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Entschärfung in Frankfurt mit der Rohrzange

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Von: Oliver Teutsch

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Im Berufsverkehr am Mittwochmorgen mussten so manche im Frankfurter Westen wegen der Bombenentschärfung neue Wege finden. Christoph Boeckheler
Im Berufsverkehr am Mittwochmorgen mussten so manche im Frankfurter Westen wegen der Bombenentschärfung neue Wege finden. Christoph Boeckheler © christoph boeckheler*

Bevölkerung und Einsatzkräfte reagieren nach dem Fund einer Bombe im Frankfurter Westen fast routiniert. 275 Einsatzkräfte vor Ort. Entschärfung des Sprengkörpers dauert nur 30 Minuten.

Ohne Probleme hat der Kampfmittelräumdienst am Mittwoch in Frankfurt eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg entschärft. Die Entschärfung in dem Neubaugebiet am Rebstockgelände sei „von Hand mit einer Rohrzange“ erfolgt, berichtete Alexander Majunke vom Kampfmittelräumdienst des Regierungspräsidiums Darmstadt. Die amerikanische Bombe mit 25 Kilo Sprengstoff und einem Heckzünder sei „klein, aber gefährlich“ gewesen, sagte Majunke, der den Sprengkörper selbst entschärft hatte.

Dementsprechend aufwendig waren die Sicherheitsvorkehrungen im Vorfeld der Entschärfung. In der vorsorglich eingerichteten Evakuierungszone mussten 2300 Menschen ihre Häuser und Wohnungen verlassen. Auch drei Hotels, eine Umspannstation sowie zwei Kindergärten und eine Schule mussten geräumt werden. Alles verlief aber ohne Zwischenfälle. Die „allermeisten“ Betroffenen hätten die Gefahrenzone „einmal mehr sehr verantwortungsvoll verlassen“, zeigte sich die Feuerwehr in einer Mitteilung zufrieden. Das klang nach Routine, doch an einer eigens eingerichteten Hotline waren seit Dienstagnachmittag 170 Anrufe besorgter Bürger:innen entgegengenommen worden.

Wer während der Evakuierung nicht wusste, wohin mit sich, konnte in der Messehalle 11 unterkommen. Dort hatten die Rettungskräfte eine Betreuungsstelle eingerichtet.

Hier gibt es zwei verschiedene Eingänge, für Quarantänepflichtige und für nicht Infizierte. Letztere müssen sich testen. Es ist nicht viel los. Letztlich nutzen laut Feuerwehr nur 45 Personen das Angebot. Dazu gehören auch Julia, Michael und Sophia. Die kleine Familie wohnt in einem der Häuser, das geräumt wurde. Michaels Büro liegt auch im Sperrgebiet, ebenso Sophias Schule. „Wir konnten sonst nirgends hin“, erklärt der 39-Jährige. Seine Frau ergänzt, dass ihnen das Wetter nicht in die Karten spiele. Um draußen etwas zu unternehmen, sei es zu kalt, zu windig und regnerisch. Die Familie ist zuversichtlich, dass alles gut geht, schließlich seien Bombenfunde in Frankfurt keine Seltenheit. Wenn die Gefahr gebannt ist, möchten sie den ungeplanten Familientag im Kino ausklingen lassen.

Genauso wenig los ist an diesem Vormittag auf der Theodor-Heuss-Allee. Wo sonst um diese Uhrzeit die Autokarawanen stadteinwärts unterwegs sind, gibt es jetzt nur vereinzelte Passant:innen, dafür an allen Zufahrten Blaulicht und Polizei. Der Bereich ist gesperrt. Auf den Ausweichstrecken sei es zu vereinzelten Rückstaus gekommen, die Autofahrerinnen und Autofahrer mussten Umwege in Kauf nehmen, berichtet später die Polizei.

Bei manchen Straßensperrungen geht es etwas chaotisch zu. Taxis wenden, flinke Fahrer drehen mitten auf der Straße. Die Absperrmaßnahmen kommen für einige wohl etwas plötzlich. Nicht jeder scheint von der Entschärfung und den Sperrungen zu wissen. Polizist:innen weisen Autofahrerinnen und Autofahrer freundlich daraufhin, dass es Alternativwege gibt.

Um halb eins ist alles vorbei. Die Bombe entschärft, keine Gefahr mehr. Innerhalb von Minuten werden die Straßen geöffnet, und die Menschen kehren zurück in ihre Wohnungen, Häuser oder an ihre Arbeitsplätze. Der Verkehr rollt wieder, und auf der Fußgängerbrücke der Theodor-Heuss-Allee ist es wieder laut.

An der gesamten Aktion waren der Kampfmittelräumdienst vom Regierungspräsidium Darmstadt, das Frankfurter Ordnungsamt mit der Stadtpolizei und das Frankfurter Gesundheitsamt beteiligt. Außerdem waren die Feuerwehr Frankfurt mit haupt- und ehrenamtlichen Kräften, die Landes- und Verkehrspolizei sowie der Rettungsdienst im Einsatz – insgesamt 275 Personen.

Ob im Neubaugebiet am Rebstock während der Bauarbeiten mit weiteren Bomben zu rechnen sei, konnte Experte Majunke nicht sagen: „Wir wissen aber, dass Frankfurt eine hohe Belastung hat und speziell dieses Gebiet stark bombardiert wurde.“

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