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Der Hauptbahnhof in Frankfurt.

Frankfurt

Engpass Frankfurt Hauptbahnhof: Tunnel oder nicht?

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Der Frankfurter Hauptbahnhof ist einer der meist belasteten Schienenknoten Deutschlands, Experten haben über Pro und Contra zum Thema Fernbahntunnel diskutiert.

Gegner und Befürworter eines Fernbahntunnels unter dem Frankfurter Hauptbahnhof haben am Samstag im Saalbau Gallus diskutiert. Der hessische Ableger des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) hatte im Rahmen seiner Mitgliederversammlung zu der Podiumsdiskussion eingeladen.

Frankfurt Hauptbahnhof: Am meisten überlasteter Schienenknotenpunkt

Neben Vertretern des VCD saßen auf der Bühne des gut gefüllten Saals der hessische Verkehrs- und Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) sowie der Buchautor, Regisseur und Sozialwissenschaftler Klaus Gietinger von der Initiative „Frankfurt 22“, die sich gegen einen Tunnelbau ausspricht. Außerdem war Gerd-Dietrich Bolte, Großprojektleiter der Bahn-Tochter DB-Netz, gekommen. Bolte begründete den Bau eines Fernbahntunnels mit Tiefbahnhof, der den oberirdischen Bahnhof ergänzen würde, damit, dass es in der Vergangenheit „eine Verdopplung der Fahrgastzahlen im Fernverkehr“ gegeben habe. Durch diese „sprunghaften Zuwächse“ gelte der Frankfurter Hauptbahnhof neben Hamburg und Köln als „der am meisten überlastete Schienenknoten Deutschlands“.

Bolte sagte: „Wir brauchen mehr Gleise und wir haben zu wenig Bahnsteigkanten“. Durch den Bau eines Tunnels könnten vier Bahnsteige hinzugewonnen werden. Acht Minuten „Fahrzeitgewinn“ seien ein weiterer Vorteil. Gietinger hielt diesem Argument entgegen, dass der Tunnel sehr tief, noch unter U- und S-Bahn-Schächten, gebaut werden müsse. „40 Meter runter bedeuten lange Umsteigewege über Rolltreppen, die auch mal ausfallen können, und die langen Wege heben den Fahrzeitgewinn wieder auf“, sagte er.

Tunnel unterm Hauptbahnhof: Schlechte Erinnerungen an Stuttgart 21

Gietinger schlug stattdessen vor, die Strecke vom Süd- zum Hauptbahnhof viergleisig auszubauen. Er zeigte exemplarisch das Foto einer Brücke über die Kennedyallee, an der bereits die Möglichkeit bestünde, weitere Gleisstränge zu verlegen. Bolte, der selbst in Sachsenhausen wohnt, hielt dem entgegen, „es wäre eine katastrophale Situation unter Betrieb und über zehn Jahre“ diesen Streckenabschnitt auszubauen. Minister Al-Wazir befürwortete einen Tunnelbau. Er sagte: „Lasst uns mal über den rosa Elefanten reden“ und weiter: „Alle haben sofort Stuttgart 21 vor Augen.“ Damit habe das „Projekt Fernbahntunnel“ jedoch nichts zu tun, weil, anders als bei den sich seit Jahren in die Länge ziehenden Bauarbeiten in Baden-Württembergs Landeshauptstadt kein bestehender Bahnhof abgerissen und unter die Erde verlegt werden solle. „Hier wird der bestehende Bahnhof gelassen, wie er ist“, sagte Al-Wazir. Er halte den Fernbahntunnel für „eine gute Möglichkeit“ und sei gespannt, was die Machbarkeitsstudie hergibt“, sagte er. Diese soll Anfang des kommenden Jahres veröffentlicht werden.

Heiko Nickel, Geschäftsführer vom VCD Hessen, und Klaus Gietinger verwiesen dagegen auf die immensen Kosten – vermutet werden bislang 3,5 Milliarden Euro – die das Tunnelprojekt verschlingen könnte. Auch eine lange Bauzeit von „20 bis 30 Jahren“ sowie Gefahren bei den unterirdischen Bauarbeiten führte Gietinger als Gegenargumente an.

Tunnel unterm Hauptbahnhof: „Im Idealfall kriegen die oben gar nichts davon mit“

Das wiederum formulierte Bahn-Vertreter Bolte als Beleg für den Tunnelbau. „Der Vorteil ist, Sie bauen unter der Erde und im Idealfall kriegen die oben gar nichts davon mit.“ Diese Aussage sorgte für Raunen im Publikum.

Die Bundesvorsitzende des VCD, Kerstin Haarmann betonte, „dass Bürger und Verbände frühzeitig an den Planungen beteiligt werden müssen“.

Kritiker Gietinger hob ein mangelndes Vertrauen gegenüber Politik und Bahn hervor. Baumaßnahmen im Rhein-Main-Gebiet, die schon vor 20 Jahren begonnen werden sollten, seien noch immer nicht erledigt. „Jahrelang wurde die Bahn kaputtgespart“, sagte er und weiter: „Das Problem ist nicht der Hauptbahnhof, sondern die Zulaufstrecken.“ Al-Wazir beteuerte, dass diese Projekte, „aus unterschiedlichen Töpfen finanziert“, trotz Tunnelbau alle umgesetzt werden würden.

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