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Uwe Bretthauers Konzerttickets haben jetzt ein Zuhause.

Corona Homestory

Erinnern und dichten gegen Corona

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Wo sind eigentlich die alten Konzerttickets? Hier kommen weitere gute Tipps der FR-Gemeinde für die Zeit des Daheimbleibens.

Wie singt Herbert Grönemeyer gleich noch? „Männer müssen durch jede Wand, müssen immer weiter“, singt er, und Uwe Bretthauer zitiert ihn gern. Der FR-Leser hat festgestellt: „Auch in der Corona-Krise sind die Verhaltensmuster von Männern sicherlich nicht gänzlich andere als die, die Herbert Grönemeyer beschreibt.“

Baumarktbesuche seien ja eingeschränkt möglich geblieben, Reparaturen erledigt. Auto, Fahrrad, Wohnung oder Haus auf Vordermann gebracht, und dann? „Jetzt kommen die Langzeitziele wieder hoch.“ Bei ihm gehört dazu die Plattensammlung, die er inzwischen voll digitalisiert hat, und: „Da sind ja noch die vielen Bilder oder auch die zahlreichen Konzerttickets aus den letzten Jahrzehnten“, Hunderte davon, die geradezu nach Struktur und Ordnung rufen.

„Also habe ich mit Unterstützung meiner Frau die große Schachtel mit den Konzerttickets aus dem Regal geholt“, schreibt Bretthauer, 61, „und alle fein säuberlich in einen Bilderrahmen sortiert und an die Wand geschraubt.“ Feine Sache. Und ein kleiner Stich ins Konzertbesucherherz all jener, die jetzt bedauern, ihre Tickets stets weggeworfen zu haben. Im nächsten Leben machen wir’s lieber wie Uwe Bretthauer.

Oder wie Claudia Luz: dichtend. „Liebes Redaktionsteam“, schreibt sie uns, „ich sitze im Homeoffice, habe noch keine Kurzarbeit, die Familie ist gesund, die Vorräte sind aufgefüllt, sogar Klopapier ist da – und dennoch gibt es diese trüben Tage, an denen ich die Nase voll habe von den Durchhalteparolen.“ Parolen wie „Wir überstehen die Krise total kreativ“ meint sie, oder „Wir genießen jetzt mal die Entschleunigung“.

„Dann ist es Zeit für mich, zu dichten“, schreibt Claudia Luz. Weil sie uns schon vor Ostern schrieb und wir ja die Einsendungen nach und nach veröffentlichen, hat sie eine Abwandlung des Goethe’schen Osterspaziergangs geschrieben, die aber weiter reicht: „Ich sehe bis weit darüber hinaus und was ich dort wahrnehme, raubt mir den Schlaf.“ So beginnt das Gedicht:

„Schon lange enteist sind Strom und Bäche/Doch des Frühlings holder, belebender Blick/Birgt alles, bloß kein Hoffnungsglück/Der alte Winter, in seiner Schwäche/Zog sich in Chinas Berge zurück/Von dort her sendet er, fliehend, nur/Bedrohliche Schauer winzigsten Eises/In Wolken über die grünende Flur.“

Wer weitere Tipps für die Zeit daheim hat: online@fr.de. Danke an alle!

Kein Osterspaziergang

Schon lange enteist sind Strom und Bäche
Doch des Frühlings holder, belebender Blick,
birgt alles, bloß kein Hoffnungsglück;
Der alte Winter, in seiner Schwäche,
Zog sich in Chinas Berge zurück.
Von dort her sendet er, fliehend, nur
bedrohliche Schauer winzigsten Eises
In Wolken über die grünende Flur.
Doch die Sonne erlaubt uns kein Reisen,
Nirgendwo regt sich Bildung und Streben,
Gar nichts will sie mit Farben beleben;
Denn an Masken fehlts im Revier,
Sie nimmt infizierte Menschen dafür.
Kehre dich um, von diesen Höllen
Nach der Stadt zurück zu sehen!
Aus dem hohlen finstern Tor
Dringt das winz’ge Gewimmel hervor.
Niemand sonnt sich heute so gern
und feiert die Auferstehung des Herrn,
Denn wir wären selber gern auferstanden:
Aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern,
Aus Handwerks- und Gewerbesbanden,
Aus dem Druck von Giebeln und Dächern,
Aus der Straßen quetschender Enge,
Aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht
Sind wir alle ums Licht gebracht.
Sieh nur, sieh! wie vereinzelt sich die Menge
Durch die Gärten und Felder zerschlägt,
Wie der Fluss in Breit und Länge
Keinen lustigen Nachen mehr bewegt,
Und, bis zum Sinken überladen,
schaukelt jetzt der Todeskahn.
Selbst von des Berges fernen Pfaden
Blinken uns Hinweisschilder an.
Ich erinnere des Dorfs Getümmel,
Hier war des Volkes wahrer Himmel,
Verstöret schluchzet groß und klein:
Hier war ich Mensch, hier durft ich’s sein!
Von Claudia Luz

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