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Jede Pflanze erhält ein Schlückchen vom edlen Nass – Christina Rumpel sorgt dafür.

Nordweststadt

Enten im Gebüsch

Christina Rumpels Garten lockt auch Kaninchen und Füchse an. Es ist ein Garten der in den heißen Sommertagen viel Schatten spendet.

Von Regine Ebert

Ein bisschen verwunschen sieht er aus, der Garten von Christina Rumpel. Nicht einsehbar von draußen, der Straßenlärm der Nordweststadt bleibt ausgesperrt. Rundum dichtes Grün: Bäume, Sträucher, ein Efeu, der an einer Fichte emporwächst, eine Kletterrose in einem trockenen Holunderstamm. Dazwischen Winterjasmin und verschiedene Clematisarten.

Es ist ein Garten, der viel Schatten spendet – in diesem heißen Sommer war das eine Wohltat für Pflanzen, Tiere und Menschen: „Man kann zu jeder Tageszeit rausgehen, es ist immer angenehm“, sagt Christina Rumpel. Sie hat die Gartenbewohner entsprechend den Lichtverhältnissen ausgesucht: „Ich wollte gerne Pflanzen, die auch in einem Schattengarten blühen.“ Viele Funkien in unterschiedlichen Blattformen und Blütenfarben wachsen in den Beeten, einige sind schon verblüht, andere tragen gerade Knospen. Auch die Hortensien fühlen sich sichtbar wohl. „Der Boden ist leider nicht besonders gut“, sagt sie, „hier liegt noch viel Bauschutt vergraben.“ Den Pflanzen ist das nicht anzumerken – vielleicht, weil ihre Besitzerin immer mal wieder frische Gartenerde einarbeitet.

Rund um den kleinen Teich wachsen Lilien, Schachtelhalm und ein zweieinhalb Meter hoher Gewürzfenchel. Drinnen schwimmen Seerosen, die weiß und rosa blühen, und am Rand etwas Brunnenkresse. Damit das Wasser klar bleibt, hat Rumpel einen Beutel mit Gerstenschrot im Wasser liegen: „Das funktioniert wunderbar.“ Ab und zu fischt sie noch ein paar Algen mit dem Käscher heraus – fertig. „Sogar Molche leben schon seit vielen Jahren im Teich“, erzählt die gelernte Gemüsegärtnerin, die in ihrem eigenen Garten nur Zierpflanzen und ein paar Kräuter pflegt. Eine Entenfamilie hat schon oft im Gebüsch gebrütet, „und lange Zeit haben auch Igel hier gewohnt“. Kaninchen gibt es in der Nordweststadt ohnehin jede Menge – eher zum Leidwesen der Gartenbesitzerin. Denn auch die wollen die Beete mitgestalten, auf ihre Weise. Dass hin und wieder ein Fuchs vorbeischaut, trifft sich da ganz gut.

Vor 15 Jahren ist Christina Rumpel mit Mann und zwei Kindern hergezogen und hat nach und nach das rund 250 Quadratmeter große Grundstück umgestaltet. Nicht nur die Beete, auch die Terrasse wurde neu angelegt. „Es war viel zu tun“, sagt sie. Die Magnolie in der Mitte des Gartens war eines der wenigen Gewächse, die damals schon standen. Heute zieht der hochgewachsene Baum mit seinen großen Blättern gleich die Blicke auf sich. Rund um den Stamm hat die 54-Jährige Töpfchen und Ziegel mit Dachwurz dekoriert.

Tatsächlich gibt es zu jeder Jahreszeit in irgendeinem Beet einen Farbtupfer. Nach den Frühblühern kommen die Margeriten, Bartnelken und Kamillen, später Herbstanemonen und zahlreiche Astern. Doch nicht alles, was gesetzt wird, kommt auch wieder: „Ich bin immer noch am Ausprobieren, welche Pflanzen sich hier wohlfühlen.“ In diesem Jahr hat sie einen Storchenschnabel neu gepflanzt, Fingerhut, Malven und viel gelben Mohn ausgesät. Manche Pflanzen entwickeln auch ganz unerwartete und eigenwillige Strategien. So wie die Passionsblume am Rande der Terrasse, die sogar im Winter draußen bleibt. „Einmal ist sie komplett abgefroren“, erzählt Christina Rumpel. Doch dank einer kräftigen Wurzel, die sie in den warmen Kellerschacht getrieben hatte, hat die Pflanze überlebt und treibt nun schon seit 15 Jahren zuverlässig immer wieder aus.

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