Regisseur Derek Anderson (links) und Stage Manager Kieran Enticknap proben auch im Lockdown im English Theatre.
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Regisseur Derek Anderson (links) und Stage Manager Kieran Enticknap proben auch im Lockdown im English Theatre.

English Theatre Frankfurt

Neues Stück, zweiter Versuch

  • Andreas Hartmann
    vonAndreas Hartmann
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„Secret Life of Humans“: Das English Theatre probt voll Hoffnung für seine nächste Premiere am 3. Dezember.

Theaterleute sind grade nicht zu beneiden. Geht der Vorhang, so wie aktuell geplant, Anfang Dezember wieder auf – oder wird die Zwangspause trotz guter Sicherheitskonzepte der Bühnen verlängert? Im Moment kann das noch niemand voraussagen, die Bundesregierung will Mitte der Woche bekanntgeben, wann und wie es weitergehen soll. Was tun in der Zwischenzeit?

Das English Theatre hat sich zum Optimismus entschlossen. Dort proben aktuell Regisseur Derek Anderson und Stage Manager Kieran Enticknap mit fünf britischen Schauspielerinnen und Schauspielern das neue Stück „Secret Life of Humans“. Alle leben auch zusammen in einer Wohnung des Theaters, sind gerade auf Harmonie angewiesen, weil es wenig Ablenkung außerhalb des Theaters gibt.

„Wir leben und proben in einer Art Blase“, sagt Anderson, 30, der Frankfurt dank der inzwischen schon fünf Inszenierungen ganz gut kennengelernt hat. Für Enticknap hingegen ist es der erste Aufenthalt hier und einer, bei dem es außer Arbeit nicht viel gibt. Museen, Kneipen, Bäder – alles ist gerade zu. „Ich muss wohl noch mal wiederkommen“, meint er lachend.

Deutschland-Premiere in Frankfurt

„Secret Life of Humans“ von David Byrne, inspiriert von Yuval Noah Hararis Bestseller „Eine kurze Geschichte der Menschheit“, soll seine Premiere am 3. Dezember feiern - wenn die Theater bis dahin wieder geöffnet sein dürfen. Gespielt wird in englischer Sprache täglich außer montags um 19.30 Uhr, sonntags beginnt die Vorstellung bereits um 18 Uhr.

Regie führt Derek Anderson, der auch das Lichtdesign übernommen hat. Im Ensemble spielen Emma Denly (Ava), Lukas Lee (George), Evan Milton (Jamie Bronowski), Caroline Moroney (Rita Bronowski) und Gary Tushaw (Bruno Bronowski).

Karten gibt es beim English Theatre Frankfurt, Gallusanlage 7, Tel. 069/24231620, www.english-theatre.de. Weil die Besucher je nach Gruppengröße individuell platziert werden, gibt es ausnahmsweise keine Sitzplatzreservierungen. (aph)

Eigentlich war die Deutschlandpremiere von „Secret Life of Humans“ in Frankfurt, nach London und New York, schon für das Frühjahr geplant, die damaligen Regisseurin Psyche Stott hatte mit dem Ensemble bereits Durchlaufproben erarbeitet, sogar der Autor David Byrne hatte zugesagt, eigens zur Premiere nach Frankfurt zu kommen.

Und dann kam der erste Lockdown, alles wurde abgesagt. Sämtliche Theater mussten schließen, Anderson wurde davon in München überrascht, wo er seine sehr erfolgreiche Frankfurter Inszenierung des Musicals Sweeney Todd nur dreimal hatte zeigen können. Jetzt ist der 30-jährige Regisseur wieder in Deutschland. Anderson konnte kurzfristig für seine verhinderte Kollegin einspringen und inszeniert nun alles noch mal neu, allerdings mit derselben Besetzung wie Psyche Stott im März. „Das ist aber noch mal ein Neustart, wir sehen eine ganz andere Inszenierung“, sagt er.

Byrnes Bühnenstück bezieht sich auf einen Bestseller von Yuval Noah Harari. Die Geschichte, Byrne nennt sie ein „historisches Mysterienspiel“, ist verrückt und philosophisch. Ein Tinder-Date macht den Anfang und bringt Jamie, den Enkel eines berühmten Mathematikers, mit der jungen Wissenschaftlerin Ava zusammen. Und diese Begegnung rollt sechs Millionen Jahre Menschheitsgeschichte auf.

„Es ist kein pessimistisches Stück, würde ich sagen. Aber es kommt wohl auf den Standpunkt an“, meint Anderson. Auf Anspielungen auf die aktuelle Corona-Lage hat er übrigens in seiner Inszenierung verzichtet – was ist die derzeitige Pandemie schließlich im Vergleich zu den unendlichen Katastrophen der Menschheitsgeschichte.

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