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Eugen Hahn
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Eugen Hahn.

Nachruf

Er holte die Welt in den Jazzkeller

  • Claus-Jürgen Göpfert
    vonClaus-Jürgen Göpfert
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Eugen Hahn, der Organisator des Kultortes der Szene, ist im Alter von 79 Jahren gestorben.

Neunzehn steinerne Stufen ging es eine schmale Treppe hinunter in seine Welt. Unten stand Eugen Hahn und begrüßte den Besucher mit den Worten „Mensch, kumm rin“. Den Berliner Tonfall, den Dialekt der Stadt, in der er als Jugendlicher in allen Musikclubs rumgehangen hatte, legte er nie ab. 34 Jahre lang hat der Bassist den Jazzkeller Frankfurt geführt, jetzt ist der Organisator dieses Kultortes der deutschen Jazzszene im Alter von 79 Jahren gestorben.

Das ist eine Nachricht, die über Deutschland hinaus viele Menschen erschüttert. Denn das Publikum des Jazzkellers kommt von weither, ebenso wie die Weltstars, die der Mann in Jeans und altem Pullover in das unterirdische Gewölbe geholt hat. Der gebürtige Bochumer organisierte 240 Konzerte im Jahr, bot auch Disco mit Soul und Salsa an. Er schien immer in Bewegung, konnte auch im Gespräch kaum stillsitzen, sprudelte über vor Geschichten und Anekdoten. Wusste zu jeder der schwarz-weißen Fotografien an den Wänden etwas zu erzählen. Dort: Dizzy Gillespie, der Trompeter. Spielte im November 1988 im Keller, Hahn hatte es sofort präsent.

Aufgewachsen war er in Eberswalde in der DDR und dort von seinem Onkel mit dem verbotenen Jazz vertraut gemacht worden, der vom Klassenfeind aus den USA kam. Als Jugendlicher fuhr er zu den Konzerten in die Westberliner Deutschlandhalle, erlebte dort von Duke Ellington über Lionel Hampton bis Ella Fitzgerald viele amerikanische Jazzmusiker. Hahn begann, selbst Trompete und Gitarre zu spielen. Dann kam 1961 der Bau der Mauer und zerriss die Nabelschnur nach Westberlin. Hahn blieb in der DDR, entschied sich für den Bass als Instrument und wurde in der dortigen Jazzszene bekannt, spielte etwa im Sextett des Trompeters und Bandleaders Klaus Lenz.

1982 in die Bundesrepublik ausgereist

Mit seiner Lebensgefährtin, der Jazzsängerin Regine Dobberschütz, durfte er 1982 in die Bundesrepublik ausreisen. Und 1986 kam dann vom Frankfurter Posaunisten Albert Mangelsdorff eine Anfrage, die beide nicht ablehnen konnten, nämlich den Jazzkeller in Frankfurt, Kleine Bockenheimer Straße 18a, zu übernehmen. Der Keller, 1952 vom Trompeter Carlo Bohländer gegründet, war damals schon eine internationale Marke. Wenn es einen Ort gab, in dem sich der Einfluss der US-Kultur auf Nachkriegsdeutschland spiegelte, dann war es dieser Keller. Große Jazzmusiker wie Sonny Rollins oder Stan Getz waren dort aufgetreten, die Stars der deutschen Szene wie die Brüder Albert und Emil Mangelsdorff spielten dort.

Aber erst Eugen Hahn, der begnadete Kommunikator, führte den Keller zu einer noch größeren Blüte. Er öffnete ihn weit über die US-amerikanische und europäische Jazzszene hinaus, holte lateinamerikanische und asiatische Musikerinnen und Musiker. Wenn Hahn nach Frankfurt rief, kamen sie alle. 1989 schon führte er eine Disco-Nacht im Keller ein, über die Puristen zunächst die Nase rümpften. Doch Generationen haben schon Nächte im Gewölbe an der Kleinen Bockenheimer durchgetanzt bis in den frühen Morgen.

Auch als Eugen Hahn älter als 70 Jahre wurde, war Aufhören nie eine Option für ihn. Es gebe doch immer etwas zu tun, pflegte er zu sagen. Das Programm des nächsten Jahres organisieren oder auch nur die Toilette reparieren. In seltenen Stunden der Muße holte der Musiker selbst noch einmal den Bass hervor, spielte nur für sich, ganz selbstvergessen. Er werde weitermachen im Jazzkeller, „bis ich umfalle“, das war so ein typischer, schnoddriger Satz des Jazzers, der im Gedächtnis blieb.

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