Ein autonomer Bus am Mainkai.
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Ein autonomer Bus am Mainkai.

Autonomes Fahren

Erfolg mit Bus ohne Fahrer am Frankfurter Mainkai

  • Thomas Stillbauer
    vonThomas Stillbauer
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25.000 Mal stiegen Fahrgäste in den führerlosen Testbus ein. Fast alle würden es wieder tun. Nächste Station der Versuchsreihe: Rheingau.

Ein überschwängliches Fazit haben die Verkehrsbetriebe am Ende der achtmonatigen Testphase des Pilotprojekts „Easy“ für autonomes Fahren gezogen. „Es war ein supererfolgreicher Start“, sagte RMV-Geschäftsführer Knut Ringat am Dienstag auf dem Testgelände am Mainkai. Dort, auf der für Autos gesperrten Straße, waren im September zwei Kleinbusse aufgebrochen. Ihre Mission: erkunden, wie das führerlose Fahren in der City funktioniert.

Easy steht für Electric Autonomous Shuttle for You. Und wie lief es? „In nur acht Monaten 25 000 Fahrgäste – das ist Weltrekord“, jubelte Ringat aus Sicht das Rhein-Main-Verkehrsverbunds. Auch die Frankfurter Partner im Geflecht des öffentlichen Personennahverkehrs in Rhein-Main, die Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) und Traffiq, äußerten sich sehr zufrieden. Der Frankfurter Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) ließ ausrichten, die hohe Akzeptanz zeige, „dass die Zeit reif ist für neue Verkehrsangebote“. Sie weiterzuentwickeln könne „ein Beitrag zur dringend gebotenen Verkehrswende werden“.

Die kleinen Elektrobusse mit je sechs Sitzplätzen huschten seit September mehr als 6600 Kilometer auf der 700 Meter langen Teststrecke hin und her. Höchstgeschwindigkeit: 15 Kilometer pro Stunde, und an Bord musste ein sogenannter Operator sein, also eine Aufsichtsperson, die jederzeit eingreifen kann. Es habe nie eine Situation gegeben, in der der Operator hätte notbremsen müssen, berichtete VGF-Geschäftsführer Michael Rüffer. Die Person musste allerdings häufig dafür sorgen, dass der Bus weiterfuhr. Anfangs stoppte er nur allzu häufig von selbst, auch wenn das mögliche Hindernis noch weit entfernt war.

„Wir wollten lernen – das hat geklappt“, resümierte Traffiq-Geschäftsführer Tom Reinhold. 80 Prozent der befragten Fahrgäste hätten hinterher bekundet, sie könnten sich solch ein Transportmittel durchaus statt ihres bisherigen Fahrzeugs vorstellen.

„Der Mops kann kommen“

Dass es hier und da hakte und das Gefährt nicht immer flüssig rollte, gaben die Beteiligten zu – genau in dem Moment, als ein Mops mitten durch die Freiluft-Pressekonferenz flitzte. Aber generell: „Der Mops kann kommen, das Auto bremst“, sagte Michael Rüffer.

Die Kleinstbusse kosten etwa 100 000 Euro pro Stück, waren für den Test aber gebraucht, also günstiger. Ihre Batterie lasse sich über Nacht laden und reiche dann für einen Tag, sagte Ringat. Er nannte weitere Zahlen: Fast die Hälfte der freiwilligen Fahrgäste war zwischen 20 und 35 Jahre jung. Aus der begleitenden Umfrage der Frankfurter Fachhochschule ging zudem hervor, dass 93 Prozent der Tester sich sehr sicher gefühlt hätten – so sicher, dass 94 Prozent sogar ohne Operator mitfahren würden.

Der RMV-Mann erinnerte an die Aufbruchstimmung, als klar war, dass der Mainkai für mindestens ein Jahr frei von Autos sein würde: „Meine Güte, dann rein ins Getümmel!“ Es ging darum, die hochmoderne Technik zu erproben mit Menschen an Bord, aber im sicheren Rahmen.

„Wir würden gern schneller fahren als 15 km/h“, wünscht sich Ringat. Die Zukunft liege im autonomen Verkehr auf Abruf. Auf dem Weg in diese Zukunft machen die Easy-Mobile nun Station auf dem Gelände des Klosters Eberbach im Rheingau und fahren dort auf einer 1000- Meter-Strecke – mit Haltestelle am Weinshop, versprach Stiftungsvorsitzender Martin Blach.

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