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Noch gehört die Leonhardskirche den Restauratoren.

Kirchen

Wie läuft die Sanierung an  St. Leonhardskirche und  am Kaiserdom in Frankfurt?

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Bürgermeister Uwe Becker und Baudezernent Jan Schneider stellen den Fortschritt der Sanierungsarbeiten an der St. Leonhardskirche und am Kaiserdom vor.

Was für ein Wiedersehen mit der ältesten Kirche in der Frankfurter Innenstadt: Seit acht Jahren ist die am Main gelegene St. Leonhardskirche wegen der Sanierungsarbeiten im Inneren für die Öffentlichkeit hermetisch verriegelt. Am Freitag lud Bürgermeister und Kirchendezernent Uwe Becker gemeinsam mit dem Baudezernenten Jan Schneider zu einer Baustellenbesichtigung im Frankfurter Dom und in die St. Leonhardskirche ein.

„Der Raum hat sich verändert“, erzählt Burkhard Margraf, der die Sanierungsarbeiten in der Leonhardskirche leitet. Man habe den „gotischen Ursprung stärken“ wollen. Um sechzig Zentimeter sei der Boden abgesenkt worden, jetzt seien die alten Basen der Säulen wieder sichtbar. In englisch-rot erstrahlen nun die Pfeiler, die ein zum Teil mit Sternen verziertes Gewölbe tragen. Die mittelalterlichen Wandmalereien wurden wiederhergestellt, alte Grabplatten in den Boden integriert.

Die Gräber wurden während der archäologischen Ausgrabungen entdeckt, die der eigentlichen Sanierung vorausgingen. Bis zu drei Meter tief habe man sich ins Erdreich gewühlt, um die romanischen Anfänge der Kirche zu erforschen. Dabei sei man nicht nur auf die Grabplatten gestoßen, sondern auch auf einen lebensgroßen „Atzmann“, eine Figur aus Stein. „Atzmänner“ sind Skulpturen in liturgischen Gewändern, die dem Priester symbolisch ein Buch zum Gebet oder Gesang reichen.

 Für die Restaurationsarbeiten am Dach und an der Fassade des Kaiserdoms St. Bartholomäus werden 9,7 Millionen Euro veranschlagt. Der Dom ist während der Arbeiten bis auf das südliche Querhaus und die Wahlkapelle frei zugänglich.

Seit August 2011 war Frankfurts älteste Innenstadtkirche, St. Leonhard, an der Alten Mainzer Gasse 23, wegen ihrer Innenrestaurierung, die rund 11,5 Millionen Euro kosten wird, geschlossen. Für den 18. August ist eine „Teileröffnung“ vorgesehen. Ab dem 8. September kann die Kirche donnerstags bis sonntags besichtigt werden.  

Die archäologischen Entdeckungen hätten zu Verzögerungen geführt, erläutern Becker und Schneider. Eine Kirche sei ohnehin „nie fertig“, meinte Becker – eine fortwährende Herausforderung also, zu der sich die Stadt bereits mit dem sogenannten Dotationsvertrag von 1830 bekannte. In dem Vertrag verpflichtet sie sich zum Unterhalt der acht Innenstadtkirchen.

Von außen ist der Leonhardskirche nicht anzusehen, was sich im Inneren alles tut: Der Marienaltar wird gerade neu zusammengesetzt und muss ebenso wie die beiden anderen Altare von St. Leonhard neu geweiht werden. Die üppigen Leuchter werden, begleitet von lautstarken Anweisungen, hochgehievt. Ein Mann hockt auf dem Boden, um die Fugen zwischen den neuen Sandsteinplatten zu füllen. Oben auf der Empore sind die original Platten neu verlegt worden. Um dieses Puzzlespiel zu bewerkstelligen, wurden die über tausend Platten durchnummeriert.

Alle Figuren, auch die, die bereits ihre alte Position eingenommen haben, sind verhüllt, um sie vor dem Staub zu schützen. Die Orgel wurde zerlegt: Einige Pfeifen stehen schon wieder am vertrauten Ort, andere lehnen noch an der Wand. Sie müssen noch intoniert werden. Das geht aber nur, wenn es still ist. Und das „ist es jetzt nicht“, sagt Margraf.

Weiter geht es zum Dom, dem größten Sakralbau der Stadt. Seitdem im Jahr 2000 der Blitz in die Kreuzblume auf der Turmspitze trotz Blitzableiter einschlug, gab es nur dann und wann ein kleines Zeitfenster ohne Bauarbeiten am und im Dom, erläutern Becker und Schneider. Nachdem die Sanierung des Domturms abgeschlossen wurde, geht es jetzt darum, das Dach und die Fassaden zu restaurieren. Im südlichen Querhaus wurden die Fenster ausgebaut, riesige grau-weiße Planen verhüllen die Wände. Für den Austausch der Schieferziegel auf den bis zu 75 Grad steilen Dächern wurden mobile Gerüst-Körbe für die Dachdecker konstruiert.

Auch die Orgelpfeifen streben nach oben.

Außer dem Querhaus ist derzeit auch die Wahlkapelle, in der die Könige und Kaiser auserkoren wurden, für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Auf dem Boden liegen Holzplatten, um die wertvollen Fliesen zu schützen. In dieser Kapelle wurde bislang auch eine Reliquie des heiligen Bartholomäus, dem Schutzpatron der Kirche, aufbewahrt. Der Schädel des Apostels gilt als eine der wertvollsten Reliquien nördlich der Alpen. Seine Präsentation habe ihn in der Vergangenheit an „einen Briefkasten“, erinnert, sagt Becker. Nun soll sie die Reliquie in einer „bescheidenen, aber zugänglichen“ Art und Weise gezeigt werden. Es gehe um „Wertschätzung und Würdigung“, aber eben mit der „gewohnten Frankfurter Bodenständigkeit“.

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