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English Theatre Frankfurt: Witzig, schrecklich, verblüffend aktuell

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Von: Andreas Hartmann

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Der Regisseur Mark Mineart inszeniert die Europapremiere von The Totalitarians im English Theatre.
Der Regisseur Mark Mineart inszeniert die Europapremiere von The Totalitarians im English Theatre. © Rolf Oeser

Donald Trump lässt grüßen: Das English Theatre zeigt dem europäischen Publikum zum ersten Mal das erstaunliche Stück „The Totalitarians“ - entstanden vor Trumps Wahlsieg.

Das English Theatre hat mit Peter Sinn Nachtriebs bereits 2014 uraufgeführten Stück „The Totalitarians“ einen tollen Fund gemacht: „Ich konnte es gar nicht glauben, dass das Stück vor Donald Trumps Wahlkampf geschrieben wurde“, sagt der US-amerikanische Regisseur Mark Mineart. „Danach sind mehr extreme Dinge passiert, als man es sich damals hätte vorstellen können.“

Jetzt inszeniert Mineart The Totalitarians auf Wunsch von Intendant Daniel Nicolai in Frankfurt - es ist tatsächlich die europäische Erstaufführung dieses weiterhin sehr aktuellen Stücks. Es dreht sich um die frühere Profi-Rollschuhläuferin Penny Easter, die im fernen Nebraska nun „irgendwas mit Politik“ machen möchte, und ihre ehrgeizige Redenschreiberin Francine, die große Pläne hat.

Der in den USA ziemlich bekannte Dramatiker Sinn Nachtrieb, dessen Dramen dort viel gespielt werden, ist hierzulande weitgehend unbekannt – vielleicht ändert sich das nun. „Es ist schade, viele amerikanische Theaterstücke finden nicht den Weg nach Europa“, sagt Mineart, der selbst an einer Hochschule in Ohio Schauspiel unterrichtet.

Das Stück

„The Totalitarians“ des in den USA sehr erfolgreichen Theaterautors Peter Sinn Nachtrieb erlebt am Samstag, 18. Juni, in der Regie von Mark Mineart seine Europapremiere im English Theatre Frankfurt, Gallusanlage 7.

Kaum zu glauben: Das erstaunlich hellsichtige, witzige Stück, politische Satire und schwarze Komödie zugleich, wurde noch vor der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten geschrieben und uraufgeführt. In Frankfurt ist es voraussichtlich bis 24. Juli täglich außer montags zu sehen, dienstags bis samstags jeweils um 19.30 Uhr, sonntags um 18 Uhr.

Karten gibt es beim English Theatre, Telefon 069/24 23 16 20, an der Theaterkasse und unter www.english-theatre.de. In der ersten Spielwoche sind die Tickets 25 Prozent günstiger. aph

Der Autor habe beim Schreiben vielleicht an die frühere republikanische Gouverneurin von Alaska, Sarah Palin, gedacht, mutmaßt Regisseur Mineart. 2008 wollte sie US-Vizepräsidentin werden, scheiterte aber am Duo Obama/Biden. Dann war es länger still um die Politikerin. „Vor kurzem hat sie angekündigt, für das Repräsentantenhaus zu kandidieren.“ Donald Trump unterstütze die Bewerbung, so heißt es.

Die Do-it-Yourself-Politikerin Penny sei aber keiner bestimmten Partei zuzuordnen, meint Mineart. „Sie ist eine Kandidatin ohne Positionen. Jeder Charakter im Stück glaubt an bestimmte Dinge, keiner ist entweder gut oder schlecht.“ The Totalitarians jedenfalls ist eine schwarze Komödie, „wobei manches zu wahr ist, um darüber zu lachen“, wie Mineart sagt. „Man braucht keine Fakten, damit die Leute einem glauben, so eine Botschaft.“

Mineart ist ein alter Bekannter in dem größten englischsprachigen Theater auf dem Kontinent. Er hat mit seiner Familie mehrere Jahre lang in Frankfurt gelebt, stand im English Theatre als Darsteller in „Streetcar named Desire“ und „The full monty“ auf der Bühne und hat auch Kampfszenen choreografiert. Nach einigen Jahren in Kairo lebt er seit 2015 wieder in den USA, ist aber nun als Regisseur sehr gerne zu Gast, wie er sagt. „Ich liebe Frankfurt, wir wären damals am liebsten geblieben“, meint er.

Es fasziniere ihn, wie die Schauspielerinnen und Schauspieler im English Theatre, alle aus Großbritannien, sich in dieses so amerikanische Stück eingearbeitet hätten. „Sie haben den Dialekt sehr schön einstudiert, sie sind aber auch talentiert! Wir haben viel gelacht bei den Proben, Ich bin mal gespannt, wie es beim Publikum ankommt.“

Er habe nur eine einzige kleine Formulierung gestrichen., sagt Mineart. „Das war eine Anspielung auf Wahlkampfzeiten, die man nur in den USA versteht“. Der Rest ist gar nicht so weit weg von dem, worüber man inzwischen auch in Europa lacht – oder die Stirn runzelt.

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