Übergang passierte. Eine 16-jährige Fußgängerin starb, eine Autofahrerin und ein Radfahrer wurden schwer verletzt. Der Mann wurde auch am Freitag noch im Krankenhaus behandelt.

Weitere Details zu den bisherigen Ermittlungen wollte die Bundespolizei nicht verraten. Es werde aber auch wegen einer möglichen technischen Störung ermittelt, hieß es. Nach FR-Informationen hatte es an besagtem Donnerstagabend auch technische Probleme gegeben. Kontakte an den Zügen und dem Übergang sollen die Strecke nach dem Passieren normalerweise als wieder frei vermelden. Zum Zeitpunkt des Unglücks waren diese Kontakte offenbar gestört, wodurch die Schrankenwärterin ohne die technischen Hilfsmittel arbeiten musste. Nach der Durchfahrt eines Zuges in Richtung Frankfurt-Höchst hatte die 48-Jährige dann offenbar wieder die Strecke freigegeben, obwohl aus der Gegenrichtung noch die Landesbahn mit Ziel Hauptbahnhof nahte.

Strecke weiterhin gesperrt

Nach Angaben der Deutschen Bahn ist die 48-Jährige derzeit unabhängig von den laufenden Ermittlungen vom Dienst freigestellt. Dies sei bei solch schweren Unglücken üblich, sagte ein Bahnsprecher. Die Strecke ist auf Höhe der Oeserstraße ohnehin weiterhin für den Bahnverkehr gesperrt, voraussichtlich noch bis zum 24. Mai. Es seien noch Reparaturarbeiten an der durch den Unfall beschädigten Schranke notwendig.

Das Unglück hat die Kritik an dem Bahnübergang in Nied wieder neu entfacht. Eine Petition für die Abschaffung des Übergangs hatten bis Freitagnachmittag rund 3400 Unterstützer unterschrieben. Bislang richtete sich der Unmut der Anwohner aber vor allem gegen die langen Wartezeiten, weil die Schranken häufig unten sind. Neben der Hessischen Landesbahn wird die Strecke auch von einer Regionalbahn, einem Regionalexpress sowie der S-Bahn genutzt. Allein am Donnerstag mussten nach Auskunft der Deutschen Bahn wegen der Sperrung 130 Züge umgeleitet werden. Der tödliche Unfall wirft die Frage auf, inwieweit eine wärterbediente Schranke auf solch einer stark befahrenen Strecke überhaupt noch zeitgemäß ist, zumal die Strecke am Übergang schwer einsehbar ist.

Bei der FR meldete sich ein Lokführer, der angesichts der technischen Absicherung auf dieser Hauptstrecke von einem „Skandal“ sprach. Jeder andere Bahnübergang sei besser gesichert als der in Nied, der längst technisch signalabhängig hätte geregelt werden müssen, fordert der Lokführer. Die Deutsche Bahn hält dem auf FR-Anfrage entgegen, der Bahnübergang in Nied verfüge mit der sogenannten Hauptsignalabhängigkeit über die höchste technische Sicherungsform, die möglich sei.

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