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Das neue Stück „Switzerland“ nach Patricia Highsmith, inszeniert vom britischen Regisseur Tom Littler, eröffnet die Saison im English Theatre Frankfurt.

Kultur

Thriller in der Berghütte

  • Andreas Hartmann
    vonAndreas Hartmann
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Mit „Switzerland“ unter der Regie von Tom Littler beginnt das English Theatre in Frankfurt die Saison unter Corona-Bedingungen.

Die US-Schriftstellerin Patricia Highsmith wird gerne leichtfertig als Krimischreiberin abgekanzelt, dabei ist die Großmeisterin psychologischer Erzählkunst so weit weg von Edgar Wallace wie Shakespeare von Konsalik. „Sie ist extrem unterschätzt. Graham Greene war einer ihrer größten Fans“, sagt der Regisseur Tom Littler, der aktuell einen Psychothriller über Highsmith am English Theatre inszeniert.

Der Brite, der das Londoner Jermyn Street Theatre leitet und während der Proben zu „Switzerland“ seinen 36. Geburtstag gefeiert hat, ist dem Frankfurter Publikum bereits bestens bekannt. Es ist schon seine siebte Arbeit für das größte englischsprachige Theater auf dem europäischen Festland. Jüngst feierte hier beispielsweise seine freche „Cabaret“-Inszenierung Erfolge.

Das Stück

Der Psychothriller „Switzerland – Der Fall Patricia Highsmith“ von Joanna Murray-Smith spielt in einer Schweizer Berghütte, wo die einsame Bestsellerautorin mit ihren Katzen haust und Besuch von einem jungen Literaturagenten bekommt. Der soll sie dazu bewegen, noch einmal eine Fortsetzung ihrer berühmten Tom-Ripley-Reihe zu schreiben. Unterstützt wird die Aufführung übrigens passenderweise vom Schweizer Generalkonsulat in Frankfurt.

Die Premiere in englischer Sprache ist am Freitag, 4. September, 19.30 Uhr. Gespielt wird bis zum 8. November im Theater an der Gallusanlage 7 in Frankfurt. Karten gibt es unter www.english-theatre.de oder montags bis freitags von 11 bis 15 Uhr im Theaterfoyer.

Die Eintrittskarten sind diesmal wegen der aktuellen Corona-Pandemie nicht nummeriert, die Besucher bekommen ihre Plätze zugewiesen. aph

Seine erste Arbeit für Frankfurt 2014, „Strangers by a Train“, das Highsmith als junge Autorin schlagartig berühmt gemacht hatte und quasi sofort von Alfred Hitchcock verfilmt worden war, gab Littler den Anstoß, sich intensiv mit der Schriftstellerin zu beschäftigen, deren Leben einsam, bitter, seltsam war wie das einer ihrer Romanfiguren.

Die Autorin Joanna Murray-Smith hat daraus das aktuelle Drama gemacht, das von 4. September an im English Theatre laufen wird. „Es ist ein ganz klassischer, sehr raffinierter Thriller über zwei Menschen, zusammen eingesperrt in einer Hütte“, schwärmt Littler.

Es sei diesmal eine eigenartig schlichte Produktion, meint Littler, dessen bisherige Inszenierungen in Frankfurt bunt und üppig waren. „Auf der Bühne stehen zwei Schauspieler, wir haben einen Stage Manager und mich, also gerade mal vier Leute“, sagt er. „Switzerland“ wurde relativ aktuell ins Programm genommen, durch die kleine Besetzung ist es in Zeiten der Pandemie einfacher umzusetzen, allerdings habe das English Theatre auch schon länger mit dem Stück geliebäugelt, sagt Pressesprecherin Caroline Winter.

Alle vier Akteure kamen schon vor Wochen aus England, wurden mehrfach auf Corona getestet und teilen sich aktuell eine Wohnung des Theaters. „Wir leben hier grade in so einer Art Familienblase“, meint der Regisseur. „Wir wohnen zusammen, arbeiten zusammen und treffen kaum andere Leute von außerhalb.“

Theater spielen in Zeiten des Virus, das stellt sich augenblicklich in Frankfurt einfacher dar als in Großbritannien. „Die Londoner Häuser sind aktuell alle geschlossen. Für die Menschen, die in dem Theater- und Musicalbereich arbeiten, ist das sehr, sehr hart. Viele geben den Beruf auf“, berichtet Littler. „Wenn man nach Frankfurt kommt, erlebt man dagegen eine funktionierende Stadt.“

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