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Die drei von der ZIT: Leiter Andreas May, Benjamin Krause und Sprecher Georg Ungefuk (v. l.)

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Die Ermittler im Parkhaus

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Die Zentralstelle Internetkriminalität ist an einen ungewöhnlichen Ort gezogen und wächst rasant.

Im Erdgeschoss werden Parktickets gezogen, unter dem Dach wird das Verbrechen bekämpft. Die hessische Zentralstelle zur Bekämpfung von Internetkriminalität (ZIT) ist nach Frankfurt gezogen und hat sich ein ungewöhnliches Domizil ausgesucht: Wo früher die Parkhausverwaltung logierte, wird jetzt das Verbrechen im Internet bekämpft. Der Leiter der ZIT, Andreas May, sitzt im kleinen Konferenzraum und schaut über die Dächer der Innenstadt. „Es war zwar ziemlich heruntergewohnt, aber uns hat die zentrale Lage gefallen“, sagt der Leitende Oberstaatsanwalt. Noch stehen viele Räume der 1300 Quadratmeter großen Liegenschaft leer, doch das Land Hessen investiert viel, um die ZIT weiter auszubauen.

Noch vor fünf Jahren war May mit seinem Kollegen Rainer Franosch im Dachgeschoss einer ehemaligen Zigarrenfabrik in Gießen untergebracht. Zu zweit. Derzeit hat die ZIT, ein Steckenpferd von Justizministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU), acht Staatsanwälte, mittelfristig sollen es 26 Ermittler werden. „Die Entwicklung ist nahezu explosionsartig“, staunt May selbst und gibt zu, dass er fast „etwas erschrocken war“, welch zentrale Rolle die ZIT bei der jüngsten Jahrespressekonferenz der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt spielte, die mit ihren gut 40 Staatsanwältinnen und Staatsanwälten noch viele weitere Bereiche beackert. Doch die Bedrohlichkeiten aus der weiten Welt des Internets und des Darknets haben eine hohe Strahlkraft, auch wenn May sagt: „Wir versuchen in Vorträgen, das Darknet zu entmystifizieren. Es handelt sich dabei ja nur um eine systemimmanente Mehrfachverschlüsselung.“

Neben dem Darknet, in dem vor allem Drogen gehandelt werden, kümmert sich die ZIT noch um Cyberkriminalität, also Angriffe auf Computer und Smartphones, sowie Kinderpornografie. „Wir wollen das strikt getrennt halten, Kinderpornografie ist ein ganz eigenes Ermittlungsfeld“, betont May. Auch beim Bundeskriminalamt, mit dem die ZIT eng zusammenarbeitet, würden beide Felder klar voneinander getrennt. Als Ermittler gefragt sind Kollegen, die vorher im Jugendschutz gearbeitet haben. Derzeit kümmern sich bei der ZIT drei Ermittler um Verfahren zur Kinderpornografie und haben alle Hände voll zu tun. „Wir werden überflutet mit Verfahren“, sagt May. Ein wesentlicher Grund dafür ist das US-amerikanische „National Center for missing and exploited children“ (NCMEC), das von amerikanischen Providern über Missbräuche im Zusammenhang mit Kinderpornografie informiert wird. Auf die Informationen des NCMEC können auch die deutschen Ermittler zugreifen.

May und sein Stellvertreter Benjamin Krause hoffen, schon bald neue Kollegen unter dem Parkhausdach begrüßen zu dürfen. Ganz leicht ist die Suche allerdings nicht, denn sie müssen schon eine bestimmte Erfahrung und Qualifikation mitbringen. Mit dem Standortwechsel von Gießen ins zentraler gelegene Frankfurt dürfte die ZIT aber nun für mehr Staatsanwälte als bisher interessant werden.

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