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English Theatre Frankfurt: Mit Optimismus in die neue Spielzeit

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Von: Andreas Hartmann

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Plakat des English Theatre für die neue Saison: Wie sind die Aussichten? Das muss sich bald entscheiden. English Theatre Frankfurt
Plakat des English Theatre für die neue Saison: Wie sind die Aussichten? Das muss sich bald entscheiden. English Theatre Frankfurt © English Theatre Frankfurt

Das English Theatre Frankfurt stellt sein neues Programm vor – und hofft auf eine Verlängerung seines Mietvertrags. Der läuft im Dezember aus.

Daniel Nicolai, Intendant des English Theatre Frankfurt, ist kein Mensch, der schnell aufgibt. Das zeigt allein schon das Beispiel des Stücks „Secret Life of Humans“ vom Autor David Byrne nach Yuval Noah Hararis Bestseller „Eine kurze Geschichte der Menschheit“. 2020 hatte das Theater dafür die Regisseurin Psyche Scott verpflichtet, ein Ensemble gecastet, Kostüme geschneidert, Kulissen gebaut und geprobt – doch die Corona-Pandemie grätschte dazwischen. 2021 kam der Regisseur Derek Anderson immerhin bis zur Generalprobe. Die Premiere und alle weiteren Aufführungen fielen erneut aus.

Jetzt versucht Intendant Nicolai es ein drittes Mal, und es ist ihm ein Coup gelungen: Erstmals inszeniert mit David Byrne ein Autor sein Stück selbst am English Theatre. „Das hatten wir noch nie! Byrne hatte im August überraschend Zeit für die Proben, die ganz ausnahmsweise mal in Frankfurt und nicht in London sind“, sagt Nicolai. Die Premiere soll am 16. September sein, so jedenfalls der Plan.

Der Intendant des größten englischsprachigen Theaters auf dem europäischen Festland hat jedenfalls das frohgemut spielerische, schwer zu übersetzende Motto „The past is tense, the future perfect“ ausgegeben (ungefähr: Die Vergangenheit ist angespannt, die Zukunft vollkommen). Angesichts des zum Jahresende auslaufenden Mietvertrags des Theaters im Hochhaus „Gallileo“ – Nicolai weist seit sieben Jahren alle Verantwortlichen bei jeder sich bietenden Gelegenheit darauf hin – ist eine gehörige Portion Optimismus angesagt.

Auch 2022 soll ein großes Musical dem English Theatre im Winter ein volles Haus bescheren, diesmal ein Klassiker, „Sister Act“ mit bösen Gangstern und singenden Nonnen – nicht alle übrigens von Frauen gespielt. Premiere feiert das Stück am 12. November und wird dann hoffentlich bis zum 3. April laufen können.

Das Programm des English Theatre Frankfurt

Die Saison 2022/23 im English Theatre Frankfurt, Gallusanlage 7, beginnt am 3. September ausnahmsweise nicht mit einer Theaterpremiere, sondern dank der Unterstützung von „Cultural Ireland“ mit dem Stück „Silent“ der Dubliner Theatergruppe Fishamble. Am 19. September spielt die Truppe „Forgotten“. Das erste eigene Theaterstück, „Secret Life of Humans“ feiert seine Premier16. September.

Karten gibt es im English Theatre, Tel. 069/24231620 oder montags bis freitags von 11 bis 18.30 Uhr, samstags von 15 bis 18.30 Uhr und sonntags von 15 bis 17 Uhr an der Theaterkasse. Weitere Informationen unter www.english-theatre.de. aph

Bei Musicals merke man aber auch, dass der „Nachschub“ wegen der Corona-Pandemie „ins Stottern“ geraten sei. „Schon am Broadway laufen neue Stücke nur noch mit Verzögerung, und dann dauert es aktuell noch länger, bis diese auch in London aufgeführt werden. Die Produzenten wollen nicht, dass die Sachen vorher in Frankfurt ihre Europa-Premiere haben.“

Interessant geht es im English Theatre – hoffentlich – auch weiter. Am 14. April 2023 soll hier erstmals außerhalb Großbritanniens die Satire „Manor“ der Britin Moira Buffini gezeigt werden (voraussichtlich bis zum 4. Juni). Das Stück ist noch ganz frisch – in London war die Uraufführung im November 2021.

Er verstehe nicht, warum das Stück in der britischen Presse so schlechte Kritiken bekommen habe, sagt Nicolai, es sei nämlich sehr gut und witzig, außerdem angesichts des Zeitgeschehens verdammt aktuell. Der Inhalt: In einem englischen Herrenhaus finden nach und nach etliche sehr wenig zueinander passende Leute aus der Nachbarschaft Zuflucht vor einem schweren Sturm.

Auch die romantische Komödie „Now and Then“ kann ihre Europa-Premiere hoffentlich im Juni kommenden Jahres im Untergeschoss des Gallileo-Turms feiern. Der US-Autor Sean Grennan denkt darin über Möglichkeiten und verpasste Chancen im Leben nach – was wäre, wenn man sie noch einmal zurücknehmen könnte?

Für ein junges Publikum, also in der Regel für Schulklassen aus dem Rhein-Main-Gebiet, hat das English Theatre in der neuen Saison „Malala – a Girl with a Book“ im Programm. Das Theaterstück von Nick Wood erzählt das Leben der 15-jährigen pakistanischen Menschenrechtsaktivistin Malaya Yousefzai, die 2012 einen islamistischen Anschlag schwer verletzt überlebte und sich doch nicht entmutigen ließ. 2014 war sie die bisher jüngste Friedensnobelpreis-Gewinnerin.

Weiter geht es in der neuen Saison auch mit dem monatlichen deutschsprachigen Poetry Slam, geleitet von Lars Ruppel, und dem Streitclub, den Michel Friedman und Nicole Deitelhof moderieren.

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