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Zum Geburtstag gratulieren Rosemarie Heilig, Bernd Messinger, Jutta Ebeling und Milan Horácek (v.l.) im Cafe Größenwahn.

Frankfurter Grüne

Die Erde ist noch nicht gerettet

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Die Frankfurter Grünen feiern im Café Größenwahn ihre Gründung vor 40 Jahren.

Im Café Größenwahn liegen am Sonntagmittag Postkarten aus, auf denen die Mitbegründer der Grünen zu sehen sind: Petra Kelly, Joseph Beuys, Otto Schily. Auf einem Wahlplakat an der Wand umwuchern Pflanzen ein Atomkraftwerk, eine Sonnenblume, das Symbol der Grünen, lacht. Die „Stillegung aller Atomanlagen“, ist als Forderung zu lesen.

Milan Horácek war dabei, als sich am 17./18. März 1979 die „Sonstige Politische Vereinigung (SPV)/ Die Grünen“ im Bürgerhaus Sindlingen in Frankfurt gründete. Sie war Vorläuferin der Grünen-Partei, welche bei den Europawahlen am 10. Juni 1979 3,2 Prozent der Stimmen erhielt.

„Wir hatten uns zuvor 300.000 Mark von Joseph Beuys geliehen, um den Wahlkampf zu finanzieren“, erzählte der 72 Jahre alte Horácek, der am frühen Morgen aus seiner Heimatstadt Prag zur Feier in Frankfurt aufgebrochen war. „Die 3,2 Prozent der Stimmen brachten uns 4,9 Millionen Mark ein – damit konnten wir unsere Schulden zurückzahlen und die Kreis- und Landesverbände gründen.“

Jutta Ebeling, die frühere Stadträtin und Bürgermeisterin in Frankfurt, stieß 1984 zu den Grünen hinzu. Sie sei aus der außerparlamentarischen Arbeit, der Frauenbewegung gekommen, und habe sich unter den dominant auftretenden Männer bei den Grünen schwer getan. „Die Frauenfrage wurde als ‚Nebenwiderspruch‘ abgetan“, sagte sie, diese sei vermeintlich weniger wichtig gewesen als der ‚Hauptwiderspruch‘ zwischen Arbeitern und Bürgern. Ebeling habe versucht, Frauenbewegung und Ökologie zusammenzuführen. Karin Guder, Ortsvorsteherin im Ortsbeirat 3, seit 1981 bei den Grünen, erinnerte an die lähmenden Flügelkämpfe zwischen Spontis und Realos – „es war ein Machtkampf“, sagte sie. „Wer mit dem anderen Flügel sprach, wurde als ‚Verräter‘ beschimpft“, sagte Bernd Messinger, der froh ist, dass solche Dispute überwunden seien.

40 Jahre Grüne-Partei in Frankfurt

40 Jahre Grüne-Partei in Frankfurt – das ist nicht nur eine Rückschau. „Ich hoffe, dass es uns noch weitere 100 Jahren gibt, mindestens“, sagte der Frankfurter Grünen-Vorstandssprecher Bastian Bergerhoff. Eigentlich wäre es schön, wenn es die Grünen in 20 Jahren nicht mehr geben müsste, weil die anderen Parteien Kernthemen wie Umweltschutz und Frauenrechte übernommen hätten, sagte Jutta Ebeling. Bergerhoff blieb skeptisch. „Politik ist ein steter Kampf gegen den Schmutz.“

Wie wichtig dieser Kampf sei, berichtete Christoph Rosenbaum, Sprecher der Grünen im Ortsbezirk 1, der sich unter anderem für Seenotrettung stark macht. In der vergangenen Woche seien 45 Menschen im Mittelmeer zwischen der Küste von Spanien und Marokko ertrunken, 22 wurden gerettet. „Wenn Menschen ertrinken, ist das eine rote Linie, die überschritten wird“, sagte er. Seenotretter dürften nicht kriminalisiert werden.

Für das Bündnis Fridays for Future trat die Schülerin Kira Geadah auf, die freitags ab 12 Uhr an der Bockenheimer Warte für Klimaschutz demonstriert. „Die Wissenschaft sagt seit 40 Jahren, was gegen den Klimawandel zu tun ist, wir erwarten, dass nun etwas passiert.“ Die Debatte um das unentschuldigte Fehlen in der Schule lenke vom Thema ab.

Das Fehlen sei ein Regelverstoß, sagte Ebeling. „Aber die unentschuldigten Fehltage sollten eine Auszeichnung sein.“

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