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Sven Weisbrich (li.) und Simon Horn bieten in ihrer neuen Location ihr eigene Biermarke FXXXXFXXXXR Helles an.

Kneipe

Entspanntes Ausgehen im Frankfurter Ostend

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Am Freitag eröffnet das „Danzig am Platz“- Ein Ort für Familien, keiner für Abstürze.

Von außen vermutet man nicht wirklich einen neuen Ausgehort, an dem man entspannt sein Feierabendbierchen trinken, Fenchel-Bratwurst essen und gleichzeitig seine Kinder mitbringen kann. Am Gitterzaun in der Ostparkstraße 11 hängt ein kleines Schild, auf dem steht: „Danzig am Platz“, unweit daneben steht etwas größer „Frankfurter Brauunion“.

Zuletzt war auf dem riesigen Areal die Telekom zu Hause. Das einstige Pförtnerhäuschen ist verlassen. Ursprünglich war das Areal im Jahr 1951 als Zentrale des Versandhauses Neckermann errichtet worden, bis diese schnell zu klein wurde und die Firma in die Hanauer Landstraße umzog. Das ist alles Vergangenheit. In Zukunft will hier die Berliner CG-Gruppe noble Eigentumswohnungen, Büroräume und eine Kita bauen. Aber bis dahin dienen der 1500 Quadratmeter große Hof sowie die ehemalige Werkstatt dem „Danzig am Platz“ .

An diesem Freitag um 17 Uhr geht es los. „Wir wollen hier Leute zusammenbringen: Familien, Banker, Geschäftsmänner, Hipster“, erzählt Simon Horn. Das Wort „Off-Location“ mag er nicht leiden. „Was soll das sein?“ Der 36-Jährige ist einer der drei Macher des „Danzig am Platz“ und kein Unbekannter in der Stadt. Er ist der Betreiber und Koch des Restaurants „Margarete“ in der Braubachstraße.

Zusammen mit Raffaela Schöbel, die mit ihm die Margarete-Geschäftsführung bildet, und seinem Kumpel Sven Weisbrich entwickelte er zunächst die Idee für ein eigenes Bier, dann für die Ausgehlocation. „Es gibt wenige Orte in Frankfurt, zu denen man wirklich entspannt hingehen kann“, betont Weisbrich. Der 41-Jährige arbeitet noch bis Ende des Jahres als Marketingberater, danach will er sich komplett auf die Biermarke namens „FXXXXFXXXXR Helles“ konzentrieren.

FXXXXFXXXXR (ihre Schreibweise für Frankfurter) Helles steht auch als großfächiges Graffito an einer Maurer auf dem Hof. „Wir fanden, dass Frankfurt ein Bier mit Charakter fehlt. Eines, das keine große Kette wie Binding ist, aber eben auch kein Craft Beer und auch keines mit Maracujageschmack im Abgang“, sagt Horn. „Wir brauen ein normales, aber eben qualitativ sehr gutes Bier, das nicht wie viele große Marken aus Hopfenextrakt, sondern aus echtem Hopfen gebraut wird.“ Gebraut wird es nach Horns Rezeptur im fränkischen Hallerndorf. „In Frankfurt haben wir leider keine Brauerei gefunden, die unser Bier so gebraut hätte wie wir uns das vorstellen“, sagt Horn. Als Flaschenbier gibt es die Kreation bereits seit einem Jahr in verschiedenen Locations wie dem „Club Michel“ oder dem „Robert Johnson“.

Das „Danzig am Platz“ dient nun auch als Lager für ihr Bier. „Unser Helles bieten wir hier auch frisch gezapft von Fass an“, sagt Horn. Ein halber Liter kostet 3,50 Euro. Drei „Food-Buden“ sollen fürs leibliche Wohl sorgen. „Unsere Fenchelbratwurst kostet 3,50 Euro und ist frei von Phosphaten.“ Das Ostend-Restaurant „Leuchtendroter“ bietet Vegetarisches an, und es gibt Crêpes und Galettes von „Chez Vivi“.

„In vielen Städten wie in London gilt das Eastend als das coole Ausgehviertel. Und wir glauben, dass das Frankfurter Ostend auf jeden Fall auch Potenzial hat“, sagt Horn, der selbst dort aufgewachsen ist.

Horn hatte schon eine ähnliche Location wie das „Danzig am Platz“ auf der Neuen Mainzer Straße betrieben. „Das NM 57 hat die Afterwork-Partys wieder in der Stadt etabliert. Beim Danzig am Platz geht es nun aber weniger um Party“, sagt er. Deshalb sei hier auch um 23 Uhr Schluss. „Das ist kein Ort, an dem man sein Absturzprogramm feiern kann. Sondern ein Ort, an dem man eben auch als Familie mit Kindern vorbeikommt, entspannt sein Bier trinkt, und dann wieder nach Hause geht. Und wer mag, zieht dann eben weiter.“ Auch für Konferenzen und Firmenfeiern kann man die Location buchen. In der ehemaligen 300 Quadratmeter großen Werkstatt steht eine weißlackierte Biergarnitur und weiter hinten ein Sofa, dahinter ist eine Ecke mit Diskokugel. „Da die Werkstatt überdacht und beheizbar ist, sind wir vom Wetter unabhängig“, sagt Weisbrich. „Wir öffnen jetzt erstmal nur freitags, liebäugeln aber auch damit, tagsüber sonntags aufzumachen.“

Auf dem Hof könnten Eltern ihre Kinder ohne Bedenken frei laufen lassen, weil das Tor geschlossen ist, und die Straße fern. Für die Kinder gibt es Saftschorle. „Wir planen, mindestens drei Jahre hierzubleiben“, sagt Horn. „Und wer nach Hause geht, kann sich an der einstigen Pförtnerbude noch ein Wegbier kaufen“, sagt Weisbrich.

Das Gebäude

Die Berliner CG-Gruppe entwickelt am Danziger Platz auf dem ehemaligen Telekom-Areal ein gemischtes Quartier. Hier sollen Eigentumswohnungen in gehobener Ausstattung, Gewerbe- und Büroflächen sowie eine Kita entstehen. Der Baubeginn ist unklar. Im Jahr 2017 hatte es Streit mit der Stadt darüber gegeben, wie viel der Fläche bebaut werden darf.

Für die Zwischennutzung hat die CG-Gruppe, die das Gebäude im Jahr 2016 gekauft hat, einige Büros vermietet und zum Teil selbst bezogen. Insgesamt gibt es rund 30 000 Quadratmeter Mietfläche, davon überwiegend Büroflächen.

Der Ausgehort „Danzig am Platz“ in der Ostparkstraße 11, ist zunächst immer freitags von 17 bis 23 Uhr geöffnet. Infos gibt es auch auf Facebook „Danzig am Platz“.

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