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Bahnunglück in Nied

Entschlossenheit nach Bahnunglück in Frankfurt

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Bewohner und Politiker in Nied wollen endlich eine Unterführung für den Bahnübergang.

Es ist ein erhabener Moment. „Lasst uns einen Moment in stillem Andenken innehalten“, sagt Pfarrer Joachim Preiser. Der Nieder Gottesmann kümmert sich seelsorgerisch um die Familie der verstorbenen 16-Jährigen, die am Donnerstag beim schrecklichen Unfall an der Bahnschranke an der Oeserstraße verstorben ist.

Genau an dieser Schranke spricht Preiser am Dienstagabend. Und alle sind still, selbst die Autos auf der Oesterstraße halten an. Als wäre die Schranke gerade geschlossen. Es hat sich eine kleine Menschenmenge gebildet, immerhin versuchen die gut 50 Menschen, den Corona-Abstand einzuhalten. Vor dem verbeulten Andreaskreuz drängt es sich aber. Die Bürgerinitiative „Die Schranke muss weg“ legt einen Kranz an das verbeulte Andreaskreuz auf dem Boden, auch der Vereinsring, der Ortsbeirat und der Beirat Soziale Stadt sind da.

„Ich persönlich, muss erst einmal meine Gedanken sortieren“, sagt Vereinsringsvorsitzender Hauke Hummel, was den weiteren Verlauf der Bürgerproteste angeht. Hummel hält nichts von Aktionismus, will aber helfen, die Kräfte zu bündeln, über alle politischen Lager hinweg. Andere planen schon konkreter. Manuela, etwa, selbst Mutter einer 16-Jährigen, will jede Woche wieder zur Mahnung an die Schranke zurückkehren. „Ich werde nicht ruhen“, droht sie.

Seit Tagen gleicht der Bahnübergang einer Gedenkstätte. Die Menschen haben Blumen abgelegt, Grablichter, Stofftiere, Fotos. Auch am Dienstagnachmittag bleiben viele stehen, manche falten die Hände, andere weinen. „Ein ganzer Stadtteil trauert“, steht auf einem handgemalten Schild.

Auch der Ortsbeirat 6 tagt an diesem Abend. Das Gremium beschließt einen Eilantrag aller Fraktionen. Stadt und Bahn sollen umgehend mit der Planung und dem Umbau des beschrankten Bahnübergangs zu einer Unterführung beginnen. Eine abgestimmte Vorplanung liege vor, sagt die Stadt.

Die Sitzung beginnt mit einer Gedenkminute. Das Gremium engagiert sich seit Jahren für die Beseitigung der Anlage. „Heute sind unsere Gedanken bei den Angehörigen“, sagt Ortsvorsteherin Susanne Serke (CDU). Erst komme die Trauer. Das Engagement gehe danach weiter. Eigentlich hatten sich die Ortsbeiräte gefreut, wieder tagen zu dürfen. Auch wenn der Rahmen skurril anmutet. Das Büro der Stadtverordnetenversammlung kontrolliert den Einlass in den Saalbau Nied. Die Halle ist normalerweiser für 1000 Besucher geeignet. Heute dürfen nur Mandatsträger hinein, etwas verloren sitzt jeder an seinem eigenen Tisch. Dazu sind zwei Pressevertreter und zehn Bürgerinnen und Bürger gekommen.

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