Die Ergotherapeutin Nadja Seitz behandelt ihre Patient*innen auch in der Corona-Krise.

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Ergotherapeutin will trotz der Corona-Pandemie weiter behandeln

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Im Profil: Die Ergotherapeutin Nadja Seitz will trotz der Krise weiter behandeln. Die ambulante Versorgung sei jetzt umso wichtiger.

Seit dem 22. März hat Nadja Seitz noch weniger zu tun: Seit diesem Tag dürfen keine Besucher mehr das Altenzentrum der Jüdischen Gemeinde in Bornheim betreten. Für Seitz, die im Untergeschoss eine Praxis für Ergotherapie betreibt, bedeutet das: keine Patientinnen und Patienten mehr von außerhalb.

Auch in der Woche davor war schon etwa die Hälfte der Patienten zu Hause geblieben. „Viele unserer Patienten hatten Angst noch in die Praxis zu kommen. Viele haben Vorerkrankungen und sind in der Risikogruppe“, berichtet Seitz. Einigen, die mit dem ÖPNV anreisen müssten, habe sie aber auch selbst empfohlen zu Hause zu bleiben. Für ihre Angestellte hat Seitz Kurzarbeit beantragt. „Wir verdienen nur Geld, wenn wir behandeln.“ Noch spürt sie die ausbleibenden Einnahmen nicht. „Wir rechnen jetzt Rezepte ab, mit denen wir circa vor zehn Wochen begonnen haben.“ Sollte es in Zukunft einen Liquiditätsengpass geben, würde sie auch gerne Soforthilfen beantragen.

Zusätzlich zu den Soforthilfen für Selbstständige von Bund und Ländern, die auch für Ergotherapie- und Physiotherapiepraxen gelten, fordert der Spitzenverband der Heilmittelverbände Ausgleichszahlungen durch die Krankenkassen. Diese hätten dadurch, dass Ärzte laut dem Verband nun zurückhaltender Therapien verordneten, ein Polster. Der Behandlungsbedarf der Patienten lasse sich nicht auf Knopfdruck abschalten.

„Wir behandeln viele Kinder mit ADS.“ Normalerweise sei deren Alltag so gestaltet, dass sie genügend Bewegung bekämen. „Wenn die Eltern nun Homeoffice machen müssen, ist das mit den Kindern nicht machbar“, sagt sie. „Diese Familien brauchen dringend therapeutische Beratung.“ Aber nicht nur die Kinder brauchen trotz Corona-Krise Ergotherapie: „Meine Kollegin ist Handtherapeutin“, berichtet Seitz. „Nach einer Operation müssen die Hände therapiert werden, es ist auch wichtig, sofort anzufangen.“ Viele Menschen würden jetzt frühzeitig aus den Krankenhäusern entlassen oder bekämen keine Reha-Maßnahmen mehr. „Mittlerweile schließen Reha-Kliniken, weil die Betten für Corona gebraucht werden“, sagt Seitz. Die ambulante Versorgung sei dann umso wichtiger.

Seitz behandelt viele Menschen im Altenzentrum selbst. „Die Menschen im Altenheim sind ja durch das Besuchsverbot sozusagen schon in Quarantäne und sind total glücklich, wenn ich komme.“ Einige hätten ohnehin bereits psychische Probleme. „Sie leiden sehr darunter, dass es keinen Besuch mehr gibt.“ Allerdings gehören ihre Patientinnen und Patienten im Altenheim natürlich zur Risikogruppe: „Sie sind extrem gefährdet, darauf muss ich achten.“ Seitz hat privat deshalb nur noch Kontakt zu ihrer Kleinfamilie. „Auch Oma und Opa, die im selben Haus wohnen, treffen wir nicht mehr.“

Sollten durch die Krise Praxen schließen müssen, befürchtet Seitz langfristige Folgen für die Versorgung. „Wir haben so schon eine Warteliste von Patienten, die wir ohnehin nicht abgearbeitet bekommen.“ Das Angebot an Praxen sei also auch ohne Corona schon zu klein. „Wenn durch die Krise Praxen schließen müssen, verschärft sich das Problem weiter.“

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