Birgit Muck hat den kleinen Benjamin vor vier Jahren betreut und immer noch guten Kontakt.
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Birgit Muck hat den kleinen Benjamin vor vier Jahren betreut und immer noch guten Kontakt.

Jubiläum

Entlastung für junge Familien

  • vonBrigitte Degelmann
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Das Projekt „wellcome“ läuft seit zehn Jahren in Frankfurt. Drei bis sechs Monate lang, bei Bedarf auch länger, kommen dabei Ehrenamtliche in junge Familien, um diese zu unterstützen.

Wenn Henriett Magel von der Zeit vor fünf Jahren erzählt, dann spricht sie von „ziemlichen Herausforderungen“, denen sie sich damals gegenübersah. Das lag nicht nur an dem Umzug von Wien nach Frankfurt, wo ihr Mann eine neue Stelle gefunden hatte. Sondern auch daran, dass sie damals hochschwanger war und binnen weniger Wochen alles Mögliche organisieren musste: eine Geburtsklinik, eine Hebamme, einen Kinderarzt und die Eingewöhnung ihres damals vierjährigen Sohnes Daniel in den neuen Kindergarten. Dabei sollte sie wegen der Gefahr einer Frühgeburt möglichst viel liegen. Ende 2015 wurde schließlich der kleine Benjamin mit einer Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte geboren.

In dieser anstrengenden Zeit konnte ihr Mann, der in seiner neuen Stelle stark gefordert war, tagsüber kaum helfen, ebenso wenig Verwandte und Freunde, die allesamt weit entfernt lebten. Da gab ihr die Schwiegermutter, die in der Nähe von Stuttgart wohnt, einen Tipp: Sie hatte von dem Projekt „wellcome“ gehört, das ehrenamtliche Hilfen anbietet, um Familien mit Babys zu entlasten. Im Januar 2016 versuchte Henriett Magel dort ihr Glück. Mit zunächst ernüchterndem Ergebnis: Sie müsse wohl mit einer mehrmonatigen Wartezeit rechnen, hieß es.

Doch dann fand sich eine schnellere Lösung: Birgit Muck aus Eschersheim hatte sich auf einen Zeitungsartikel hin bei dem Projekt gemeldet und sich als ehrenamtliche Helferin angeboten. Im Februar brachte Katrin Große-Dresselhaus, „wellcome“-Koordinatorin für Frankfurt-Nord, beide Frauen zusammen. Schnell war alles klar. „Nach 20 Minuten hat Heni mir Benjamin in den Arm gelegt“, erinnert sich Birgit Muck. „Und ich war total verliebt – er war so goldig.“

„Das war eine große Hilfe“

Zweimal pro Woche kommt die Eschersheimerin in den darauffolgenden Monaten zu der jungen Familie. Jeweils zwei bis drei Stunden lang kümmert sie sich um den Kleinen, geht mit ihm spazieren oder spielt. Währenddessen kann Henriett Magel in Ruhe Milch abpumpen, weil Benjamin wegen seiner Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte nicht an der Brust trinkt. Auch bei der Wäsche oder beim Aussortieren von Kinderkleidung habe ihr Birgit Muck geholfen, erinnert sich die 43-Jährige: „Das war eine große Hilfe.“

Katrin Große-Dresselhaus, die seit sieben Jahren als „wellcome“-Koordinatorin fungiert, kennt viele solcher Geschichten. Die Geburt eines Babys könne Familien „ganz schön aus der Bahn werfen“, sagt sie: „Alles läuft anders als vorher, das führt oft zu Überforderungssituationen.“ Umso wertvoller sei es, wenn man in solchen Phasen Hilfe bekomme. Genau das sei das Ziel des Projekts „wellcome“, das es seit zehn Jahren in Frankfurt gibt, mittlerweile an vier Standorten. Drei bis sechs Monate lang, bei Bedarf auch länger, kommen dabei Ehrenamtliche in junge Familien, um diese zu unterstützen.

Ehrenamtliches Engagement

Aus dem ehrenamtlichen Engagement von Birgit Muck bei Familie Magel hat sich inzwischen eine Freundschaft entwickelt. Auch nachdem ihr Einsatz offiziell beendet war, kam die heute 62-Jährige regelmäßig nach Heddernheim. Und als vor drei Jahren der kleine Fabian zur Welt kam, gehörten sie und ihr Mann zu den ersten Besuchern im Krankenhaus. Darüber hinaus hat die Eschersheimerin, die selbst keine Kinder, wohl aber vier Neffen hat – „für die war ich immer die belastbare Tante“ -, in den vergangenen Jahren noch weitere Familien begleitet. „Der Umgang mit Kindern macht einfach Freude.“

Henriett Magel, mittlerweile dreifache Mutter, ist von „wellcome“ ebenfalls begeistert. Das sei „ein geniales Projekt“, das sie schon mehreren Menschen empfohlen habe. Vor allem Paaren, die aus dem Ausland nach Frankfurt gezogen sind: „Die sind meist ohne Familie hier und haben niemanden.“

Dankbar ist sie Birgit Muck nicht nur für ihre Hilfe, sondern auch für ihre Tipps und Geschichten über Frankfurt. So habe sie die Stadt viel besser kennen gelernt, sagt die gebürtige Ungarin. Eines habe sie sich schon vorgenommen: „Wenn ich im Ruhestand bin und Zeit habe, dann will ich so ein Projekt auch in Ungarn machen.“

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