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Besonders kräftig profitieren in Hessen daher Haushalte in Städten wie Frankfurt, Wiesbaden, Darmstadt, Offenbach, Rüsselsheim oder Bad Homburg, die in der höchsten Mietstufe 6 liegen.

Wohngeld

Entlastung für Mieter

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In Frankfurt haben ab Januar 2016 deutlich mehr Haushalte Anspruch auf Wohngeld. Nach Angaben von Bürgermeister Olaf Cunitz (Grüne) sogar 60 Prozent mehr als in diesem Jahr.

Deutlich mehr Frankfurter als bisher können vom kommenden Jahr an Wohngeld beziehen. Die Stadt rechnet damit, dass 13 000 Haushalte den von Bund und Land finanzierten Zuschuss beantragen. Das wären nach Angaben von Bürgermeister Olaf Cunitz (Grüne) 60 Prozent mehr als in diesem Jahr. 2014 waren beim Amt für Wohnungswesen noch lediglich 8824 Anträge von Mietern oder Eigentümern auf Wohngeld eingegangen. Davon waren 6584 genehmigt worden. Im Schnitt erhielten die bezuschussten Haushalte damals Wohngeld in Höhe von 157 Euro im Monat.

Bundesweit dürften nach Schätzung des Umweltministeriums kommendes Jahr 870 000 Haushalte Wohngeld beziehen, davon mehr als 320 000 Haushalte erstmals oder wieder. Auch das Land rechnet mit deutlich steigenden Empfängerzahlen. Gerade in den Ballungsräumen könnten viele Familien, aber auch Rentner, die bisher keinen Zuschuss zur Miete erhielten, von der Reform profitieren, sagte Beatrix Tappeser, Staatssekretärin im hessischen Umweltministerium, am Dienstag.

Ob ein Haushalt Anspruch auf Wohngeld hat, hängt von der Anzahl der Haushaltsmitglieder, der Höhe des Gesamteinkommens und der Höhe der zuschussfähigen Miete ab. Wo die Mieten stark steigen, wird der Höchstbetrag für diese zuschussfähige Miete dem Gesetz nach zum 1. Januar stärker erhöht als in Regionen mit vergleichsweise entspanntem Wohnungsmarkt.

Besonders kräftig profitieren in Hessen daher Haushalte in Städten wie Frankfurt, Wiesbaden, Darmstadt, Offenbach, Rüsselsheim oder Bad Homburg, die in der höchsten Mietstufe 6 liegen. In diesen steigt der Höchstbetrag für eine zuschussfähige Miete jeweils um 27 Prozent.

Staatssekretärin Tappeser riet allen künftig anspruchsberechtigten Haushalten, das Wohngeld gleich im Januar zu beantragen, um kein Geld zu verschenken. Dieses werde schließlich jeweils ab dem Monat, in dem der Antrag gestellt wurde, gewährt.

Das Frankfurter Amt für Wohnungswesen teilte bereits mit, das Jugend- und Sozialamt und das Jobcenter prüften für alle Empfänger von Grundsicherungsleistungen, ob diese Wohngeld beziehen können. In allen Fällen, wo dies zu einer finanziellen Besserstellung führe, wollten die Behörden die Leistungsempfänger auffordern, den Zuschuss zu beantragen.

Alle Haushalte, denen die zuständige Behörde – in Frankfurt das Amt für Wohnungswesen – bereits Wohngeld für das kommende Jahr genehmigt hat, müssen den Behörden nach nichts unternehmen. Der Zuschuss wird automatisch an die neuen Sätze angepasst und ein neuer Bescheid zugestellt, heißt es.

Für die meisten 25 000 hessischen Haushalte, die bereits Wohngeld erhalten, dürfte die im Juli vom Bundestag beschlossene Reform eine deutliche Entlastung bringen. Das Wohngeld steigt das erste Mal seit sechs Jahren an – und das im Schnitt um 39 Prozent. Damit reagiert der Bund unter anderem auf den Anstieg der Warmmieten seit der letzten Wohngeldreform im Jahr 2009. Ein durchschnittlicher Zwei-Personen-Haushalt, der bisher 112 Euro erhielt, könne nun mit etwa 186 Euro im Monat rechnen, teilte das hessische Umweltministerium am Dienstag mit.

Die Reform beschert Bund und Ländern kräftig steigende Kosten. Sie rechnen für das kommende Jahr mit Ausgaben von 1,43 Milliarden Euro. 2014 gaben Bund und Länder noch nur 845 Millionen Euro dafür aus.

Wohnen müsse auch bei steigenden Mieten bezahlbar sein, begründete Bundesbauministerin Barbara Hendricks (SPD) die Mehrausgaben jüngst. Die Reform führe dazu, dass viele Geringverdiener und Familien entlastet werden.
Entlasten wird sie auch die Kommunen. Diese profitieren von jedem Bewohner, der nun Wohngeld erhält und keine Leistungen nach SGB II mehr benötigt.

Der Opposition im Bundestag war die Reform nicht weit genug gegangen. Die Grünen vermissten etwa einen Heizkostenzuschuss und eine Klimakomponente.

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