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Entsetzen über massiven Preissprung an Frankfurter Zapfsäulen

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Am Ende des Tankrabatts spielen die Benzinpreise verrückt. Abends ist’s etwas günstiger. Boeckheler
Am Ende des Tankrabatts spielen die Benzinpreise verrückt. Abends ist’s etwas günstiger. Boeckheler © christoph boeckheler*

Tanken ist wieder teurer. Je nach Tankstelle sind es 25 bis 35 Cent mehr den Liter.

Manfred Bermges betankt Donnerstagmittag sein Auto an einer Tankstelle auf der Mainzer Landstraße. Auf der Anzeige der Zapfsäule steht zu dieser Zeit 2,15 Euro pro Liter Benzin. Einen Tag zuvor lag der Preis bei derselben Tankstelle noch bei 1,90 Euro. Bermges ist Mitte 50 und nutzt das Auto nur, um zur Arbeit zu fahren. Er wohnt in Darmstadt, pendelt täglich nach Frankfurt und sagt: „Ich hatte Mitte August für 1,62 Euro getankt. Der Preis heute ist für den normalen Autofahrer überhaupt nicht mehr stemmbar.“

In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag endete die vorübergehende Senkung der Energiesteuer, der sogenannte Tankrabatt. Mit dem Neun-Euro-Ticket war der Tankrabatt als Maßnahmenpaket verabschiedet worden, um Verbraucher:innen angesichts der hohen Energiepreise zu entlasten.

Im Frankfurter Stadtgebiet waren es am Donnerstag je nach Tankstelle zwischen 25 und 35 Cent mehr pro Liter Benzin als am Tag zuvor. Doch schon seit Mitte August – noch vor dem Ende des Tankrabatts – waren die Spritpreise schon angestiegen. In Hessen hat dies, laut ADAC, unter anderem mit dem Niedrigwasser des Rheins zu tun, also mit dem reduzierten Güterschiffverkehr.

Zu spüren bekommt dies auch der vierzigjährige Familienvater Alexander Wolf. Auf sein Auto ist er nicht nur wegen seiner zwei kleinen Kinder angewiesen, die auf der Rückbank sitzen. „Damit ich meine Familie ernähren kann, muss ich Geld verdienen und dafür muss ich mein Auto tanken. Bei einem Benzinpreis von mehr als zwei Euro bleibt am Ende des Monats allerdings nicht mehr viel Geld übrig“, sagt er verärgert und fügt hinzu: „Das ist ein Teufelskreis.“

Alles kostet mehr

Ein Tankstellenmitarbeiter, der lieber anonym bleiben will, kann verstehen, dass viele Kund:innen ihren Unmut über die hohen Preise äußern. „Ich selbst habe mir jetzt ein Fahrrad gekauft“, erzählt er. Er freue sich über die vielen Fahrradwege, die gebaut werden.

Vereinzelt gibt es auch andere Stimmen. Ein Mann, der ebenfalls anonym bleiben möchte, und gerade ein Auto betankt, das nicht sein eigenes ist, sagt: „Die Leute müssen spüren, dass Energie etwas kostet.“ Seit 25 Jahren besitze er kein Auto mehr. Mit dieser Meinung ist er heute an diesem Ort allerdings allein.

Die Mitarbeiterin eines mobilen Pflegedienstes, Saya Nazli, ist 48, hat drei Kinder und einen schwerbehinderten Mann. „Mein privates Auto habe ich schon verkauft“ erzählt sie. Zur Arbeit kommt sie seitdem mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Zusätzlich belastend sei, dass sie „ab diesen Monat auch wieder 100 Euro für die Monatskarte zahlen“ müsse. Ihr Lohn sei „seit Jahren keinen Cent gestiegen, während alles andere teurer geworden ist“. „Ich bin die Einzige, die in unserer Familie arbeiten kann. Ich weiß nicht, wie weit das noch gehen soll“, klagt sie.

Der ADAC Hessen-Thüringen rät den Verbraucher:innen zum Preisvergleich. Abends zwischen 18 und 21 Uhr sei der Benzinpreis meistens günstiger als morgens, so eine ADAC-Sprecherin. Der Unterschied könne im Tagesverlauf bis zu 13 Cent pro Liter betragen.

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